• 25.11.2020 14:02

    Balzers: Weiterbetrieb der bestehenden Freileitung

    Bis die zukünftige Leitungsführung entschieden und umgesetzt ist, muss Swissgrid sicherstellen, dass die bestehende Freileitung auch nach Ablauf der Dienstbarkeitsverträge im August 2021 in Betrieb bleibt.

    Swissgrid hat mögliche Varianten für eine Leitungsverlegung auf dem Gemeindegebiet von Balzers geprüft. Diese hat Swissgrid den Behörden im Fürstentum Liechtenstein vorgelegt. Ein Entscheid zu einer allfälligen Leitungsanpassung ist noch ausstehend.

    Die 220-kV-Höchstspannungsleitung Rüthi – Bonaduz ist Teil des Schweizer Übertragungsnetzes und verläuft über das Gebiet der liechtensteinischen Gemeinde Balzers. Die Leitung ist eine wichtige Verbindung in der Regelzone Schweiz, zu welcher auch das Fürstentum Liechtenstein gehört. Swissgrid sorgt in der gesamten Regelzone für einen leistungsfähigen und stabilen Netzbetrieb. Die Leitung ist ein wichtiges Element für die sichere Stromversorgung in der Ostschweiz und im Fürstentum Liechtenstein. Diese ist via die Schaltanlagen in Rüthi und Montlingen von Swissgrid sowie über die Schaltanlage Eschen der Liechtensteinischen Kraftwerke (LKW) mit dem Übertragungsnetz der Schweiz verbunden.

    Kontaktaufnahme mit Grundeigentümern
    Um den nahtlosen Betrieb der Höchstspannungsleitung auf dem bestehenden Trassee auch nach August 2021 sicherzustellen, muss Swissgrid aufgrund der auslaufenden Dienstbarkeitsverträge und der gegebenen Dringlichkeit die Zustimmung der betroffenen Grundeigentümer jetzt einholen. Diesen Schritt muss Swissgrid unabhängig von den laufenden Gesprächen mit den liechtensteinischen Behörden für eine allfällige Leitungsverlegung in Balzers angehen.

    Swissgrid wird nun bis im Februar 2021 die betroffenen Grundeigentümer kontaktieren zwecks Erneuerung der Dienstbarkeitsverträge der Leitung. Die Höhe der ausgerichteten Entschädigungen bemisst sich analog zu den «Entschädigungsansätzen für elektrische Freileitungen» des Verbandes Schweizerischer Elektrizitätsunternehmen (VSE) und dem Schweizerischen Bauernverband (SBV).

    Sofern die Dienstbarkeitsverträge nicht unterzeichnet werden, wird Swissgrid bei den betroffenen Grundeigentümern ab Februar 2021 ein Expropriationsverfahren für die bestehende Leitung gemäss liechtensteinischem Recht einleiten. Über solche Expropriationsanträge entscheidet der liechtensteinische Landtag.

    Varianten der Leitungsverlegung geprüft
    Die Netzbetreiberin Swissgrid sowie die Vertreter/innen aus dem Ministerium für Infrastruktur, Wirtschaft und Sport, Amt für Volkswirtschaft, Amt für Umwelt, Amt für Bevölkerungsschutz des Fürstentums Liechtenstein und der Gemeinde Balzers sind seit 2015 im Austausch betreffend der Höchstspannungsleitung Rüthi – Bonaduz. Am 11. März 2020 hat Swissgrid den Liechtensteiner Behörden verschiedene alternative Freileitungs- als auch Erdkabelvarianten zur heutigen Freileitung im Fürstentum Liechtenstein offiziell eingereicht. Bis heute dauern die Gespräche noch an.

    Die kleinräumigen Varianten sind bei optimalem Verfahrensverlauf in wenigen Jahren realisierbar. Es steht aber fest, dass die Realisierung einer allfälligen – erst noch zu bewilligenden – Variante der Leitungsverlegung nicht bis im August 2021 möglich sein wird.

