• 04.12.2020 06:00 | von Melanie Steiger

    «Wir denken immer eine Stufe weiter»

    An fast jedem Markt im Land sind Nelly und Alexander Kind mit ihren handgemachten Naturseifen und Peelings anzutreffen.

    Ihr verkauft eure Produkte hauptsächlich an Märkten und Events, die heuer grösstenteils ausgefallen sind. Könnt ihr das irgendwie kompensieren?
    Nelly Kind: Ein paar kleine Events fanden schon statt. Es gab mehr Onlinebestellungen, aber kompensieren tun wir das damit nicht. Es wäre viel mehr Werbung nötig gewesen, doch standen uns die finanziellen Mittel dafür nicht zur Verfügung. Unsere Produkte duften, die muss man erleben und ausprobieren. Anders geht es nicht, um Neukunden zu gewinnen. Wir tüftelten dafür umso mehr an neuen Produkten und kreierten eine neue Verpackung. Wir erledigten also Dinge, die sonst zu kurz kamen.

    Wie läuft das Weihnachtsgeschäft? 
    Nelly Kind: Wir waren an zwei kleinen Märkten, sind auf den sozialen Medien fleissig am Posten und wir haben im Dezember samstags zusätzlich geöffnet. Das wird uns etwas helfen. Vielen Menschen ist mittlerweile der lokale Einkauf in den Fokus geraten, was wir ausserordentlich schätzen.

    Folgt ihr Trends?
    Nelly Kind: Ehrlich gesagt, nein. Klar gibt es Klassiker und wir probieren immer etwas Neues aus, dafür müssen wir aber ein älteres Produkt auslaufen lassen. Saisonabhängige Produkte sind etwa die Peelings «Harmonie» oder «Milch und Honig», weil das warme Düfte sind. Die laufen ganz klar im Winter besser. Im Frühling sind «Lemongras», «Südseetraum» oder Feriendüfte angesagt. Heuer war «Whisky» sehr beliebt, das Jahr zuvor «Gin».

    Alexander Kind: Es gibt durchaus Personen, die mit Düften nicht klarkommen. Darum halten wir auch an allergenfreien Produkten und solchen ohne Duft und Farbe fest.

    Wie geht ihr bei der Produktion vor?
    Nelly Kind: Das hängt mit der Nachfrage zusammen. Meist wird jede zweite Woche produziert. Denn es steckt ein enormer Aufwand dahinter wegen den Hygienevorschriften im Kosmetikgesetz. Stempeln und Hobeln tun wir zwischendurch immer wieder ein bisschen.

    Woher stammen die Ideen für neue Düfte?
    Nelly Kind: Der Lieferant bringt manchmal Neues oder wir entdecken etwas – so wie das Bio-Hanföl aus Liechtenstein. Dann überlegen wir erstmals, wie wir das verpacken können, kreieren ein paar Müsterli und schauen, ob es mit den Bestandteilen der Seife funktioniert. Denn es gibt Düfte, die reagieren anders. Nicht alles ist für die Seife oder unsere Naturkosmetik geeignet. Ätherische Öle sind je nach Qualität auch manchmal rasch ausgeräuchert. 

    Was bewog euch dazu, euer eigenes Geschäft auf die Beine zu stellen? 
    Nelly Kind: Umweltbewusstsein, Nachhaltigkeit und das Thema Allergien. Ich stellte mir die Frage, was wir mit der Chemie in und an unserem Körper wie in der Umwelt verursachen. Das hat mich lange beschäftigt. Vor sieben Jahren hat es sich herauskristallisiert und wir wagten uns in die Selbstständigkeit.

    Alexander Kind: Da dies auch meine Werte waren und Liechtenkind stetig gewachsen ist, stieg ich vor knapp zwei Jahren auch in den Betrieb ein.

    Was war für euch während des Aufbaus die grösste Herausforderung?
    Nelly Kind: Mit unseren Ideen und eigenen Produkten waren wir damals eher Vorreiter in Bezug auf nachhaltiger, pflegender und qualitativ hochwertiger Naturkosmetik. Und das Ganze dazu noch mit der Integration von anderen lokalen Geschäften (Demmel-Kaffeeseife, Honig aus Eschen, Milch vom Land). Wir nutzen die Synergien in der Nähe. Die heutige Herausforderung besteht hauptsächlich darin, unsere Bekanntheit regional zu stärken und überregional zu steigern.

    Alexander Kind: Es ist vielen nicht bewusst, dass Naturseife günstiger und vor allem gesünder ist als Duschgel. Die Botschaft, dass sie nachhaltend und rückfettend ist und was das bedeutet, ist noch nicht ganz angekommen. Um das zu vermitteln, muss man persönlich mit den Kunden sprechen, das zeigen und erklären können. Die Inhaltsstoffe zu erläutern, ist die Herausforderung. 

    Nelly Kind: Wir denken immer eine Stufe weiter, arbeiten mit biologischen Bestandteilen und ohne Plastik. Auch mit der Verpackung haben wir uns befasst, so verwenden wir bereits gebrauchte Kartonschachteln für den Versand, Zellglas für die Geschenkverpackungen und die Behälter für die Salzpeelings sind rezyklierbar.

    Inwiefern wart ihr der Zeit voraus?
    Nelly Kind: Die Menschen sagten zu uns, kommerzielle Seife sei günstiger. Es gibt aber so viele Varianten in der Herstellung mit den Inhaltsstoffen. Das ist wie Äpfel mit Birnen zu vergleichen. Viele sehen nur den Preis, aber auf die Inhaltsstoffe für den Körper zu schauen, das ist noch nicht ganz angekommen.

    Wie lasst ihr einen anstrengenden Arbeitsalltag ausklingen?
    Alexander Kind: Beim leckeren Abendessen zu Hause oder auch gerne in der Liechtensteiner Gastronomie mit einem Schlückchen Portwein, Wein oder einem Bierchen.

    Worauf seid ihr am meisten stolz?
    Alexander Kind: Es geschafft zu haben, dass unsere Produkte und ihre Qualität sehr gut im Markt aufgenommen wurden. An Events und Märkten oder in unserem Geschäft die tollen Feedbacks der Kunden zu erhalten, ist unglaublich schön.

    Was war bisher euer eindrücklichstes Erlebnis?
    Beide: Privat natürlich, Eltern sein zu dürfen, eine harmonische langjährige Beziehung zusammen zu führen und geschäftlich ein persönliches Schreiben vom Fürstenhaus zu unseren Produkten erhalten zu haben.

    Was würdet ihr mit einer Million Franken anstellen?
    Nelly Kind: Geld ist nicht das Wichtigste in unserem Dasein – uns liegt am Herzen, dass wir gesund bleiben und den Lebensweg, die Zeit und die entsprechende Lebensqualität zu zweit geniessen können. 

    Wie habt Ihr euren ersten Lohn verdient?
    Alexander Kind: «Sackgeld» ist eher der bessere Ausdruck – bei der Tankstelle den Kunden den Treibstoff aufgefüllt.

    Nelly Kind: Ich arbeitete im Quick ­Tourist Office Vaduz und das Geld habe ich gleich in eine Musikstereo­anlage vom Treff investiert.

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