• 04.12.2020 06:00 | von Dorothea Alber

    Gastro-Mindestlöhne sind nicht vom Tisch

    Die Gastro-Sektion der Wirtschaftskammer löst sich auf. Damit verliert auch der Gesamtarbeitsvertrag für einen Teil der Gastronomiebetriebe des Landes seine Gültigkeit.

    Jahrelang rangen die zwei Gastroverbände Liechtensteins vergeblich darum, ihre Kräfte zu bündeln und ihre Interessen gemeinsam zu vertreten. Nun wird ein neues Kapitel aufgeschlagen: Die Gastro-Sektion der Wirtschaftskammer wird sich per Ende Dezember auflösen, während sich die Mitglieder dem Hotel- und Gastronomieverband anschliessen. Damit wird auch der Gesamtarbeitsvertrag (GAV) Ende Jahr seine Gültigkeit verlieren. Da einige Betriebe des Hotel- und Gastronomieverbands immer wieder erfolgreich einen GAV bekämpft haben, ist nicht davon auszugehen, dass der bestehende GAV akzeptiert wird. Offensichtlich schaffen es immer wieder ein paar wenige Betriebe, die Sozialpartnerschaft zu unterwandern. So fallen Löhne von Liechtensteinern und Grenzgängern in manchen Fällen sehr niedrig aus, wie Betroffene berichten. Nicht nur Pendler seien von diesem Phänomen namens Lohndumping betroffen, wie Sigi Langenbahn als Geschäftsführer des Arbeitnehmerverbandes (LANV) sagt.

    LHGV schliesst einen neuen GAV nicht aus

    Wird die Branche nun einen allgemeinverbindlichen GAV mit Mindestlöhnen ausarbeiten? «Wir werden uns eine Meinung an unserer GV im März und in den Vorstandssitzungen danach bilden, mit allen Mitgliedern und Vorständen», sagt Walter Hagen als Präsident des Liechtensteiner Hotel- und Gastronomieverbands LHGV. Der Verband sei demokratisch aufgestellt, hole alle Meinungen ab und ringe um Lösungen für eine positive Entwicklung der Branche. «Das ist auch mein Anliegen als Präsi­dent», sagt Hagen.

    Ein GAV sei sicherlich gut, welche Punkte darin aber geregelt werden sollen in der heutigen Zeit, müsse erörtert werden. Die Coronapandemie hat viele Betriebe in finanzieller Hinsicht an die Grenzen des Machbaren geführt. Laut Hagen komme in der Gastrobranche ein europaweiter Fachkräftemangel hinzu, der bereits vor der Krise keine einfache Ausgangslage darstellte. Hagen beteuert, dass es nur Einzelfälle sind, wenn Angestellte weniger als 3000 Franken Monatslohn erhalten oder noch weniger. Stattdessen sieht er für Arbeitnehmende in der Branche den Vorteil, dass auch ungelernte und unqualifizierte Menschen einen Einstiegsjob finden und sich hocharbeiten können. «Sicherlich werden wir mit dem LANV ein Gespräch suchen, allerdings wahrscheinlich erst nach unserer GV und mit erweitertem Vorstand Mitte März», sagt Hagen. Zum aktuellen Zeitpunkt sei Arbeitnehmerschutz in erster Linie, möglichst viele, wenn nicht alle Betriebe durch die Krise zu führen. Durch die Pandemie und den erneuten Gastro-Lockdown haben die Gastronomen des Landes selbstredend andere Herausforderungen zu meistern.

    Löhne stehen nun auf dem Prüfstand

    Wie es um die Löhne der Branche bestellt ist, welche den tiefsten Mindestlohn im Land zahlt, wird sich in den nächsten Wochen zeigen. Der Mindestlohn liegt bei 3250 Franken, der allerdings nur für die ­Betriebe der Gastro-Sektion bei der Wirtschaftskammer galt. Weil der letzte Versuch eines allgemeinverbindlichen GAV mit beiden Gastronomieverbänden im vergangenen Jahr gescheitert war, drängte der LANV darauf, die Branche auf Missbräuche zu untersuchen.

    Dafür zuständig ist die sogenannte dreigliedrige Kommission, die aus Arbeitgeber, Arbeitnehmer und Vertretern des Staates besteht. Sie hat nun laut Langenbahn die berufs- und branchenüblichen Löhne in der Gastronomiebranche eruiert und eine Interventionsgrenze festgelegt. Diese Kommission, die Lohndumping verhindern soll, hat Hotels, Restaurants und Caterer sowohl im Tal als auch in Malbun und Triesenberg geprüft. «Die Auswertung ist noch nicht erfolgt», wie Langenbahn sagt.

    Sobald die Resultate feststehen, geht sie auf die Betriebe zu, welche die branchenüblichen Löhne markant unterbieten, und gibt ihnen eine gewisse Zeit, den Lohn zu korrigieren. 

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