• 18.01.2021 13:33 | von Dunja Goop

    Viele Neugründungen – Corona zum Trotz

    Katja Gey, Leiterin des Amts für Volkswirtschaft, über eine erstaunlich starke und robuste Liechtensteiner Wirtschaft in Pandemiezeiten.

    Trotz der teils fatalen Auswirkungen des Coronavirus auf Wirtschaft und Gesellschaft geht das Jahr 2020 in der Schweiz als gründungsstärkstes Jahr überhaupt in die Geschichte ein. So war es Anfang Januar in einer Aussendung des Instituts für Jungunternehmen AG mit Sitz in St. Gallen zu lesen: «In der Schweiz wurden so viele neue Firmen gegründet wie noch nie. Insgesamt 46 842 neue Firmeneinträge wurden ins Schweizerische Handelsregister eingetragen, was einem Anstieg von 5,3 Prozent im Vergleich zum Rekord-Vorjahr 2019 entspricht.»

    FL: Gründungen sind gegenüber Boomjahr 2019 stabil geblieben
    Demnach sahen viele Menschen die Pandemie nicht nur als Krise, sondern vermehrt auch als Chance an. Ob sich diese «Gründungseuphorie» inmitten einer von Krise, Krankheit und Kontaktverboten geprägten Zeit auch in Liechtenstein manifestiert hat, wollte «Wirtschaft regional» von Katja Gey vom Amt für Volkswirtschaft wissen. Die Amtsleiterin auf Anfrage: «Das lässt sich in Liechtenstein ebenso beobachten. Die liechtensteinische Wirtschaft ist schon in der Vergangenheit gestärkt aus Krisen hervorgegangen, zuletzt etwa aus der Finanzplatzkrise.» Die detaillierten Zahlen zur Unternehmensstatistik sowie eine Auswertung nach Branchen würden zwar noch nicht vorliegen. «In der Tendenz kann aber gesagt werden, dass die Zahl der Neugründungen bei den typischerweise von tätigen Unternehmen verwendeten Gesellschaftsformen wie der Aktiengesellschaft, der GmbH und der Anstalt im Vergleich zum Boomjahr 2019 stabil geblieben ist», so Gey weiter. Die GmbH erfreue sich zunehmender Beliebtheit, hier sei eine substanzielle Netto-Zunahme zu verzeichnen. 

    Zudem führt Gey an, «dass wir im Amt für Volkswirtschaft 2020 etwa gleich viel neue Gewerbebewilligungen er­teilt haben wie im Vorjahr». Auch könne generell eine stärkere Aktivität im Gewerbe festgestellt werden. Bei den Prüfungen für das Gastgewerbe habe man «mit 78 Anmeldungen sogar einen neuen Rekord erzielt». Katja Gay zu den Hintergründen: «Wir interpretieren die zunehmenden Aktivitäten im Gewerbe so, dass sich viele neu orientieren oder allenfalls ein weiteres Standbein zulegen.

    Aber nicht nur hinsichtlich Neugründungen, sondern auch generell ist Katja Geys Blick zurück ins Coronajahr 2020 und voran in die kommenden Monate des noch jungen 2021 ein sehr positiver: Im ersten Halbjahr, vor allem im zweiten Quartal, seien Wirtschaft und Unternehmen zwar mit dramatischen Einbrüchen konfrontiert gewesen. Dank der raschen Unterstützungsleistungen und durch die inzwischen spürbare wirtschaftliche Erholung in den wichtigen internationalen Absatzmärkten habe sich die Situation aber schon im zweiten Halbjahr stabilisiert. Die liechtensteinische Wirtschaft habe sich trotz vieler Unsicherheiten als «sehr robust und krisenresistent» erwiesen und sich auch im Vergleich zu anderen Volkswirtschaften schnell wieder erholt. Kurzum: Die Auswirkungen seien nicht so schlimm gewesen, wie befürchtet. Katja Gey weiter: «Wichtige Gründe dafür sind die hohe Diversifikation der Wirtschaft zwischen und auch innerhalb der Sektoren und Branchen. Bedeutende Wirtschaftszweige waren von den negativen Auswirkungen der Pandemie nicht oder kaum betroffen, wie zum Beispiel der Finanzplatz oder die Nahrungsmittelindustrie.» Das Baugewerbe habe teilweise sogar zugelegt, genauso wie die Onlinedienstleistungen und die digitale Wirtschaft. Ebenfalls seien coronabedingte Insolvenzen oder Kündigungswellen ausgeblieben. Oberstes Ziel des Amtes für Volkswirtschaft sei es hierbei gewesen, die liechtensteinischen Unternehmen «bestmöglich und schnellstmöglich bei der Bewältigung der Krise zu unterstützen» – «Ich denke, dass uns das auch gelungen ist», so Gey.

    Kreatives Voranschreiten in Krisenzeiten zu beobachten
    Derzeit würden viele Betriebe ihr Geschäftsmodell anpassen und ihre Tätigkeit konsolidieren oder erweitern. Zudem würden viele kleinere und grössere Unternehmen die Pandemie mitunter dazu nutzten, eine An­passung oder gar Neuausrichtung ihres Geschäftsmodells vorzunehmen. «Und natürlich auch für wichtige Digitalisierungsschritte. Das sehen wir an der Beliebtheit unserer Digitalschecks. Die Nachfrage nach dieser Fördermassnahme ist im Coronajahr geradezu explodiert und die Regierung hat daher die Mittel aufgestockt», zeigt Gey auf. Und auch für 2021 zeigt sich die Amtsleiterin zuversichtlich: «Die wirtschaftliche Erholung und die Rückkehr auf einen Wachstumspfad wird sicher noch einige Zeit brauchen. Wir sind aber auf einem guten Weg und können optimistisch sein.»

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