• 20.01.2021 14:37 | von Gary Kaufmann

    Über 70 Prozent der öffentlichen Gelder im Land ausgegeben

    2019 hat die öffentliche Hand insgesamt 94,9 Millionen von 130,8 Millionen Franken an Unternehmen in Liechtenstein überwiesen.

    2019 haben Liechtensteiner Offertsteller 77 Prozent der Auftragssumme (total: 49,1 Millionen CHF) erhalten, die das Land ausgestellt hat. Dies geht aus der Auftragsstatistik hervor, welche die Fachstelle Öffentliches Auftragswesen (FAW) vergangene Woche publiziert hat. Nach Sparten aufgeteilt, wurde die höchste Inland-Quote im Bau erreicht (95 Prozent), gefolgt von Dienstleistungen (80 Prozent) und Lieferungen (76 Prozent). Gemäss FAW «wird der Zuschlag der wirtschaftlich günstigsten Offerte erteilt». Dabei haben die Unternehmen gewisse Eignungskriterien zu erfüllen und weitere Kriterien (z. B. Qualität, Qualifikationen, Fristen) zu berücksichtigen.    

    Verglichen zum Vorjahr ist der Anteil an Fällen, in denen Liechtensteiner Unternehmen den Vorzug erhielten, um zwei Prozent gestiegen. Obwohl die Kurve tendenziell wieder nach oben zeigt, gab es auch schon höhere Werte. 2013 betrug dieser laut FAW 92 Prozent, wobei das Land im selben Jahr deutlich weniger Geld als 2019 ausgab (26,8 Mio. CHF) und keine internationale Ausschreibung erfolgte. Diese ist notwendig, sobald die Kosten eines Auftrags den EWR/WTO-Schwellenwert übersteigen. Für das Jahr 2019 betrug dieser rund sechs Millionen Franken (Bauprojekte) respektive 156 807 Franken (Liefer- und Dienstleistungsaufträge).       

    Nicht nur Regierung und Ämter erteilen Aufträge

    Allerdings fliessen öffentliche Gelder nicht nur durch die Regierung und den ihr unterstellten Stellen, wie etwa dem Amt für Bau und Infrastruktur (ABI). Gut zwei Drittel (62,4 Prozent), effektiv 81,7 Millionen Franken, haben die Gemeinden und sogenannte «Einrichtungen des öffentlichen Rechts» ausbezahlt. Zu Letzteren gehören laut Webseite der Landesverwaltung unter anderem die Universität, das Landesspital oder die Finanzmarktaufsicht (FMA). Grundsätzlich wurden in den vergangenen Jahren von diesen beiden Gruppen zwar deutlich weniger (2019: 364 von 1603), aber dafür die teureren Aufträge als vom Land vergeben.

    «Für die Statistik geht es darum, wer tatsächlich der Auftraggeber ist. Darum gibt es diese Aufteilung nach Land und alle anderen», erklärt FAW-Leiter Wendelin Lampert. Hat die Regierung keinen direkten Einfluss auf die Vergabe, wird der Auftrag der zweiten Kategorie zugeordnet. Als Beispiel hierfür nennt Lampert den öffentlichen Verkehr. Hier entscheidet die Liemobil, welche Unternehmen die einzelnen Verkehrslinien erhalten. Bezüglich der Verteilung zwischen den Auftragssummen abseits des Landes sagt der FAW-Leiter: «Die Gemeinden haben klar einen grossen Anteil, aber es gibt noch viele andere.» Je nachdem, ob bei den «Einrichtungen des öffentlichen Rechts» gerade grössere Aufträge anstehen, können die Relationen variieren.   

    Fast alle Auslandsaufträge gehen an die Schweiz

    Fasst man alle öffentlichen Aufträge zusammen, haben Liechtensteiner Unternehmen 2019 insgesamt 94,9 Millionen Franken erhalten. Das entspricht 72,6 Prozent der gesamten Auftragssumme (Vorjahr: 71,3 Prozent). Heisst gleichzeitig, dass 35,9 Millionen ins Ausland geflossen sind. Unterhalb des internationalen Bereichs wurden 85,1 Prozent, oberhalb 39,4 Prozent der Aufträge im Land verteilt. Sämtliche Bauprojekte blieben unter dem EWR/WTO-Schwellenwert. In den anderen Sparten wurden 19 internationale Aufträge erfasst. Keiner der 1603 Aufträge wurde ausserhalb des Vierländerecks gesprochen.

    Jenseits der Grenze haben mit 96,7 Prozent hauptsächlich Schweizer Unternehmen von öffentlichen Aufträgen aus Liechtenstein profitiert, dahinter jene aus Österreich (1,38 Mio. CHF) und Deutschland (0,68 Mio. CHF). Fast die Hälfte der Auftragssumme in die Schweiz lässt sich auf die Vergabe im Busverkehr zurückführen (15,8 Mio. CHF).    

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