    Swissgrid hat ursprünglich eine Verlegung der Höchstspannungsleitung auf der Schweizer Seite entlang dem Rheindamm geprüft. Die Varianten wurden bezüglich der Auswirkungen auf Raum, Umwelt, Technik und Kosten studiert. Dabei zeigten sich erhebliche Nachteile aufgrund der engen geografischen Verhältnisse in Trübbach – Sargans (Berg – Kantonsstrasse – Eisenbahn – Autobahn –Rheindamm). Eine Leitungsführung komplett ausserhalb des Gemeindegebietes von Balzers wurde daher von Swissgrid nicht weiterverfolgt.

    Im Dialog mit der Bevölkerung
    Der Dialog mit der Bevölkerung, der Gemeinde sowie den Behörden ist Swissgrid ein wichtiges Anliegen. Swissgrid führt eine öffentliche Informationsveranstaltung zur Höchstspannungsleitung in Balzers voraussichtlich in der zweiten Jahreshälfte 2021 durch.

    Leitungsverlegung in Balzers

    Die 220-kV-Höchstspannungsleitung Rüthi – Bonaduz ist Teil des Schweizer Übertragungsnetzes und verläuft über das Gebiet der liechtensteinischen Gemeinde Balzers. Die Gemeinde Balzers hatte auch im Namen von über 60 Grundeigentümern bereits im Jahr 2012 der Netzbetreiberin Swissgrid mitgeteilt, die im August 2021 auslaufenden Durchleitungsverträge für die Höchstspannungsleitung nicht verlängern zu wollen.

    Die Verlegung der zwischen 1964 und 1973 erstellten Leitung ist Teil des «Strategischen Netzes 2025», das die wichtigsten Netzprojekte im Übertragungsnetz der Schweiz umfasst. Eine Spannungserhöhung der Verbindung Rüthi – Bonaduz von 220 auf 380 Kilovolt ist im «Strategischen Netz 2025» nicht mehr enthalten.

    Detaillierte Informationen zum Netzprojekt gibt es auf der Website unter www.swissgrid.ch/balzers

    Varianten für zukünftige Leitungsführung in Balzers
    Swissgrid hat technische Varianten für den gleichwertigen Ersatz der bestehenden Leitung in Zusammenarbeit mit einem Liechtensteiner Ingenieurbüro ausgearbeitet. Aus Sicht von Swissgrid sind drei Varianten technisch umsetzbar:

    - Bestehende Freileitung beibehalten: Der Weiterbetrieb der 220-kV-Leitung auf dem bestehenden Trassee ist Teil des Variantenstudiums. Die Leitung hält alle heute gültigen Grenzwerte zum Schutz vor elektromagnetischer Strahlung und Geräuschen ein. Im Rahmen von geplanten Instandhaltungsarbeiten sorgt Swissgrid für den sicheren Betrieb der Leitung.

    - Verschiebung der heutigen Freileitung nach Westen zwischen dem Quartier Brüel und den Bauernhöfen: Das Freileitungstrassee führt oberirdisch auf einer Distanz von rund zwei Kilometern in der Mitte zwischen den bestehenden Bauernhöfen und dem Wohnquartier durch. Die bestehende Freileitung, die im Gebiet Brüel entlang des Siedlungsgebiets von Balzers verläuft, wird demontiert. Diese Variante ist technisch einfach und kostengünstig.

    - Erdverlegung auf einem Teilabschnitt entlang von Flurwegen im Bereich der heutigen Freileitung: Das Erdkabeltrassee führt unterirdisch im Bereich der heutigen Freileitung durch. Ein Verlauf weiter westlich in der Landwirtschaftszone wäre technisch machbar, bautechnisch aber aufwändig und teuer. Für die Verbindung der Freileitung zum Erdkabel sind zwei Übergangsbauwerke notwendig. Diese werden ausserhalb der Siedlungsgebiete platziert. Die bestehende Freileitung nahe dem Siedlungsgebiet Brüel wird demontiert. Die erdverlegten Varianten sind rund 3 – 5-mal teurer als die Freileitungsvariante. (pd)

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