• 07.03.2021 17:46

    Kündigungen der letzten zwei Jahren sollen untersucht werden

    Der Vorstand der Sozialen Dienste Werdenberg (SDW) will die Vorfälle rund um die Kündigung von Markus Büchel untersuchen. Im Rahmen von ersten Gesprächen sind weitere Missstände ans Tageslicht gekommen. Deshalb soll eine externe Untersuchung die letzten zwei Jahre genauer unter die Lupe nehmen, wie die SDW in einer Medienmitteilung schreiben.

    Die Kündigung und sofortige Freistellung von Markus Büchel, Leiter des Kompetenzzentrum Jugend (KOJ), hat hohe Wellen geschlagen. Diese führten dazu, dass der Vorstand der Sozialen Dienste Werdenberg, bestehend aus dem Präsidenten Eduard Neuhaus, Heinz Rothenberger, Andreas Bernold, Susi Domenig, Niklaus Lippuner und Fredy Schöb die internen Vorgänge zusammen mit Geschäftsleiterin Alexandra Baumgartner anfangs letzter Woche analysierten. Dabei wurde relativ rasch festgestellt, dass die Kündigung von Markus Büchel auf Grund eines Formfehlers nichtig ist. Dies, weil der Vorstand – welcher seine Arbeit erst dieses Jahr aufgenommen hat – von den Vereinsmitgliedern noch nicht offiziell gewählt wurde und damit nicht unterschriftsberechtigt war. Im Zuge der weiteren Abklärungen musste festgestellt werden, dass auch bei der Kündigung von Karin Marugg im Dezember 2020 ein Formfehler vorlag. Die Kündigung wurde vom damaligen Interims-Präsidenten Heinz Rothenberger und der Geschäftsleiterin Alexandra Baumgartner ohne Vorstandsbeschluss ausgesprochen. Gemäss Statuten wäre jedoch für die Kündigung der Abteilungsleiterin ein Vorstandsbeschluss notwendig gewesen. Aufgrund dieses Fehlers entschied sich Heinz Rothenberger für den sofortigen Rücktritt aus dem SDW-Vorstand. Gleichentags gab die Geschäftsleiterin Alexandra Baumgartner bekannt, dass sie die Sozialen Dienste Werdenberg auf eigenen Wunsch verlassen wird.

    Andere Sichtweise durch Gespräche

    Aufgrund der entdeckten Formfehler wurden die beiden betroffenen Personen Markus Büchel und Karin Marugg zu Gesprächen eingeladen. Durch diesen Austausch erhielt der Vorstand eine andere Sichtweise der Vorkommnisse und stellte fest, dass die im Februar dem Vorstand beantragte Kündigung mit sofortiger Freistellung von Markus Büchel blauäugig gestützt und ausgesprochen wurde. In der Folge sprach der gesamte SDW-Vorstand Markus Büchel sein Bedauern dafür aus. Der SDW-Vorstand entschuldigt sich in aller Form für den Entscheid und dafür, was Markus Büchel und seine Familie in diesen Tagen durchmachen müssen. «Das Gespräch hat mir aufgezeigt, dass die beteiligten Politiker konstruktiv mit der Kritik umgehen und gewillt sind, aus Fehlern zu lernen. Ich erhoffe mir, dass dies Signalwirkung hat und sie das Gelernte auch umsetzen können», sagt Markus Büchel. Gleichzeitig fordert er, dass die zahlreichen Abgänge der letzten zwei Jahre bei den Sozialen Diensten Werdenberg analysiert werden. Dies hatte der Vorstand ohnehin vor, da er selbst ein grosses Interesse hat, dass die Ereignisse lückenlos aufgearbeitet werden. Dieser Forderung von Markus Büchel kommt der Vorstand entsprechend nach.

