• 01.03.2021 06:00 | von Nicole Öhri-Elkuch

    Lieferschwierigkeiten bei Fahrrädern und E-Bikes

    Weil zu wenig Container und Frachtschiffe zur Verfügung stehen, kommt es vor allem bei Waren aus Fernost zu Lieferengpässen.

    Die Nachfrage nach Fahrrädern steigt, das Angebot hingegen sinkt. Der Geschäftsführer von Bike Concept ist froh, die benötigten Produkte schon vor zwei Jahren bestellt zu haben. Dadurch können die Fahrräder des Ruggeller Import- und Exporthandels aktuell noch an die Grossverteiler ausgeliefert werden, bei gewissen Modellen jedoch mit Lieferverzögerung von vier bis acht Wochen.

    «Die Lieferfristen für Fahrräder in den Schweizer Grossverteilern wie Migros, Coop oder Ochsner Sport ziehen sich bis ins Jahr 2023 hin», erklärt Jürg Bokstaller. Wer nicht frühzeitig bestellt habe, werde kein komplettes Warensortiment anbieten können. «Verträge für Bestellungen für 2023 müssen schon jetzt fixiert und das Material von uns bestellt werden, damit die Ware bis dahin rechtzeitig eintrifft und wir dann ausliefern können.»

    Das Problem der allgemeinen Lieferschwierigkeiten sieht Bokstaller zum einen darin, dass der Betrieb im Fernen Osten komplett heruntergefahren wurde und die Nachfrage für viele Produkte angestiegen ist, weil sich die Leute daheim beschäftigen. Erschwerend komme hinzu, dass dadurch verschiedene Komponenten auf dem Weltmarkt fehlen oder knapp seien. Dadurch würden Preise für einzelne Teile oft extrem steigen, erklärt er. Wegen der schwierigen Beschaffungsmöglichkeit brauche der Händler deshalb auch länger, bis ein Fahrrad repariert sei.

    Preise für Container verfünffacht

    Auf der anderen Seite machen die Warentransporte aus dem asiatischen Raum Probleme. «Viel zu wenige Container sind derzeit verfügbar, deswegen sind die Preise für einen Container um ein Fünffaches angestiegen», so Bokstaller.

    Ein Problem, welches auch im Industriemagazin «IT & Production» genannt wird. Es fehle zum Teil an Leercontainern, weil die Liefervolumen von Fernost in den Westen derzeit deutlich höher seien als in die andere Richtung. «Firmen in ganz Europa, die Waren in Asien und insbesondere in China einkaufen, kämpfen mit Lieferengpässen und stark wachsenden Frachtraten. Bestellte Sendungen erreichen Europa verspätet, weil Häfen überfüllt und die Containerschiffe auf den Routen in Richtung Westen randvoll sind», heisst es im Magazin.

    Weil die Ware aus Fernost nicht kommt, musste Jürg Bokstaller kreativ werden. «Wir schlachten die neuen Räder aus, um an Ersatzteile zu kommen.» Klagen wolle er aber nicht. Denn im Gegensatz zu vielen anderen Firmen müsse die Firma Bike Concept keine Existenzangst haben, da sehr viel Arbeit vorhanden sei. So viel, dass Bokstaller neue Mitarbeiter eingestellt hat. Zudem müssen die Kunden neuerdings einen Termin vereinbaren, wollen sie sich im Laden umsehen. Zeiten ändern sich, so der Geschäftsführer und freut sich: «Im Sinn von Wertigkeit, aber auch zum Guten, denn die Leute wollen wieder Qualität und kaufen weniger Billigware.»

    Geteilt: x