• 26.02.2021 07:00 | von Elias Quaderer

    Unterstützung für Bäckereien ist in Sicht

    Mehr Ladenkunden, Totalausfall der Cafés: Wie stark eine Bäckerei von der Pandemie betroffen ist, hängt davon ab, wo sie ihre Standbeine hat.

    «Es kommt darauf an, wie man aufgestellt ist.» Diese Antwort erhält man bei den meisten Bäckereien in Liechtenstein auf die Frage, wie die Branche durch die Pandemie kommt. Denn je nachdem, worauf sich Bäckereien spezialisierten und ihre Standbeine aufbauten, sind sie ganz unterschiedlich von der Krise betroffen. Ein einheitliches Bild von der Lage der Bäcker in Liechtenstein zu zeichnen, ist kaum möglich.
    Richard Wanger, Geschäftsführer der Bäckerei Wanger, erklärt, dass besonders die Gastronomieschliessung sein Unternehmen hart trifft. Wanger betreibt ein Café in Schaan und eines in Buchs. Die Einnahmen aus den in der Regel gut frequentierten Cafés seien für die Zeit der Schliessung komplett weggefallen. Daneben spüre die Confiserieabteilung der Bäckerei, dass das gesellschaftliche Leben momentan beinahe zum Erliegen kommt: «Firmen verschenken keine Pralinen mehr und Hochzeits- sowie Geburtstagsfeiern finden auch nicht mehr statt.» Richard Wanger zieht das Fazit: «Für uns ist es eine sehr anspruchsvolle Zeit.»

    «Das Schwierigste ist die Einteilung des Personals»
    Pirmin und Kathrin Mündle, Geschäftsinhaber der Bäckerei Mündle, teilen die Sorgen von Richard Wanger. Das Familienunternehmen ist gastronomisch gross aufgestellt: An fünf Standorten betreiben die Mündles neben dem Brotverkauf auch noch Cafés. Dementsprechend negativ schlug die coronabedingte Schliessung zu Buche. «Das Schwierigste ist die Einteilung des Personals», erzählt Pirmin Mündle. «Am Anfang wurden Überstunden abgebaut und Ferien bezogen. Jetzt besteht die grosse Herausforderung, optimal zu planen, damit wir unser gutes Personal behalten können.»  Normalerweise würden beispielsweise an einem Sonntag im Laden und im Café in Ruggell zusammen fünf Verkäuferinnen arbeiten. In der Corona­zeit stehen nur noch zwei Verkäuferinnen im Laden. Mündle resümiert: «Man hat zu viel Personal und das kostet Geld.» Während die Einnahmen aus den Cafés wegfielen, nahm der Brotverkauf bei der Bäckerei Mündle hingegen zu. Pirmin Mündle geht davon aus, dass die geschlossenen Grenzen der Grund dafür sind. 

    «Jeder Betrieb ist anders gelagert. Wirklich jeder», unterstreicht Freddy Gassner, Inhaber der Bäckerei Gassner in Schaan. Alle Bäckereien mussten zwar auf Hochzeitstorten, Catering oder Restaurantslieferungen verzichten. Aber die Schaaner Bäckerei habe die Krise besonders stark «erwischt», weil sie «industrielastig» sei. Die Industrie wurde während der Krise heruntergefahren und der Grossteil der Belegschaft wechselte ins Homeoffice. Folglich belieferte die Bäckerei die Industriebetriebe um ein Vielfaches weniger: «Unser Ausstoss der normalen Lieferungen hat sich um 60 bis 70 Prozent reduziert», sagt Gassner.

    Grössere Ladenkundschaft gleicht Wegfall der Gastronomie aus
    Die Bäckerei Frommelt in Triesen nagt  vor allem daran, dass sie weder Hotels noch Restaurants mit ihren Backwaren beliefern kann. «Gut 10 bis 15 Prozent des Umsatzes machen diese Lieferungen aus», schätzt Geschäftsführer Pascal Frommelt. Daneben spürt das Unternehmen besonders, dass für Apéros keine belegten Brötchen mehr bestellt werden. Wie stark sich dies auf den Umsatz auswirkt, fällt dem Triesner Bäcker schwer einzuschätzen. Aber er macht auch die Beobachtung, dass im Laden eher mehr Brot über die Theke geht. «Das gleicht die Ausfälle zumindest etwas aus», so Frommelt.

    Kaum betroffen von der Pandemie scheint die Dorfbäckerei Dörig in Vaduz zu sein. Geschäftsleiter Rudolf   Rohrer fehlen zwar auch die Gastronomie und Hotellerie, da diese Zulieferungen gut ein Viertel seines Geschäftsumsatzes ausmachen. «Aber was mir bei der Gastronomie fehlt, mache ich durch eine grössere Ladenkundschaft wieder wett», erläutert Rohner. «Ich darf mich also nicht gross beklagen.» Dass mehr Kunden den Dorfbäcker besuchen, erklärt sich der Geschäftsführer mit einem Umdenken in der Bevölkerung: Regionales wird bevorzugt. «Und die Leute haben vielleicht auch etwas mehr Geld zur Verfügung, weil man es nicht mehr für den Urlaub ausgeben kann.»

    Kurzarbeit ist für Bäcker kaum eine Option
    Wie sieht es mit Hilfsmassnahmen für die Bäckereien in Liechtenstein aus? Richard Wanger führt aus, dass die geschlossenen Cafés auf dieselbe Weise unterstützt werden wie die restliche Gastronomie. Und, wie andere Unternehmen, können auch die Bäckereien Kurzarbeit beantragen. Aber Pascal Frommelt von der Bäckerei Frommelt macht darauf aufmerksam, dass Kurzarbeit für Bäckereien kaum eine Option ist. Denn der zeitliche Aufwand für das Backen bleibe derselbe – «egal ob wir  300 oder 500 Brötchen backen». Aber mit der Menge an gebackenen Brötchen holen die Bäcker ihre Marge heraus. «Wenn wir mit den Stückzahlen zurückgehen, haben wir nicht wirklich weniger Aufwand, aber die Marge wird kleiner», schildert Frommelt.
    Richard Wanger weist darauf hin, dass der Bäckerverband Liechtenstein  mit dem Amt für Volkswirtschaft momentan Hilfsmassnahmen ausarbeite. Da jede Bäckerei aber anders von der Krise betroffen sei, gestalte sich die Suche nach einheitlichen Lösungen für die ganze Branche als schwierig. Immerhin stehe aber in Aussicht, dass jene Bäckereien, die stark von Lieferungen an die Gastronomie abhängig sind, eine entsprechende Entschädigung erhalten. 

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