• 04.12.2020 06:00 | von Oliver Beck

    «Man könnte sogar von einem Boom sprechen»

    Die Energiefachstelle hat 2020 bereits 7 Mio. Franken an Fördergeldern bewilligt.

    Energieeffizienz und erneuerbare Energien sind die entscheidenden Faktoren für das Erreichen der Ziele, die in der Energiestrategie 2030 und der Energievision 2050 der Regierung fest­gehalten sind. Allein, ohne den Willen der Bevölkerung, an diesen Stellschrauben mitzudrehen, sind sämtliche von der Politik ausgearbeiteten Papiere wenig wert. Vor diesem Hintergrund werden über das Energieeffizienzgesetz (EEG) diverse energetische Massnahmen durch die öffentliche Hand gefördert.

    Geht man nach den staatlichen Förderbeiträgen, welche die im Amt für Volkswirtschaft angesiedelte Energiefachstelle in den vergangenen Jahren bewilligt hat, war die Begeisterungsfähigkeit der Einwohner allerdings eher mässig ausgeprägt. Belief sich das Gesamtvolumen an zugesagten Geldern 2015 noch auf gut 4,5 Millionen Franken, entwickelte sich dieser Betrag in den Folgejahren stetig nach unten – mit einem Tiefststand von 3,4 Millionen Franken im Jahr 2019.

    Umso bemerkenswerter ist die Entwicklung, die im laufenden Jahr zu beobachten ist. Bis zum 3. Dezember hat die Energiefachstelle 537 Förderzusagen erteilt – rund 150 mehr als im gesamten Jahr 2019 und nur noch 40 weniger als im Top-Jahr 2015. Die bewilligten Förderbeiträge belaufen sich dabei auf rekordhohe 6,9 Millionen Franken. Gegenüber dem Vorjahr ist das schon jetzt mehr als eine Verdoppelung. «Es gibt einen allgemeinen Trend für mehr energetische Massnahmen in Liechtenstein», meint Jürg Senn von der Energiefachstelle. «Man könnte sogar von einem Boom sprechen.»

    Mehr Fotovoltaik-Förderbeiträge als 2018 und 2019 zusammen

    Die Kehrtwende beruht gemäss Senn nicht auf einem rasanten Popularitätsschub, den einige wenige energetischen Massnahmen erlebt haben. Vielmehr sei die Zunahme breit verteilt – «angefangen bei Wärmedämmung über Fotovoltaikanlagen bis hin zu Haustechnikanlagen wie Wärmepumpen und andere erneuerbare Energiesysteme». Gleichwohl ist etwa der Sprung im Förderbereich Fotovoltaik enorm. Mit bislang 183 Förderzusagen stellte die Energiefachstelle bei mehr Projekten die Ampel auf grün als in den Jahren 2018 und 2019 zusammen (171). Auch das bewilligte Fördervolumen von über 2,5 Millionen Franken liegt schon jetzt über der Summe der Förderbeiträge der beiden Vorjahre.

    Eine eindeutig gesicherte Erklärung für die jüngsten Entwicklungen hat man bei der Energiefachstelle nicht. Am ehesten, so Senn, könne hier aber wohl der Lockdown angeführt werden. «Viele Leute haben mehr Zeit zu Hause verbracht und hatten dabei vielleicht auch Gelegenheit, über ihre Heizungsart und andere Massnahmen am Haus nachzudenken.»

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