• 01.03.2021 06:00 | von Desiree Vogt

    «Die Schmerzgrenze ist überschritten»

    Die Fitnesszentren des Landes öffnen heute wieder ihre Türen – die Freude ist da, die Sorgenfalten aber nicht weniger gross.

    Wie sehr die Gastronomie unter dem Lockdown leidet, wissen inzwischen alle. Doch auch die Fitnessbranche erweist sich nun als «Sorgenkind», wie eine Umfrage bei den Fitnesszentren des Landes zeigt.

    «Daseinsberechtigung wird infrage gestellt»

    «Die Regierung im Lande Liechtenstein hat mit der Öffnung am 1. März einen mutigen und gleichzeitig noch etwas unsicheren Weg gewählt. Trotz aller Freude darüber wird im Moment die Daseinsberechtigung der Fitness- und Gesundheitsbranche stark infrage gestellt», liess Robert Beck, Betreiber des Fitnesshauses in Schaan, am Freitag die Kunden via E-Mail wissen. Die Bedeutung von Körpertraining werde leider gar nicht mehr wahrgenommen, was sich hoffentlich bald wieder ändern werde. Und: «Der finanzielle Verlust hat allerdings schon längst die Schmerzgrenze überschritten», macht er keinen Hehl aus der momentanen Situation. Trotzdem sei das Team hoch motiviert, die Folgen der Pandemie zu überstehen und sei sehr froh über die Möglichkeit, seiner geliebten Tätigkeit wieder nachgehen zu können. Auch Thomas Lorez vom «Lorez Power Center» und «Health Training» zeigt sich dankbar für die Entscheidung der Regierung, dass die Fitnessbranche ihre Türen im Gegensatz zur Schweiz wieder öffnen kann. Doch auch er betont: «Ich verstehe nicht, warum wir nur 45 Prozent der Umsatzeinbusse des letzten Jahres erhalten – das Geld reicht hinten und vorne nicht.» Die Fitnesszentren hätten die Kundenabos gutschreiben oder verlängern müssen, weshalb in den kommenden Monaten keine Zahlungen mehr erfolgen und somit keine Einnahmen generiert werden könnten. «Am Ende bleibt ein grosser Rest, den ich selber zahlen muss. Hätte ich keine Eigenmittel gehabt, hätte ich es nicht geschafft», stellt er klar. Und er geht davon aus, dass es noch lange dauert, bis er sich aus dem «Schaden» herausgearbeitet hat. Er spricht dabei von Jahren, und nicht von Monaten.

    Hoffen auf die Kulanz der Kunden

    «Ohne Polster wird es eng oder gar unmöglich», bestätigt auch Rino John vom «FlexiGym» in Balzers, der nebenbei noch einem anderen Beruf nachgeht. Mit den Unterstützungen des Landes komme man nicht über die Runden, zumal die Leistungen auch stark verzögert vergütet würden. Zudem seien die Aboverlängerungen oder gar Rückvergütungen nicht berücksichtigt worden, wodurch wichtige Einkünfte ausgefallen seien, erklärt John.

    Auch kleine Studios in Existenz bedroht

    «Die Unterstützung hat gereicht, um über die Runden zu kommen, allerdings sind die finanziellen Polster aufgebraucht», bestätigt auch Christof Ritter vom «LieFit» in Vaduz. Sein Betrieb sei nicht riesig, er habe keine Angestellten und die Gemeinde habe sich sehr grosszügig gezeigt, so dass er die Unterhaltskosten habe tragen können. «Doch wir mussten zum zweiten Mal in einer Hauptsaison schliessen. Und jetzt gehen wir wieder ins Sommerloch und müssen auf die Zeit warten, bis wieder Abos gelöst werden», verdeutlicht auch er die erst noch anstehende Problematik.

    Neben dem «FactoryLoft», das bereits Konkurs angemeldet hat, gibt es einen weiteren Betreiber, der davon ausgeht, dass sein Betrieb vermutlich nicht überleben wird. Dieser möchte namentlich nicht genannt werden, stellt aber klar: «Die Unterstützung reicht hinten und vorne nicht. Man kommt uns nicht entgegen und zeigt sich nicht sehr kulant. In einem reichen Land wie Liechtenstein wäre diesbezüglich sicher mehr möglich gewesen.»

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