• 22.01.2021 08:13 | von Dorothea Alber

    Ermittlungen gegen Liechtensteiner Treuhänder

    Claudia Díaz liess Gold für 10 Millionen Dollar in Triesen einlagern. Die Staatsanwaltschaft ermittelt gegen sie und einen Treuhänder.

    Ein Kilo-Goldbarren benötigt nicht viel Platz in der Aktentasche. Wenn Barren im Wert von 10 Millionen Dollar fast spurlos verschwinden und der Verdacht besteht, die Gelder sind aus der Staatskasse Venezuelas gestohlen worden, fällt das dennoch auf. So geschehen im Fall von Claudia Díaz, die zuerst Krankenschwester des Ex-Präsidenten Hugo Chavez war und dann von 2011 bis 2013 eine hohe Regierungsbeamte in Venezuela. Sie hatte das Gold in einem privaten Tresorgebäude der Firma Liemeta AG in Triesen versteckt. In ihrer Funktion als Schatzmeisterin sollte sie eigentlich die Staatsfinanzen Venezuelas überwachen, stattdessen besteht der Verdacht, dass die Gelder aus genau dieser Staatskasse gestohlen wurden. Darüber berichtete «Wirtschaft regional» bereits im vergangenen Jahr. Nun geht der Fall weiter: Die US-Justiz verlangt die Auslieferung von Díaz, die in Spanien wohnt, und veröffentlichte vor einigen Wochen eine neue Klageschrift gegen sie, in der Díaz Geldwäscherei vorgeworfen wird.

    Treuhänder aus Liechtenstein holt 90 Kilo aus dem Tresor
    Seit 2019 ermittelt die Staatsanwaltschaft in Liechtenstein gegen Díaz und acht weitere Verdächtige wegen Geldwäscherei – darunter auch gegen einen Liechtensteiner Treuhänder respektive Vermögensverwalter. Das geht aus dem Rechtshilfeersuchen hervor, welches das Landgericht am 22. November an die Genfer Staatsanwaltschaft abgeschickt hatte und dieser Zeitung vorliegt.

    Der Treuhänder in diesem Strafverfahren, der bis zum Herbst des vergangenen Jahres in der Geschäftsleitung eines Liechtensteiner Familienunternehmens in der Finanzbranche sass, hat im November 2018 genau 90 Kilo von den insgesamt 250 Kilo  Gold aus dem Tresor mit der Nummer G1 in Triesen persönlich abgeholt, wie schriftliche Dokumente zeigen. Der Auftrag, die Edelmetalle in Wert von circa 3,48 Millionen aus dem Schliessfach zu nehmen, wurde von einem Schweizer Banker unterzeichnet, gegen den in Liechtenstein ebenfalls ermittelt wird. Dieser Banker verkaufte in mehreren Tranchen immer wieder Gold aus dem Tresor mithilfe eines Goldhändlers, der in Triesen sitzt und eng mit der Firma Liemeta AG verbunden ist, gegen die – zumindest laut Rechtshilfeersuchen – direkt aber nicht ermittelt wird. Es geht beim Verwahrer vielmehr um die Frage, ob er seinen Sorgfaltspflichten nachgekommen ist. Der Schweizer Banker überwies den Erlös zum Teil auf seine Konten in Luxemburg und der Schweiz. Was danach mit den Millionen geschah, ist nicht bekannt, und auch der Verbleib des physisch abgeholten Goldes ist unklar.

    Welche Rolle drei Firmen in der Karibik spielten
    Die Geschichte über das verschwundene Venezuela-Gold, das jahrelang in einem weissen Gebäude in der Triesner Industriezone versteckt war, endet damit aber noch nicht. Im Gegenteil: Es wird kompliziert. Insgesamt verkaufte die Liemeta AG 250 Kilogramm Gold an eine Briefkastenfirma mit dem Namen Amaze Holding auf St. Vincent und den Grenadinen.

