• 24.10.2020 06:00 | von Dorothea Alber

    «Wir stehen dahinter, aber es geht ums Überleben»

    Die Gastronomie steht unter Schock, schöpft angesichts der geplanten Hilfe aber Hoffnung.

    Weil die Infektionszahlen in den vergangenen Tagen derart angestiegen sind, ergreift auch die Regierung Liechtensteins drastische Massnahmen. Um Gegensteuer zu geben, müssen sämtliche Restaurants, Bars, Clubs und Diskotheken sowie Tanzlokale von heute an bis zum 15. November schliessen. Für die Gastronomie kam dieser Schritt überraschend. «Es war ein riesiger Schock», sagt Walter Hagen als Präsident des Liechtensteiner Hotel- und Gastronomieverband (LHGV). Dennoch stehe der Verband dahinter und zeige sich kooperativ. «Es scheint zu brennen. Wir sind Gastgeber und keine Virologen, weshalb wir die Entscheidung akzeptieren müssen», sagt der Gastronom. 

    Gleichzeitig freute er sich, dass die Vorschläge des Verbandes für staatliche Hilfen gegen Ende des Jahres und in den ersten drei Monaten des neuen Jahres bei der Regierung auf offene Ohren gestossen sind. Heute soll es eine weitere Sitzung mit der Regierung geben, um genau dieses Hilfspaket auszuloten. Es geht um Betriebe, die aufgrund ihrer wirtschaftlichen Tätigkeit von den Folgen der Pandemie längerfristig stark betroffen sind. «Insbesondere Unternehmen im Bereich Gastronomie und Catering sowie Event-, Reise- und Tourismusbranche sollen im Sinne einer Härtefall-Regelung zusätzlich unterstützt werden», sagt Wirtschaftsminister Daniel Risch. Es wird aber noch einige Wochen dauern, bis dieses Paket ausgearbeitet ist. 

    Die Kurzarbeitsentschädigung habe laut Hagen nicht die volle Tiefe an Wirkung, weshalb Betriebe in eine Notlage geraten könnten. «Wir gehen auf dem Zahnfleisch», betont Hagen. Wenn zusätzliche staatliche Gelder im vierten Quartal des laufenden und im ersten des kommenden Jahres kommen, dann zeigt sich der Unternehmer zuversichtlich. Von Zufriedenheit kann aber keine Rede sein, weil alles so schnell ging. «Wir haben natürlich bis heute noch Vorräte eingekauft, die nur Kosten verursachen, während wir vorerst keine Gäste bewirten dürfen», sagt Hagen. Von einem Tag auf den anderen muss sich die Branche auf die neue Lage einstellen, wie so oft in diesen Zeiten. «Wir haben zwar in den vergangenen Wochen in ganz Europa verschiedene Massnahmen in der EU gesehen, welche die Gastronomie trafen. Das war bisher noch weit weg», sagt Walter Hagen. Vorarlberg zum Beispiel setzt seit Wochen auf eine Sperrstunde für Gastrobetriebe. Nun werden die Massnahmen drastischer: Der Kanton Bern schloss diese Woche Clubs und Bars. 

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