• 23.10.2020 06:00 | von Dorothea Alber

    Standort Triesen für Onlinehandel zu langsam

    Die Lieferzeiten aus Liechtenstein sind zu lang. Das führt zum grössten Stellenabbau, den es bisher gab.

    Swarovski baut ein Drittel der Belegschaft in Triesen ab und verlagert das Logistikzentrum in die EU. Mit mindestens 130 Jobs, die in den kommenden zwei Jahren gestrichen werden, ist es der grösste Stellenabbau des Unternehmens am Standort Liechtenstein – eine Hiobsbotschaft für die Mitarbeiter. «Dies ist ein harter, aber notwendiger Schritt, um auf ein sich veränderndes Marktumfeld zu reagieren und eine nachhaltige Gesundheit unseres Unternehmens auf lange Sicht zu gewährleisten», so die Erklärung des Konzerns.

    Mit dem Eintritt in die EU werde Swarovski in der Lage sein, die Lieferzeiten für das Onlinegeschäft zu verkürzen. «Darüber hinaus ermöglicht uns das neue Set-up, Waren innerhalb der EU schneller zu bewegen und somit eine bessere Produktverfügbarkeit für unsere Kunden zu gewährleisten», heisst es weiter. Schnelligkeit, Volumen und Flexibilität seien besonders wichtig bei einem hohen Anteil an Onlinegeschäften. «Wir können die Kundenerwartung an eine Lieferung am nächsten Tag von Triesen aus nicht erfüllen. Das ist ein Thema, das jetzt und in Zukunft immer mehr an Bedeutung gewinnen wird», erklärt das Management in Triesen.

    «Es wird angesichts der Krise sehr hart für die Mitarbeiter»
    Sigi Langenbahn vom Liechtensteinischen Arbeitnehmerverband (LANV) zeigte sich schockiert über das Tempo, welches der Konzern an den Tag legt. «Angesichts der Lage am Arbeits­markt während der Coronakrise wird es für die entlassenen Mitarbeiter sehr hart, einen neuen Job zu finden», fürchtet er. Daher sei es umso wichti­ger, einen Sozialplan auszuhandeln, der individuell auf die Situation der Betroffenen zugeschnitten sei und auf soziale Härtefälle Rücksicht nehme. Der LANV hoffe, dabei mitreden zu können.

    Noch kein Fonds für soziale Härtefälle am Standort Triesen
    Bei Swarovski scheinen hingegen die wesentlichen Eckpfeiler eines Sozialplans bereits zu stehen – vor allem in ­finanzieller Hinsicht. «Wir haben in Triesen bereits eine Abfindungsregelung definiert», erklärte das Unternehmen gestern auf Anfrage. Die Gesamtkosten dieses Sozialplanes ergeben sich aus der Anzahl der betroffenen Mitarbeitenden, deren Dienstjahre und wann die definitiven Auswirkungen bekannt oder wirksam werden – und inwieweit sie das wichtige Outplacement-Angebot nutzen. Es gibt ein Trennungspaket für alle betroffenen Mitarbeiter, die bis zum festgelegten Datum ihre Arbeit weiter ausüben werden. «Das Wichtigste ist, dass wir den Kollegen helfen wollen, einen neuen Job zu finden. Einzelheiten werden den Betroffenen individuell mitgeteilt», teilt das Management in Triesen mit.

    Für besondere Härtefälle haben die Familien Swarovski, Weis & Frei jüngst in Österreich einen Familien-Härtefonds namens «Herzensangelegenheit» ins Leben gerufen. Die Initiative ist für die gekündigten Angestellten in Wattens gedacht. Denn Triesen soll nicht der einzige Aderlass sein: Mit Jahresende sollen 1000 Beschäftigungsverhältnisse am Standort Wattens aufgelöst werden, 600 weitere folgen in den nächsten zwei Jahren.  Konzernweit will Swarovski 6000 Arbeitsplätze abbauen.

    «Grundsätzlich ist es angedacht, die Härtefälle-Initiative auch auf andere Standorte auszuweiten. Aktuell werden die Rahmenbedingungen geklärt, eine klarere Aussage dazu ist daher ­aktuell noch nicht möglich», teilt ­Swarovski auf Anfrage mit.

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