• 22.10.2020 06:00 | von Dorothea Alber

    Swarovski baut über 130 Stellen in Triesen ab

    Weil das Logistikzentrum in Triesen bis 2022 schliesst, steht ein Kahlschlag bevor.

    Swarovski richtet sein Geschäft derzeit unter der Führung von CEO Robert Buchbauer neu aus. Am Standort Triesen wird es zu massiven Einschnitten kommen, weil das Logistikzentrum in ein EU-Land verlagert wird, das teilte das Unternehmen gestern mit. In einem ersten Schritt müssen 13 Mitarbeiter gehen, während in den nächsten zwei Jahren mindestens 130 Jobs verschwinden. Das entspricht einem Drittel der Belegschaft und bedeutet wiederum, dass ein grosser Teil der Mitarbeiter, die bislang Bestellungen verpackten und versendeten, künftig nicht mehr gebraucht werden. Die Konzernleitung hat die Mitarbeiter in Triesen gestern über die Pläne informiert. «Mit diesem Umzug wird der Grossteil der Mitarbeiter des Logistik-Service-Centers ihre Rolle verlieren, auch unterstützende Funktionen werden bis zu einem gewissen Grad betroffen sein», teilte Swarovski mit. Von den insgesamt 390 Mitarbeitern in Triesen arbeiten 200 im Logistikzentrum – wovon mindestens 130 Angestellte in den nächsten zwei Jahren auf der Strasse stehen werden. Es gebe zwar einen Sozialplan, doch wie hoch die finanzielle Unterstützung durch die geplanten Abfindungen sein wird, konnte eine Sprecherin auf Anfrage noch nicht sagen. 

    Ein Drittel der Belegschaft verschwindet, der Standort bleibt
    Das Logistikzentrum wird nun in der EU angesiedelt, um die Wettbewerbsfähigkeit zu erhalten. In welchem Land dies sein wird, stehe noch nicht fest. Wie die Sprecherin auf Anfrage erklärte, stehe das Unternehmen noch in Verhandlungen – auch mit Drittpartnern. Der gesamte Transfer werde 
    18 bis 24 Monate dauern. Was bleibt von Swarovski in Triesen also übrig? Das globale «Supply Chain Management Headoffice» bleibt in Triesen angesiedelt, wie auch Mitarbeitende aus anderen Geschäftsbereichen. Der Standort bleibt damit erhalten, auch wenn ein Teil des Firmengebäudes bald leer stehen wird. Wenn das Logistikzentrum verschwindet, habe das zudem keinen Einfluss auf die steuerliche Belastung, wie eine Sprecherin betont. Dennoch zeigte sich Daniela Wellenzohn-Erne als Vorsteherin der Gemeinde Triesen betroffen. «Jeder Arbeitsplatzverlust ist eng mit persönlichen Schicksalen verknüpft. Insofern ist der Abbau jeder einzelnen Stelle – vor allem natürlich in Triesen –  äusserst bedauerlich». Die laufenden Gespräche mit Swarovski hätten aber klar ergeben, dass der Standort Triesen als solcher nicht in Frage gestellt wird. Die Gemeinde baue weiterhin auf einen engen und offenen Informationsaustausch mit Swarovski und vertraue darauf, dass für betroffene Mitarbeitende gute und verträgliche Lösungen gefunden werden. Sigi Langenbahn vom LANV zeigte sich überrascht, dass es zu einer Massenentlassung kommen wird.

    Ein Sozialplan wird ausgearbeitet
    Allerdings will das Unternehmen die Mitarbeiter nicht alleinlassen. Für alle Betroffenen bietet Swarovski eine «professionelle Outplacement-Betreuung» an und unterstützt sie auch finanziell. «Ziel ist es, in diesen schwierigen Zeiten bestmöglich zu unterstützen und die Veränderungen verantwortungsvoll und behutsam zu begleiten, immer im Einklang mit den Werten des Unternehmens», teilte der Konzern mit. Zudem will man den betroffenen Angestellten helfen, so schnell wie möglich eine neue Stelle zu finden. 
    Sigi Langenbahn vom Liechtensteinischen Arbeitnehmerverband (LANV) zeigte sich überrascht über die Massenentlassung, die sogar bis zu 150 Mitarbeiter treffen könnte, wie er befürchtet. «Mich hat die Geschwindigkeit schockiert», sagte er auf Anfrage. 

    «Es wird für die Mitarbeiter durch die Krise sehr hart» 
    Der jetzige Entscheid kam sehr plötzlich, die Arbeitnehmervertretung und der LANV konnten sich laut Langenbahn bislang nicht einbringen. «Angesichts der Lage am Arbeitsmarkt während der Coronakrise wird es für die entlassenen Mitarbeiter sehr hart, einen neuen Job zu finden», fürchtet er. Bei Langenbahn schwinde der Glaube, dass der Standort in Triesen wirklich noch eine Zukunft hat. Unabhängig davon gehe es nun darum, einen Sozialplan auszuhandeln, der individuell auf die Situation der Betroffenen zugeschnitten sei und auf soziale Härtefälle Rücksicht nehme. «Wir wurden in puncto Sozialplan in der Vergangenheit immer miteinbezogen», betonte Langenbahn. Triesen soll nicht der einzige Aderlass sein, sondern konzernweit will Swarovski 6000 Arbeitsplätze abbauen. Mit Jahresende sollen 1000 Beschäftigungsverhältnisse am Standort Wattens aufgelöst werden, 600 weitere folgen in den nächsten zwei Jahren.  

    Grosse Entlassungen seit dem Jahr 2013
    2013:  25 Stellen verschwinden.
    2015:  45 Stellen werden nach Serbien verlagert.
    2016:  Knapp 60 Stellen werden verlagert, unter anderem nach Polen.
    2017:  30 Stellen im Kundenservice im Bereich Kristallkomponenten werden nach Polen verlagert. 
      10 Stellen im Bereich Logistik werden ausgebaut.
    2018: Rund 25 Arbeitsplätze verschwinden.
     

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