    Das karibische Land mit seinen fünf Inseln ist von Korallenriffen und himmelblauem, kristallklarem Wasser umgeben. Weisse Sandstrände, aber auch Offshore-Banken und Briefkastenfirmen sind die Aushängeschilder dieser Inselgruppe – oder waren es zumindest über viele Jahre hinweg. Als «wirtschaftlich Berechtigte» taucht offiziell eine Strohfrau auf, die für sogenannte politisch exponierte Personen (PEP) Venezuelas agierte, die wahre Eigentümerin ist aber Claudia Díaz. Denn die ehemalige Schatzmeisterin war es auch, die das Schliessfach in Triesen laut schriftlichem Vertrag für eine jährliche Summe von fast 200 000 Franken gemietet hat. Sie gab dem Schweizer Anwalt, der den Tresor schrittweise leerte, eine Vollmacht. Díaz – so zeigen die Ermittlungen – stellte zum Beispiel ein undatiertes Schreiben aus, das auch der Liechtensteiner Treuhänder unterzeichnete, und den Banker autorisierte, eine Tranche Gold zu verkaufen. Die Verstrickungen sind undurchsichtig, denn der Vater des Schweizer Anwaltes leitete wiederum den Standort des Liechtensteiner Treuhänders in St. Moritz.

    Konten bei einer Bank in Liechtenstein
    Und noch immer endet diese verworrene Geschichte nicht. Die Amaze Holding hat zufälligerweise den gleichen Sitz an der genau gleichen Adresse wie die Firma Greenhill International Ltd. Das alleine wäre noch nicht verdächtig. Von der ersten Firma sollen aber inkriminierte Millionen, also Gelder, die aus einem Verbrechen stammen, zur zweiten Firma transferiert worden sein. Hinter Greenhill International Limited steht wiederum ein Schweizer, gegen den auch ermittelt wird. Er gehört ebenfalls zu den neun natürlichen und juristischen Personen, die im Rechtshilfeersuchen erwähnt sind und gegen die Liechtenstein ein Strafverfahren eröffnet hat. 
    Die Greenhill International wiederum hatte gleich drei Konten bei der Liechtensteinischen Landesbank. Im Frühjahr 2019 lag das Kontoguthaben kumuliert bei 2,8 Millionen Franken. Eine weitere Firma namens Amblia Limited mit der gleichen Adresse hatte ein Konto bei der LLB mit einem Guthaben von knapp 2 Millionen Franken. Als «Wirtschaft regional» im vergangenen Jahr das erste Mal über die Konten in diesem Zusammenhang berichtete, teilte die LLB damals mit, dass es keine Untersuchung und kein Verfahren gegen die Bank gibt, während eine externe sowie interne Untersuchung keine Vergehen festgestellt habe.

    Wie Liechtensteins Ermittler schreiben, besteht der Verdacht, dass hinter den drei Firmen Amaze Holding, Greenhill International und Amblia die gleiche Person oder die gleiche Gruppe von Personen steckt und diese kontrolliert. Bei all den Verstrickungen ist noch vieles unklar und das Rechtshilfeersuchen an Genf soll weitere Informationen ans Licht bringen. Anhand der Transaktionen eines Kontos bei einer Genfer Bank, welche die Liechtensteiner Staatsanwaltschaft mit dem Rechtshilfeersuchen anfordert, sollen die unscharfen Konturen verschwinden und das Bild klarer werden. Wie der leitende Staatsanwalt Robert Wallner auf Anfrage bestätigte, wurde bislang keine Anklage gegen die Verdächtigen erhoben.

    Der Liechtensteiner Treuhänder lässt mitteilen, dass er zu keiner Zeit eine Frau aus Venezuela als Kundin hatte. Er distanziert sich auch klar und unmissverständlich von jeglicher Beteiligung an fragwürdigen Goldtransfers nach Liechtenstein, er unterstütze die Behörden zudem, sofern er kann, bei der Aufklärung der Umstände. Es gilt für alle Verdächtigen die Unschuldsvermutung. 

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