• 16.10.2020 06:25 | von Oliver Beck

    Demmel Kaffee gibts jetzt auch in der Kapsel

    Der langwierige Weg zur Wunschkapsel: Peter Demmel erzählt, wie komplex es war, seinen ersten Kapselkaffee auf den Markt zu bringen.

    Bestehendes zu verwalten ist Peter Demmels Sache nicht. Der Bayer, seit 2009 Inhaber der einzigen professionellen Kaffeerösterei Liechtensteins, versucht seinen Betrieb ständig weiterentwickeln, neue Möglichkeiten auszuloten. So gebietet es ihm sein unternehmerisches Selbstverständnis, aber ebenso sein Charakter. «Ich bin ein innovativer Typ und schaue ständig, was der Markt verlangt», sagt er über sich selbst.

    Eingedenk dessen war es wohl nur eine Frage der Zeit, bis der diplomierte Kaffeesommelier sich vertieft mit der Idee auseinandersetzen würde, eine eigene Kaffeekapsel auf den Markt zu bringen. Die Nachfrage nach Convenience sei bei Kaffeetrinkern ständig grösser geworden, erinnert er sich. Vor nunmehr vier Jahren habe er deshalb beschlossen, das Thema ernsthaft anzupacken. Verbunden mit einer klaren Vorgabe: «Das Produkt muss zu unserer Philosophie passen.»

    Gemünzt war diese Losung in erster Linie auf die Beschaffenheit der Kapsel. Die Kriterien aluminiumfrei und kompostierbar seien für ihn von Beginn weg unumstösslich gewesen, sagt Demmel und erklärt: «Sowohl bei der Produktion als auch beim Recycling von Aluminium wird viel Energie verbraucht.

    Nur schon deshalb war mir eine Kapsel, die aus natürlichen Stoffen gefertigt wird, wichtig. Ausserdem ist das Brühen von Kaffee in einem natürlichen Behältnis der Gesundheit zuträglicher, als wenn das in einem Aluminiumgefäss geschieht.» Ein Stück weit, räumt er ein, steckten hinter dem Spielen der Nachhaltigkeitskarte aber auch Marketingüberlegungen: «Der Marktführer (Nespresso, Anm. d. Red.) setzt bekanntlich auf Alu. Mit einem alternativen Ansatz kann man sich abheben.»

    Eine Kapsel aus Maisstärke, Papier und Holzfasern
    Gleichwohl benötigte Demmel viel Ausdauer und Geduld, um den Kapselhersteller «Capsol-In», mit dem er in der Folge zusammenspannte, vollends zu überzeugen. «Das Unternehmen war mit der Produktion von Alu-Kapseln bislang gut gefahren. Weshalb diesen bequemen Weg also verlassen?», so der Bayer. Entsprechend beschäftigte sich der französische Betrieb zwar mit der Thematik, suchte gemeinsam mit Demmel nach möglichen Lösungen, aber eben nicht mit jener Entschiedenheit, die der Kaffeespezialist selbst Tag für Tag vorlebte.

    Erst als Demmel kurz davor war, sich nach einem neuen Partner umzusehen, erfolgte das uneingeschränkte Bekenntnis. «Die Verantwortlichen haben erkannt, dass hier tatsächlich ein Marktsegment vorliegt, das sie zusammen mit einem engagierten Partner bewirtschaften können.» Ergebnis: Im Mai 2019 lag der Prototyp dessen vor, was sich Demmel 2016 ausgemalt hatte – eine kompostierbare Kapsel, bestehend aus Maisstärke, Papier und Holzfasern.

    Der langwierige Weg zur Wunschkapsel beschreibt die Komplexität von Demmels Unterfangen indes nur unzureichend. Auch hinsichtlich des Geschmacks hatte das Schaaner Kleinunternehmen einige Hürden zu nehmen. Zum einen, was das Finden der richtigen Bohnenmischung betrifft. «Anfänglich», berichtet Demmel, «dachte ich mir, ich verwende einfach unsere beliebteste Sorte. Aber dann habe ich gemerkt, dass Kaffee in der Kapsel anders funktioniert.

    Im Kern geht es darum, in diese 5,5 Gramm möglichst viel Aroma und Kaffeekörper zu packen.» Erst viele Probeliter später, degustiert von ihm selbst und einigen ausgewählten Personen, war mit einem Cuvée aus zwei Biobohnen-Sorten die perfekte Mischung gefunden. Eine Mischung, die sich notabene sowohl für Espresso als auch für Lungo eignet.

    Zum anderen stand Demmel vor der Herausforderung, den Kaffee möglichst frisch in die Kapsel abzufüllen. «Gemahlener Kaffee reagiert sehr schnell mit Sauerstoff», erklärt er. Und das gehe zulasten des Aromas. Also konstruierte er eine Vorrichtung, die das Begasen des Mahlguts mit Argon, einem Edelgas, ermöglicht. «Dadurch wird der Kaffee zwischen Mahlvorgang und Befüllung von einer Schutzhülle umgeben und kann nicht oxidieren.»

    Die Expertise, die aus seinen Ausführungen spricht, lässt erahnen, wie intensiv die zurückliegenden Jahre für den Bayer gewesen sein müssen. «Als ich erstmals eine Kaffeekapsel gesehen habe, dachte ich mir nicht viel dabei», erzählt er und lacht. «Kaffee in einer Kapsel halt.» Doch jetzt wisse er praktisch alles über dieses Thema. «Und ich weiss nach vier Jahren täglicher Laborarbeit vor allem auch, wie viel Aufwand dahintersteckt.»

    Keine Angst vor der Konkurrenz
    Aufwand, der sich zu seiner Freude auszuzahlen scheint. Vier Wochen nach Markteintritt steht Demmel Kaffee bei gut 135'000 produzierten Kapseln. Die Nachfrage ist gross, das Feedback positiv. Positiv stimmen den Firmeninhaber dabei insbesondere die vielen wiederkehrenden Bestellungen: «Daran merke ich, dass wir auf dem richtigen Weg sind und sich der Markt in diese Richtung entwickelt.» Dass das wiederum auch die Konkurrenz auf den Plan rufen könnte, ist ihm bewusst. Doch Demmel fürchtet sich nicht davor: «Am Ende werden sich Geschmack, Frische und Qualität durchsetzen.»

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