• 23.01.2021 16:00 | von Dorothea Alber

    Volle Konten: Schweizer sparen, Liechtensteiner investieren

    Im Lockdown blieb in der Schweiz viel Geld auf den Sparkonten übrig. In Liechtenstein ist das anders.

    Viele Gelegenheiten gab es im vergangenen Jahr nicht, Geld auszugeben. Im Gegenteil: Restaurants waren wochenlang geschlossen, Konzerte wurden abgesagt und die Flugreise in die Ferien fiel bei vielen ins Wasser. Die Haushalte konnten während der Pandemie dadurch nicht nur Geld auf die Seite legen. Nein, in der Schweiz ist es sogar laut Konjunkturforschungsstelle (KOF) der ETH ein rekordhoher Anteil des Einkommens, der bei den Haushalten auf dem Sparkonto landete. KOF rechnet mit einer Sparquote von 26,6 %. Das ist der Anteil des verfügbaren Einkommens, den die Haushalte nicht ausgegeben haben. Absolut gesehen sind es rund 130 Mrd. Franken – also 30 Mrd. mehr als in einem gewöhnlichen Jahr, wie die NZZ berichtet.

    Ganz ähnlich erging es den EU-Bürgern, die ebenfalls viel Geld auf die hohe Kante brachten, um sich zu wappnen für schlechte Zeiten. Viele Banken beobachten daher Kunden, die immer weniger für den Konsum ausgeben. «Die Unsicherheit über die wirtschaftliche Entwicklung führt dazu, dass Kunden ihr Kapital vermehrt in Form von Kontoguthaben halten», sagte unlängst Raiffeisen-Sprecher Joël Grandchamp. Für Liechtenstein liegen die Zahlen der Einkommen sowie der Sparquote für das vergangene Jahr laut Amt für Statistik noch nicht vor. Eine Nachfrage bei den grössten Banken zeigt zumindest, dass finanzielle Rücklagen hoch gewichtet wurden. 

    Die Sparguthaben haben der Liechtensteinischen Landesbank zufolge im Vergleich zu den Vorjahren aber nicht zugenommen. «Wir verzeichnen jedoch eine Zunahme der in Anlageprodukten investierten Gelder», erklärt Cyrill Sele als Mediensprecher. Dies könnte darauf hindeuten, dass den Haushalten mehr zum Investieren übrig geblieben ist. Mit Sicherheit lässt sich aber sagen, dass in Anlageprodukte investierte Gelder bei der LLB deutlich zugenommen haben. Am gefragtesten waren Fonds und Edelmetalle, aber auch die Investitionen in Aktien sind angestiegen. «Beim Gold konnten wir auch in der zweiten Jahreshälfte 2020 eine erhöhte Nachfrage verzeichnen», sagt Sele.

    Gold entpuppte sich einmal mehr als Krisenwährung
    Im ersten Halbjahr war die Nachfrage nach Gold bei den Banken des Landes um bis zu 70 Prozent gestiegen. Die Coronakrise hat die Finanzmärkte erschüttert. Der Kurseinbruch im März war sehr heftig und traf praktisch alle Anlageklassen. «Das hat in der Folge das Sicherheitsbedürfnis und die ohnehin ausgeprägte Sparmentalität konservativer Anleger zusätzlich verstärkt», sagt Sandro Möhr von der VP Bank auf Anfrage.

    Die Bildung finanzieller Rücklagen in Form von Liquidität habe vielen Anlegern ein Gefühl der Sicherheit in ungewöhnlichen Zeiten verschafft. Als klassische Krisenwährung rückte Gold wieder vermehrt in den Fokus. Grundsätzlich konnte die VP Bank viel Interesse und eine starke Nachfrage nach Anlageberatung und Anlagelösungen 2020 verzeichnen. Neben Gold standen im Jahresverlauf dann auch immer mehr Aktien und alternative Investments zu festverzinslichen Anlagen im Vordergrund. Zudem: Der Trend zu nachhaltigen Anlagelösungen hat sich nicht nur fortgesetzt, sondern sogar beschleunigt.

    Bei der LGT zeichnet sich ein etwas differenzierteres Bild ab. Sie konnte im Frühjahr und damit zum Beginn der Pandemie eine sehr hohe Kundenaktivität mit entsprechenden Handelsvolumen beobachten. Wie aus dem im Juni publizierten LGT Private Banking Report hervorgeht, haben die Anleger in den «Krisenmonaten» aber grösstenteils Ruhe bewahrt und besonnen reagiert. Rund die Hälfte der befragten Private-Banking-Kunden hat zwischen Mitte Februar und Ende April keine Veränderungen im eigenen Anlageportfolio vorgenommen. Günstiger Aktienkauf offenbarte sich dabei als beliebteste aktive Strategie. Die Mehrheit derjenigen, die Portfolioanpassungen zwischen Mitte Februar und Ende April tätigten, hat günstige Kurse vor allem für Aktienkäufe genutzt.

    Während sich bei den Banken im Land also kein einheitliches Bild abzeichnet, zeigt ein Blick auf die Sparquote der vergangenen Jahre vor allem eines: Mit einem Pro-Kopf-Vermögen (Median) von über 200 000 US-Dollar ist die Schweiz Spitzenreiter im Sparen, wie der Global Wealth Report der Credit Suisse zeigt. Das Medianvermögen in Liechtenstein lag 2019 bei 45 273 Franken. 

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