• 25.10.2020 15:40

    Von der Quarantäne zum Überraschungsresultat

    Basel / Stephanie Eymann von den Liberalen ist die Überraschungskandidatin der Basler Regierungsratswahlen. Obwohl sie in Basel-Stadt politisch unerfahren ist, verfehlte sie das absolute Mehr mur knapp.

    Freud und Leid liegen bei Stephanie Eymann derzeit nahe beieinander. Am Sonntagmittag sah es nach Auszählung der brieflichen Stimmen noch danach aus, dass sie die Wahl in die Exekutive bereits im ersten Wahlgang schaffen könnte. Kurz nach 17.30 Uhr bei Verkündigung der Schlussresultate dann die Gewissheit: Eymann fehlten nur 79 Stimmen für das absolute Mehr. Sie muss am 29. November in den zweiten Wahlgang.

    Die Wahlen musste die Leiterin der Baselbieter Verkehrspolizei und ehemalige Staatsanwältin von zu Hause aus verfolgen: Eymann befindet sich in Quarantäne, weil ihre Eltern positiv auf das Coronavirus getestet wurden und im Spital sind.

    "Ich freue mich riesig über das wunderbare Resultat, das über meinen Erwartungen liegt. Ich befinde mich momentan aufgrund der Spitalaufenthalte meiner Eltern aber zwischen zwei Welten", sagte Eymann auf Anfrage.

    Ihr gutes Abschneiden führt sie unter anderem darauf zurück, dass sie und ihre drei bürgerlichen Kollegen Baschi Dürr (FDP), Conradin Cramer (LDP) und Lukas Engelberger (CVP) einen "glaubhaften und ehrlichen" Wahlkampf geführt hätten.

    "Kein Abziehbild meiner Familie"

    Eymann ist eine politische Quereinsteigerin in Basel-Stadt. Sie wohnt erst seit einem Jahr wieder im Stadtkanton, davor lebte während fast 20 Jahren in Eptingen BL und sass dort einige Jahre für die FDP im Gemeinderat.

    Dennoch ist ihr Familienname im Stadtkanton Programm: Ihr Vater Felix Eymann sass bis vor Kurzem für die Liberalen im Grossen Rat, ihr Onkel ist der ehemalige Regierungsrat und amtierende Nationalrat Christoph Eymann (LDP) und ihr Cousin ist der Basler CVP-Präsident Balz Herter. Nun könnte Eymann die erste bürgerliche Frau im siebenköpfigen baselstädtischen Regierungsrat zu werden.

    Inwiefern ihr gutes Resultat auch auf ihren Familiennamen zurückzuführen ist, kann Eymann nicht sagen. "Es gab ja auch sehr negative Stimmen am Anfang und Leute, die von einem Clan-Anspruch geredet hatten", sagte Eymann. Das habe sie nie verstanden. Sie habe das Gefühl, dass sie ihren eigenständigen Werdegang im Wahlkampf hervorgehoben und gezeigt habe, dass sie kein Abziehbild ihrer Familie sei.

    Kampf ums Regierungspräsidium offen

    Eymann überholte auch amtierende Exekutivmitglieder. Im Kampf ums Regierungspräsidium erzielte Stephanie Eymann im ersten Wahlgang 16'463 Stimmen - 1'409 Stimmen mehr als Amtsträgerin Elisabeth Ackermann (Grüne).

    Zudem ist das Resultat von Eymann auch für die FDP eine bittere Pille. Zwar sind FDP, CVP und LDP gemeinsam mit einem Vierticket zu den Wahlen angetreten, aber der amtierende Justiz- und Sicherheitsdirektor Baschi Dürr (FDP) holte 2'488 Stimmen weniger als Eymann. (sda)

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