• 23.10.2020 06:00 | von Julia Kaufmann

    Liechtenstein: Die unangefochtene Nr. 1

    Das Land hat auch 2020 wieder das höchste verfügbare Nettoeinkommen Europas. Zudem wurde es am wenigsten von der Krise getroffen.

    Der Wirtschaftssektor hat unter der Coronapandemie gelitten. Homeoffice, Kurzarbeit oder Betriebsschliessungen gehörten in den vergangenen Monaten zum Alltag. Kein Wunder also, hat auch die Pro-Kopf-Kaufkraft in Europa abgenommen. Für das Jahr 2020 haben die Europäer knapp 9,5 Billionen Euro zur Verfügung, dies geht aus der Studie «GfK Kaufkraft Europa 2020» hervor. Pro Kopf entspricht das einer durchschnittlichen Kaufkraft von 13 894 Euro – im Vorjahresvergleich bezeich­net dies einen Rückgang von nominal knapp 5,3 Prozent.

    Doch nicht alle der 42 Staaten haben durch Covid-19 gleichermassen Einbussen erfahren. Angeführt wird das Kaufkraftranking, wie schon 2019, von Liechtenstein. Gefolgt von der Schweiz und Luxemburg. In diesen drei Ländern ist das verfügbare Nettoeinkommen am höchsten, wobei sich auch hier bereits deutliche Unterschiede zeigen.

    Liechtenstein klassiert sich unangefochten an der Spitze
    Im Fürstentum beträgt die Pro-Kopf-Kaufkraft gemäss der Studie 64 240 Euro und liegt damit um mehr als das 4,6-Fache über dem europäischen Durchschnitt. Der Schweizer Bevölkerung stehen pro Kopf 41 998 Euro für Ausgaben zur Verfügung und damit immerhin noch mehr als das Dreifache im Vergleich zum europäischen Schnitt. Das drittplatzierte Luxemburg verzeichnete eine Pro-Kopf-Kaufkraft von noch 34 119 Euro und liegt damit um mehr als das 2,5-Fache über dem europäischen Schnitt. In den Top 10 des GfK-Kaufkraftrankings sind zudem Island, Norwegen Dänemark, Österreich (23 585 Euro pro Kopf), Deutschland, Irland und zuletzt Schweden mit einer Pro-Kopf-Kaufkraft von 20 882 Euro aufgelistet.

    Obwohl bereits in den Top 10 ein deutliches Gefälle der Kaufkraft zu erkennen ist, weisen alle zehn Länder eine sehr überdurchschnittliche Pro-Kopf-Kaufkraft auf, die mindestens 50 Prozent über dem europäischen Durchschnitt liegt. Während insgesamt 16 Länder über dem Schnitt liegen, schneiden 26 der untersuchten Staaten unterdurchschnittlich ab. Am Ende der Rangliste finden sich der Kosovo, Moldawien und die Ukraine. In letzterem Land haben die Menschen 1703 Euro pro Kopf zur Verfügung. Zum Ver­gleich: Die Liechtensteiner weisen mehr als das 37-Fache der Durchschnittskaufkraft der Ukrainer auf.

    85 Prozent weniger von der Krise getroffen als der Durchschnitt
    Die Studie «GfK Kaufkraft Europa 2020» – die am Markt anerkannte Richtgrösse zur Ermittlung des Konsumpotenzials – bildet mit dem Corona Impact Index den Einfluss von Covid-19 auf die europäischen Länder ab. Die Spitze wird auch hier von Liechtenstein und der Schweiz angeführt. Die beiden Staaten weisen europaweit nicht nur das höchste verfügbare Nettoeinkommen pro Kopf auf, sondern sie sind auch jene Länder, die unter der Pandemie am wenigsten gelitten haben. Das Fürstentum etwa wurde um rund 85 Prozent weniger von der Coronakrise getroffen als der europäische Durchschnitt, während die Schweiz rund 74 Prozent unter dem europäischen Schnitt liegt.

    Island und Norwegen hingegen, die die Ränge vier und fünf im Kaufkraftranking belegen, schneiden beim Corona Impact beispielsweise um einiges schlechter ab. Mit mehr als 58 beziehungsweise 63 Prozent über dem europäischen Durchschnitt wurden die beiden Länder ziemlich hart von der Krise getroffen. Das ist unter anderem auf eine durch die Pandemie bedingte Abwertung der nationalen Währungen gegenüber dem Euro zurückzuführen. Das Schlusslicht aller 42 betrachteten Staaten bildet die Türkei. Dort liegt der Corona Impact mehr als das 2,8-Fache über dem europäischen Schnitt.

    Hinweis
    Die Kaufkraft bezeichnet das verfügbare Einkommen ohne Steuern und Sozialabgaben inklusive Transferleistungen. Ausserdem beruht die Basis der Berechnungen neben den Daten der Einkommensteuerstatistik auch auf einschlägigen Statistiken zur Berechnung von Transferleistungen ebenso wie Prognosewerten der jeweiligen Wirtschaftsinstitute. 

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