• 14.10.2020 07:00 | von Dorothea Alber

    Compliance-Chef der LGT tritt ab

    Der oberste Verantwortliche der Compliance bei der LGT-Gruppe hat das Unternehmen überraschend verlassen.

    Johannes Pfister, der bisherige Leiter der Compliance-Abteilung bei der LGT, hat gekün­digt und ist nicht mehr für die Gruppe tätig. «Ausschlaggebend waren persönliche Gründe, die mit seiner Tätigkeit bei der LGT nichts zu tun haben», wie ein Sprecher auf Anfrage bestätigte.

    Das Schweizer Nachrichtenportal «Finews» bringt den Abgang des LGT-Kadermitarbeiters mit seinem früherem Arbeitgeber in Verbindung. Pfister war von Ende 2011 bis 2014 als Compliance-Verantwortlicher bei der Banca Credinvest beschäftigt. «Die Kündigung von Herrn Pfister erfolgte im Herbst 2014», sagte der Anwalt von Credinvest, Fulvio Pelli, gegenüber finews.ch.

    Früherer Arbeitgeber von Pfister sanktioniert
    Die Tessiner Privatbank namens Banca Credinvest tauchte vergangene Woche als drittes Finanzinstitut auf, das von der Schweizer Finanzaufsicht Finma sanktioniert wurde. Die Behörde hatte festgestellt, dass die Banca Credinvest im Umgang mit venezolanischen Kundenbeziehungen schwer gegen die Geldwäschereibestimmungen verstossen hatte. Sie eröffnete bereits im November 2018 ein Verfahren gegen die Banca Credinvest, um Hinweisen auf Verstösse gegen die Geldwäschereibestimmungen nachzugehen. Diese Hinweise standen im Kontext des mutmasslichen Korruptionsfalls rund um den venezolanischen Ölkonzern PDVSA. Die Aufseher stellten fest, dass das Geldwäschereidispositiv und das Risikomanagement der Bank ungenügend waren. Die Finma schloss dieses Enforcementverfahren nun ab und verordnete verschiedene Massnahmen.

    «Insbesondere im Zeitraum 2013 bis 2017 verstiess die Bank gegen die Sorgfaltspflichten im Bereich der Geldwäschereibekämpfung», schreibt die Behörde in einer Mitteilung. Die Finma nimmt das Institut nun an die kurze Leine. Das Geldhaus muss alle Private-Banking-Kunden überprüfen, um mögliche erhöhte Geldwäschereirisiken zu identifizieren und angemessen zu begrenzen. Zudem muss sie – den von ihr selbst beschlossenen – Ausstieg aus allen Venezuela-Kundenbeziehungen rasch vervollständigen und darf während drei Jahren keine neuen Kunden mit erhöhten Risiken aufnehmen.

    Zudem ordnet die Finma verschiedene organisatorische Massnahmen an, um die Geldwäschereibekämpfung und das Risikomanagement zu verstärken. Indirekt hat dies nun auch Auswirkungen auf die LGT, die ihren Compliance-Chef verliert.

    Keinen Hinweis, dass Pfister verwickelt war
    Das Finanzportal betonte aber explizit, dass es keinen Hinweis darauf habe, dass Pfister direkt in den PDVSA-Skandal der Tessiner Privatbank verwickelt war. Der Schweizer Finanzplatz war in den vergangenen Jahren im Zusammenhang mit internationalen Korruptionsfällen stark exponiert: Petrobras, Odebrecht, 1MDB, Panama Papers, Fifa oder PDVSA, um nur einige davon zu nennen. Die Finma hat ihren Aufsichtsfokus in der Geldwäschereibekämpfung deshalb auf den Umgang der Institute mit solchen internationalen Geldwäschereifällen gerichtet. Sie betrachtet die Geldwäschereigefahr weiterhin als ein Hauptrisiko des Finanzplatzes. Entsprechend bleibt dieses Thema ein Schwerpunktthema ihrer Aufsichtstätigkeit.

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