• 08.01.2021 16:04 | von Gabi Eberle

    Gestärkt durch die Krise

    1972 mit wenigen Rebstöcken begonnen, werden in den Betrieben der Familie Davaz aus Fläsch mittlerweile jährlich rund sechs Millionen Flaschen abgefüllt. «Die Krise hat das gegenseitige Vertrauen zwischen Betrieb, Kunden und Lieferanten gestärkt», sagt Micha Davaz, zuständig für die Weinhandlung von Salis.

    Vor dreissig Jahren übernahm Andrea Davaz den Familienbetrieb von seinem Vater. Heute steht er 95 Mitarbeitenden vor, hat das Unternehmen nach und nach umstrukturiert und es damit ­geschafft, den Betrieb stets ­weiterzuentwickeln. Neben der ­Produktion von Weinen und Traubensäften nimmt der Weinhandel einen wesentlichen Platz ein. Mittlerweile gehören drei Unternehmungen zu den Davaz-Betrieben: Das Weingut Davaz in Fläsch, die Weinhandlungen von Salis und Valentin in Landquart resp. ­Pontresina sowie Rimuss & Strada in Hallau. 

    Zwei von fünf Geschwistern im Unternehmen
    Der Entschluss, in den Betrieb der ­Eltern Andrea und Marianne Davaz einzusteigen, reifte bei Sohn Micha, ­zuständig für die Weinhandlung von Salis, nach und nach. Mit Bruder Luca Davaz, Betriebsleiter Keller und ­Verkauf, versteht er sich bestens, das gegenseitige Vertrauen ist ebenso da wie die Leidenschaft für Wein und 
    und dessen Vertrieb.

    «Mein Vater hat uns früh in alle möglichen Themen rund um den Wein und das Geschäft miteinbezogen. Meine fünf Geschwister und ich ­arbeiteten früher sehr oft auf dem Weingut. In jungen Jahren betrachtete ich dies oft als Zwang. Aus heutiger Sicht würde ich es wahrscheinlich nicht anders machen. Es hat uns gutgetan – das sagen wir heute alle. Stand heute haben sich mein Bruder und ich dazu entschieden, einzusteigen. Die Arbeit ist vielseitig und hochspannend.» 
    Mit der Übernahme der Rimuss- und Weinkellerei Rahm gab es sowohl auf dem Weingut als auch bei von Salis Platz. «Ein Vorteil», so Micha Davaz, «denn ohne diesen Schritt wäre ich wahrscheinlich noch nicht dabei.»  

    Peu à peu gewachsen
    Der Weinbau hat in der Familie Davaz seit Jahrzehnten Tradition. Das Weingut Davaz ist aus der Güterzusammenlegung von 1966 bis 1978 hervorgegangen. 1972 wurden die ersten Reben im neu erstandenen Weinberg gepflanzt und bereits vier Jahre später zogen die ­Eltern Hans und Annemarie mit ihren fünf Kindern aus dem Dorf Fläsch in die neu erstellte Rebsiedlung Davaz zwischen Fläsch und Maienfeld um. Der Jahrgang 1974 war der erste selbst gekelterte Wein, der in Flaschen ­abgefüllt direkt ab Hof verkauft wurde. Die Produkte fanden schnell eine treue Kundschaft, der Weinbaubetrieb ­entwickelte sich gut.

    Mein Vater hat uns früh miteinbezogen.

    Die beiden Söhne Johannes und ­Andrea fanden Gefallen an Reben und Wein, liessen sich erst als Winzer und Weinküfer, später als Ingenieure der Weinkunde ausbilden. Ihr Wein­horizont erweiterte sich. Daraus resultierte die Idee, in der Toscana ein Weingut zu erwerben.1990 folgte auf dem Fuss der Kauf des Weinguts Poggio al Sole zwischen Florenz und Siena. ­Johannes Davaz übernahm die ­Betriebsführung in Italien, Bruder ­Andrea Davaz blieb in der Bündner Herrschaft.
    Der nationale Player im Weinbereich mit Bündner Wurzeln durfte 2019 ­insgesamt drei Gold- und fünf Silbermedaillen entgegennehmen. 
    Der Kauf der Rimuss, ein perlender Traubensaft, vor gut zwei Jahren ist mit ein Grund, dass die Davaz-Gruppe für den Prix SVC Ostschweiz 2020, den Ostschweizer Unternehmerpreis, nominiert war und es schlussendlich ins ­Finale schaffte. 

    Zukunftsweisende Neuerungen
    Die unterschiedlichen Bereiche der ­Davaz-Gruppe sind klar strukturiert. Für Rimuss – bei der Übernahme im Jahr 2018 hiess die Firma Rimuss- und Weinkellerei Rahm und wurde am 1. Januar 2019 in Rimuss und Strada Weine AG umbenannt – zeichnet ­Andrea Davaz verantwortlich. Mittlerweile ist er bereits zwei bis drei Tage die Woche in Hallau tätig und möchte sich zugunsten seiner Kinder Schritt für Schritt vom Betrieb in der Bündner Herrschaft zurückziehen. 

