• 20.11.2020 06:00 | von Dorothea Alber

    Hausbesitzer im ganzen Land werden zu Stromversorgern

    Die LKW will eine Energieaustauschplattform auf den Markt bringen. Das Thema erneuerbare Energie bleibt ein Knackpunkt.

    Weil Liechtenstein europaweit einen der höchsten Atomstromwerte hat, besteht bei der erneuerbaren Energie Nachholbedarf. Mit der Energiestrategie 2030 will die Regierung an dieser Schraube drehen und den Anteil der erneuerbaren Energien am Gesamtbedarf auf 30 Prozent steigern. Diese bestehen zu 17 Prozent aus heimischer und zu 13 Prozent aus ausländischer Produktion. Die Liechtensteinischen Kraftwerke (LKW) sind als Energieversorger ein wichtiger Teil, wenn es darum geht, diese Strategie auch in die Tat umzusetzen.

    «Die Möglichkeiten, in Liechtenstein Strom zu produzieren, sind leider beschränkt. Das Wasserkraftpotenzial ist bis auf den Rhein nahezu ausgeschöpft», erklärt Fabienne Lemaire als LKW-Mediensprecherin. Windenergie sei nach dem «Nein» der Balzner Bevölkerung in den nächsten Jahren nicht realistisch. Fotovoltaik wurde bereits in grösserem, verträglichem Ausmass zugebaut und wird auch weiterhin ausgebaut. Andere Produktionsmethoden wie beispielsweise Tiefengeothermie seien aktuell nicht realistisch.

    Anteile konnten nicht wie geplant erhöht werden
    Bei den erneuerbaren Energien wurden die Ziele der Energiestrategie 2020 deutlich verfehlt. Wie also soll das Ziel erreicht werden, den Anteil der erneuerbaren Energie jetzt zu erhöhen? Die LKW bauen und betreiben eigene Kraftwerke im Ausland. Sie sind über Beteiligungen mit Wasserkraft in der Schweiz und Österreich und mit Windkraft in Deutschland aktiv. «Da für die Energiestrategie nur inländische Produktion zählt, nützen diese Aktivitäten für die Erreichung dieser Ziele direkt nichts», sagt Lemaire. Aber die erneuerbare Eigenproduktion der LKW könne im liberalisierten Strommarkt nach Liechtenstein «gebracht» werden, sodass diese auch direkt den Kunden in Liechtenstein zugutekomme. Die LKW konnten zuletzt die Anteile an den Prättigauer Kraftwerken zwar etwas erhöhen, da aber die anderen Aktionäre auch Interesse an einer Anteilserhöhung zeigten, konnten die LKW ihren Anteil nicht im gewünschten Ausmass erhöhen.

    Die beiden im Bau befindlichen Wasserkraftwerke in der Steiermark werden zusammen etwa sechs GWh pro Jahr liefern, was etwa 1,5 Prozent des Landesabsatzes beträgt. Sie sollen 2021 oder 2022 in Betrieb gehen. Aktuell sei der Markt für erneuerbare Energien in Europa noch genügend liquid. «Wie sich das in den nächsten 10 bis 20 Jahren entwickeln wird, bleibt abzuwarten», sagt Lemaire.

    Auf der Produktionsseite bieten die Fotovoltaik, Biomasse und die Abwärmenutzung aus der KVA Buchs die grössten zusätzlich nutzbaren Potenziale, wie es in der neuen Energiestrategie heisst. Grosse Hoffnungen ruhen demnach auf der Fotovoltaik. Trotz vieler Bemühungen und einer breit geführten öffentlichen Diskus-sion um den Klimawandel, liegt der Verbrauch von erneuerbarer elektrischer Energie in Liechtenstein bei etwa bei 30 Prozent.

    Unternehmen steigen auf Wasserkraft um
    Das neue Stromprodukt «LiStrom alpin» der LKW soll helfen, diese Bilanz nachhaltig zu verbessern sowie den Unternehmen eine weitere Möglichkeit geben, ökologische Verantwor-tung übernehmen zu können. Die LKW haben den direkten Kontakt zu allen Sondervertragskunden, allen Wirtschaftsverbänden wie der LIHK und der Wirtschaftskammer gesucht und ihnen mit dem neuen Stromprodukt die Möglichkeit angeboten, mit einem geringen finanziellen Mehraufwand ihren ökologischen Fussabdruck kleinzuhalten. Mit den Sektionspräsidenten, dem Geschäftsführer und dem Präsidenten der Wirtschaftskammer wurden die Gewerbebetriebe per 1. Oktober umgestellt. Anfangs 2021 wird «LiStrom alpin» laut Lemaire das Standardprodukt für alle Nichthaushaltskunden sein. Es besteht vollumfänglich aus lokaler alpiner Wasserkraft. «Die Kunden bekommen nur noch auf ausdrücklichen Wunsch Graustrom».

    Strom vom Dach nebenan: Das wird bald möglich sein
    Auch für die Privathaushalte arbeiten die LKW an Lösungen. Das laufende Projekt für eine Energieaustauschplattform ähnelt dem Quartierstromprojekt in Walenstadt, geht aber noch weiter. «Wir wollen das ganze Land auf die Plattform bringen, auf der jeder Produzent mit jedem Konsumenten Energie handeln kann», sagt Lemaire. Also wird es möglich sein, dass ein PV-Anlagen-Besitzer seine Überschussenergie einem Kunden in Schaan verkauft. Der Prozess soll sehr kundenfreundlich und hochautomatisiert erfolgen. Die LKW haben dieses Jahr den «Proof of Concept» erfolgreich abgeschlossen.

    Bis zur Markteinführung wird es allerdings noch etwas dauern. Neben technischen und kundenspezifischen Anforderungen sind laut Lemaire auch rechtliche und regulatorische Randbedingungen noch nicht abschliessend geklärt. «Unser Projektteam arbeitet aber mit Hochdruck daran». Würde das Projekt «Quartierstrom» analog zu Walenstadt auf die 38 547 Einwohner und damit das ganze Land ausgeweitet werden, wäre Liechtenstein das erste Land der Welt mit dezentraler Stromversorgung. Der Anstieg durch E-Autos macht den LKW derweil keine Sorgen, da dieser gut bewältigbar sei.

    Geteilt: x