    Weitere Missstände

    Nebst den Gesprächen mit Markus Büchel führte SDW-Präsident Eduard Neuhaus am Samstag ein erstes, ausführliches Gespräch mit Karin Marugg. Sie arbeitete während 17 Jahren bei den Sozialen Diensten Werdenberg. Die Abteilungsleiterin Zentrale Dienste erhielt wie bereits erwähnt im Dezember 2020 vom damaligen Interims-Präsidenten Heinz Rothenberger und der Geschäftsleiterin Alexandra Baumgartner die Kündigung. Die Gründe, welche zu diesem Schritt führten, können zum jetzigen Zeitpunkt nicht nachvollzogen werden. Der heutige Vorstand war in die damalige Kündigung nicht involviert. Zum aktuellen Zeitpunkt deutet einiges darauf hin, dass die Kündigung nicht Rechtens ausgesprochen wurde. Karin Marugg ist heute noch tief betroffen und enttäuscht, dass es soweit kommen konnte. SDW-Präsident Eduard Neuhaus bedauert die Entwicklung und sicherte Karin Marugg am Samstag zu, dass dieses erste Gespräch erst der Anfang der Aufarbeitung ihres Falls ist.

    Externe Untersuchung wird gefordert

    Der SDW-Vorstand will die Vorkommnisse der letzten beiden Jahre durch neutrale, externe Fachpersonen untersuchen und lückenlos aufarbeiten lassen. «Dies sind wir allen Beteiligten schuldig», ist Eduard Neuhaus überzeugt. Entsprechend hat der Vorstand an einer ausserordentlichen Sitzung am Sonntag beschlossen, bei der GPK eine Aufarbeitung einzuleiten. Die GPK wurde aufgefordert unabhängige, neutrale und externe Fachpersonen mit der Aufarbeitung der letzten zwei Jahre zu beauftragen. Der Vorstand ist überzeugt mit diesem Vorgehen einen weiteren Schritt in die Richtung zu begehen, dass die Mitarbeitenden und die Bevölkerung das Vertrauen in die Führung der Sozialen Dienste Werdenberg wieder zurückgewinnen können. «Wenn Fehler gemacht werden, müssen diese aufgedeckt, korrigiert und die Betroffenen bestmöglich unterstützt werden», versichert Eduard Neuhaus. Er sieht sich zusammen mit dem Vorstand in der Pflicht die Prozesse des Vereins und die Kontrollorgane entsprechend anzupassen, damit sich so etwas nicht wiederholen kann.

    Gemeinsam vorwärts schauen

    Mit den ersten Gesprächen und dem Entscheid die Vorkommnisse neutral zu untersuchen, sind die Weichen für eine bessere Zeit gestellt. Entsprechend wichtig waren für beide Betroffenen auch der Rücktritt des ehemaligen Interim-Präsidenten und die Kündigung der Geschäftsleiterin. «Der Weg zurück zu einem vertrauensvollen Umgang ist noch weit. Der Vorstand will mit Taten aufzeigen, dass er gewillt ist die Situation nachhaltig zu verbessern», sagt Eduard Neuhaus. Während Karin Marugg in der Zwischenzeit eine neue Arbeitsstelle gefunden hat und nicht zu den Sozialen Diensten Werdenberg zurückkehren will, bleibt Markus Büchel den SDW als Leiter des Kompetenzzentrum Jugend erhalten. Er kann der ganzen Entwicklung Positives abgewinnen. Auch wenn der Preis für ihn extrem hoch ist: «Mich trägt die Solidaritätswelle über diese schwierige Zeit. Es ist unglaublich wie engagiert sich Jugendliche und ehemalige Jugendliche sowie die Bevölkerung mit verschiedenen Aktionen für mich einsetzen.» Dies weiss auch der SDW-Vorstand zu schätzen: «Die Bevölkerung und vor allem die Jugendlichen haben ihr demokratisches Recht wahrgenommen und für ihr Ziel gekämpft. Dies ist beispielhaft und verdient unsere Anerkennung. Sie haben uns Politikern die Augen geöffnet.» Über etwas kann sich Markus Büchel in dieser aussergewöhnlich schwierigen Zeit trotzdem erfreuen: «Ein besseres Arbeitszeugnis als jenes, welches mir in den letzten zehn Tagen von der Bevölkerung und den Jugendlichen ausgestellt wurde, könnte ich gar nicht bekommen.» (pd)

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