    Eine weitere zukunftsweisende ­Neuerung: Ab 2021 werden die Fläscher Reben bio. Zum Weingut in der Bündner Herrschaft gehören knapp 15 Hektare Reben. Die gesamte Fläche wird künftig biologisch bewirtschaftet. Erste Versuche konnten bereits in ­diesem Jahr getätigt werden. 

    Rimuss-Übernahme bringt gute Nachricht für regionale Winzer
    Nach zwei schwierigen Jahren 2018 und 2019 tragen die Neuausrichtung sowie die Kostensenkungsmassnahmen erste Früchte. «In diesem Jahr werden wir ein akzeptables Ergebnis erreichen. Für 2021 sind wir noch optimistischer, weil die neuen, weniger süssen Trauben­säfte und alkoholfreien Schaumweine von Rimuss im Markt eine hohe Akzeptanz erreicht haben und zulegen. Die neuen Schweizer Schaumweine von Strada sind ebenfalls stark wachsend.» Dass dadurch noch mehr Trauben aus der Region übernommen werden können, sei für die vielen Winzerfamilien eine schöne Nachricht für Weihnachten. 

    Zusammenhalt zusätzlich gestärkt
    In Krisenzeiten können auch in einem gut organisierten und funktionierenden Familienbetrieb Schwierigkeiten ­entstehen, der Blickwinkel verändert sich, Herausforderungen müssen ­gemeistert und neue Massnahmen ­ergriffen werden. «Wir haben schon vor Corona alle sehr gut zusammen­gearbeitet, weil das Grundvertrauen da ist. Schwierige Phasen in der ­Zusammenarbeit gibt es wenige, da wir alle nicht nachtragend sind und sehr rasch wieder nach vorne schauen», so Micha Davaz. In der Krise sei das gegenseitige Vertrauen zwischen ­Betrieb, Kunden und Lieferanten und innerhalb der Unternehmung selbst ­besonders wichtig und ganz bestimmt gestärkt worden. «Es war schön ­festzustellen, dass die Zusammenarbeit im Unternehmen gerade in schwierigen Zeiten sehr gut funktioniert hat. ­Bestimmt hat es uns alle zusammen­geschweisst.»

    Regionaler Weinkonsum rückt ins Bewusstsein
    Grundsätzlich ist das Unternehmen trotz Corona gut unterwegs. Von Salis generiert circa 65 Prozent des Umsatzes in der Gastronomie. Im Sommer profitierte Graubünden vom Schweizer Tourismus, die Ausfälle des Lockdowns vom März konnten beinahe aufgeholt werden. «Die zweite Welle, die im ­November ihren Anfang nahm, ist ­stärker spürbar», so Micha Davaz. Die vom Bund getroffenen Massnahmen dürften deutlichere Auswirkungen ­haben – insbesondere deshalb, weil die Wintersaison für die Davaz-Gruppe die umsatzstärkste Zeit im Jahr ist.

    Zu beobachten sei dieses Jahr eine erhöhte Nachfrage nach Schweizer Weinen. Micha Davaz: «Das freut uns natürlich sehr. Der regionale Gedanke ist beim Wein noch zu wenig angekommen, Frau und Herr Schweizer trinken nur circa ein Drittel Schweizer Weine, der Rest sind Italiener, Spanier, Franzosen etc. Es könnte sein, dass Covid-19 uns hier ein wenig nachhilft und das Bewusstsein für regionalen Wein­konsum stärkt.»

    Für 2021 kleines Wachstum ­erwartet
    Gefragt nach einer Umsatzprognose bzw. dem «Best Case» für 2021, hofft ­Micha Davaz, dass das Leben ab kommenden Frühling wieder normal ­verlaufen wird. Die aktuelle Situation sei für sehr viele der Kunden ­unberechenbar geworden. Es gelte, ­zusammen weiter an Lösungen zu ­arbeiten. Der Familienbetrieb geht von einem kleinen Wachstum im neuen Jahr aus. 


    Die Davaz-Betriebe:
    Zu den Davaz-Betrieben ­gehören das Weingut Davaz in Fläsch, die Weinhandlungen von Salis und Valentin in ­Landquart resp. Pontresina ­sowie Rimuss & Strada in ­Hallau. Andrea ­Davaz (56) ist verantwortlich für die Rimuss & Strada Wein AG, wo er drei Tage pro Woche tätig ist. Die restliche Zeit arbeitet der Vater von sechs Kindern auf dem Weingut in Fläsch. Ehefrau ­Marianne (58) managt das ­Backoffice, die Söhne Luca ­Davaz (26, Betriebsleiter Keller und Verkauf) und Micha Davaz (27, verantwortlich für die Weinhandlung von Salis) sind in dritter Generation für das ­Familienunternehmen tätig.

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