• 15.01.2021 17:31 | von Dorothea Alber

    Wie Firmen tricksen und diskriminieren

    Es dürfte nur Einzelfälle sein, dennoch kommt es in manchen Betrieben zu Problemen: «Wir hatten schon mit sehr eigenwilligen Coronamassnahmen zu tun», sagt Sigi Langenbahn vom Arbeitnehmerverband (LANV).

    Es ist noch dunkel an diesem Dezembermorgen, als eine Mitarbeiterin ­eines Liechtensteiner Finanzdienstleisters ihre Kündigung aus dem Briefkasten fischt. Sie arbeitet als Teilzeitangestellte nur vormittags – genauso wie es ihr Arbeitsvertrag vorsieht. Doch weil sie nicht flexibel auf den Nachmittag umdisponieren kann, als es der Chef verlangt, erhitzt das die Gemüter. Der Hintergrund: Während der Pandemie sollten nicht zu viele Mitarbeiter gleichzeitig im Büro arbeiten.

    Als sie ihr Unverständnis über die neue Lohnpolitik während der Pandemie äussert, kippt die Stimmung endgültig. Denn während die Angestellten im Vollzeitpensum weniger Stunden, aber bei gleichem Lohn arbeiten müssen, geniessen die Teilzeitmitarbeiter keine derartigen Vorteile. Natürlich sind es schwere Zeiten, in denen Unternehmen viel Aufwand betreiben, um ihre Mitarbeiter zu schützen, und es dürften nur Einzelfälle sein, wie mehrere auf Arbeitsrecht spezialisierte Juristen gegenüber «Wirtschaft regional» bestätigen. Dennoch kommt es zu Problemen. «Wir hatten schon mit verschiedenen Diskriminierungen und sehr eigenwilligen Coronamassnahmen zu tun», bestätigt auch Sigi Langenbahn vom Liechtensteiner Arbeitnehmerverband (LANV). 

    «Es gibt schwarze Schafe, es sind aber Einzelfälle»
    Ein Beispiel: Gekündigte Arbeitskräfte mussten die vom Arbeitgeber verschuldeten Minusstunden in der Kündigungszeit weit über der gesetzlichen Höchstarbeitszeit abarbeiten, wäh­rend die anderen in Kurzarbeit waren. «Wir hatten einen anderen Fall, bei dem der Arbeitgeber seine Mitarbeiter 20 Prozent arbeiten liess, weil er ja schliesslich diesen Teil der Kurzarbeit selber zahlen müsse», sagt Langenbahn. Das heisst, obwohl die Angestellten zu 100 Prozent in Kurzarbeit waren, mussten sie 20 Prozent arbeiten. «Wir möchten aber nicht aus ein paar wenigen uns bekannten Beispielen den Eindruck erwecken, dass die Arbeitgeber massiv diskriminieren oder betrügen», betont Langenbahn. Viele seien mit der Situation überfordert und machten deshalb Fehler. Er habe eine grosse Solidarität zwischen Arbeitnehmern und Arbeitgebern erlebt. 

    Wird das Instrument der Kurzarbeit missbraucht?
    Dennoch mehren sich Klagen von Mitarbeitern über Firmen, die vom Staat die Ausfallsentschädigung kassieren, obwohl keine Umsatzrückgänge zu ­Buche schlagen. «Bisher konnten wir keine Verfehlungen feststellen», sagt ­Katja Gey als Leiterin des Amtes für Volkswirtschaft. Das Amt hat in den letzten Wochen zwar eine Reihe von Nachkontrollen bei Betrieben veranlasst. Es dürfte aber schwierig sein, ­solche schwarzen Schafe ausfindig zu machen.

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