• 25.11.2020 22:04 | von Elias Quaderer

    Markierer überzeugt den Investorengipfel

    Am zehnten «Liechtenstein Investor Summit» stellten acht Start-ups ihre Ideen vor. Den grössten Beifall bekam ein St. Galler Unternehmen.

    Seit zehn Jahren verfolgt der Investor Summit Liechtenstein das Ziel, Ideen und Kapital zu vernetzen. Gestern fand die Veranstaltung coronabedingt erstmals virtuell statt: Rund 400 Teilnehmer aus dem gesamten deutschsprachigen Raum verfolgten den Investorengipfel im Schaaner SAL per Livestream. Im Zentrum standen die Pitches:  Acht  Startups hatten die Möglichkeit,  vor Investoren ihre Geschäftsideen innerhalb von acht Minuten vorzustellen. Die Teilnehmer des Livestreams durften im Anschluss abstimmen, welche Präsentation sie am überzeugendsten fanden.

    Gewonnen hat die Matriq AG aus St. Gallen.  Das Start-up bietet eine innovative Lösung für die Markierung von Kunststoffteilen: Mit ihrer Dynamic-Mold-Technologie können Teile direkt im Herstellungsprozess mit einem Code gekennzeichnet werden, der von herkömmlichen Smartphones gelesen werden kann. Der dafür notwendige pillengrosse Formeinsatz könne problemlos in Plastik-Fertigungsmaschinen eingebaut werden. Das Unternehmen hat auch einen Bezug zur 

    Region.  Die Matriq AG ist das erste Spin-off der NTB Buchs. André Bernard, CEO und Mitgründer des Unternehmens, hielt zum Abschluss von seinem Pitch bereits selbstbewusst fest: «Sie werden von Matriq ganz bestimmt noch lange hören.»

    Solaranlagen für Städte, Drohnen für Unterwasser

    Weitere Start-ups aus der Region vermochten die Teilnehmer mit ihren ausgefallenen Unternehmensideen zu begeistern. So wie Subdron aus dem vorarlbergischen Lauterach. Das Unternehmen entwickelt  Unterwasserdrohnen, die mittels Sensoren und Navigationsalgorithmen autonom 3-D-Modelle von Unterwasserstrukturen erstellen. Die Drohnen können eingesetzt werden, um Schäden an Schiffskörpern zu identifizieren. Der Gründer Thomas Vornach holte für seinen Pitch eine seiner Unterwasserdrohnen gleich mit auf die Bühne. Der Liechtensteiner Unternehmer Arthur Büchel präsentierte sein Projekt «Urbanbox»: ausfahrbare Solardächer. Büchel erläuterte, dass er sich bereits seit Jahren mit Solaranlagen befasst. Zwar sei die Technologie bereits recht ausgereift, aber leider werden viele  geeignete Flächen nicht für Solarkraft genutzt – besonders im städtischen Bereich. Die projektierten Solardächer sollen in dieser Hinsicht nachhelfen, da sie einfach über  Parkplätzen oder Autobahnen errichtet werden könnten. Eine Demonstrationsanlage will das Unternehmen bereits nächstes Jahr über der Benderer Kläranlage in Betrieb nehmen.  Arthur Büchel beendet seinen Pitch mit dem Appell: «Unterstützen sie ‹Urbanbox› – für ein erneuerbares Liechtenstein, für eine erneuerbare Welt.»  

    Aber auch Start-ups ausserhalb der Region buhlten um die Gunst der Investoren. Beispielsweise das Unternehmen Elucidate aus Berlin.  Das deutsche Start-up erstellt für Banken und andere Finanzdienstleister Analysen zu den Risiken von Finanzkriminalität. Die hochgesteckte Vision des Unternehmens lautet: «Die Welt von Finanzkriminalität zu befreien.» 

    Liechtenstein bietet  für Start-ups alles – fast alles

    Die Moderatorin Sunnie Groeneveld führte bereits zum dritten Mal die Investoren und Start-up-Interessierten durch die Veranstaltung. Zwischen den einzelnen Pitches  interviewte Groenveld unter anderem den Start-up-Gründer Christoph Pichler, der 2018 am Investor Summit seine Idee präsentierte. Als Teil einer unabhängigen Jury wählte Pichler aus 50 Bewerbungen die acht Start-ups aus, die an der Veranstaltung eine Bühne bekamen. Wie Pichler erklärte, erfolgte die Auswahl zum einen danach, wie reif das Unternehmen für Investoren ist. Zum anderen zählte aber auch, ob das Unternehmen einen Bezug zu den Stärken des Standorts Liechtenstein habe: Industrie, Finanzdienstleistungen und Digitalisierung.   Gemäss Pichler gestalte sich das Land enorm attraktiv für die Gründung von Start-ups. Denn Neu-Unternehmer können auf die Unterstützung der Politik bauen, auf gut ausgebildete Fachkräfte zurückgreifen und man finde hier auch ein interessantes Netzwerk von Investoren und Unternehmern. 

    Priska Rösli, Gründerin von Red Leafs Tax in Ruggell, engagiert sich seit Jahren in der Start-up-Szene des Landes. Am Investor Summit stellt sie Liechtenstein in puncto Startup-Freundlichkeit ebenfalls ein gutes Zeugnis aus. Aber Priska Rösli erwähnt auch, woran es noch fehlt: «Für Start-ups ist es wichtig, dass sie sich mit anderen Start-ups austauschen. Für den aktiven Austausch braucht es eine Community – und das muss aktiv gefördert werden. Da ist Liechtenstein gefordert, mit mutigen Schritten voranzugehen», so Rösli.

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