• 14.10.2020 07:00 | von Dorothea Alber

    Firmen wappnen sich für zweite Welle

    Liechtensteins Unternehmen beobachten die Lage mit Argusaugen und verschärfen zum Teil ihre Coronamassnahmen.

    So viele neue Coronfälle innert 24 Stunden gab es in Liechtenstein noch nie – nicht einmal zu Beginn der Pandemie. Die grösseren Unternehmen des Landes haben ein wachsames Auge auf diese Entwicklung – und zeigen sich besorgt. Angesichts der wieder steigenden Infektionszahlen hat auch die LLB-Gruppe Mitte September zusätzliche Schutzmassnahmen gegen die Verbreitung des Coronavirus getroffen. «Dazu gehört unter anderem, dass wir das Teamsplitting von Organisationseinheiten in geschäftskritischen Prozessen wieder ­reaktiviert haben. Zudem wurde die Homeoffice-Quote erhöht», wie Cyrill Sele als Mediensprecher sagt.

    Firmen im Krisenmodus
    Interne Anlässe wie Apéros, Abteilungs- oder Weihnachtsessen fallen zum Schutze der Mitarbeiter aus. Auch verschiedene logistische Schutzmassnahmen in internen Besprechungszimmern, Aufzügen und im Personalrestaurant sollen eine Ansteckung mit Covid-19 verhindern.

    Nicht weniger besorgt zeigen sich die Corona-Krisenteams der Hilti, welche die Lage genau beobachten und analysieren. Alle Mitarbeitenden werden aufgefordert, regelmässig die Einstufung ihres Wohnorts zu prüfen. «Sollte ein solches Land als Risikogebiet eingestuft sein, bitten wir alle Betroffenen, von zu Hause aus zu arbeiten», erklärt eine Hilti-Sprecherin. Für eine Rückstufung aus dem Status eines Risikogebietes gilt eine siebentägige Übergangsfrist. Dessen ungeachtet, gelten bei Hilti nach wie vor alle getroffenen, strikten Vorsichtsmassnahmen, Abstands- und Hygieneregeln. Die VP Bank hat bereits Anfang März den Krisenmodus aktiviert und diesen auch in den etwas ruhigeren Sommermonaten unverändert beibehalten.

    «In den letzten Monaten haben wir gelernt, mit der Coronasituation umzugehen. Vor dem Hintergrund rasant steigender Fallzahlen müssen wir wieder vorsichtiger und disziplinierter sein. Bei uns steht der Schutz der Mitarbeitenden und Kunden im Zentrum», sagt Paul H. Arni, CEO der Bank. Ein umfassendes Sicherheitskonzept soll dafür Sorge tragen, sich vor einer Ausbreitung des Virus innerhalb der Bank zu schützen.

    Weihnachtsfeiern, Firmenessen, Projektfeiern und andere Anlässe sind bei der VP Bank aus diesem Grund gestrichen. Homeoffice bleibt für das Geldhaus ein wichtiges Instrument, um die Ansteckungsgefahr zu verringern. Wie viele Mitarbeiter derzeit von zu Hause aus arbeiten, kann das Unternehmen nicht sagen. «Die Tendenz ist jedoch ganz klar, das heisst, wir streben eine Erhöhung der Quo­te aufgrund der steigenden Fallzahlen an», heisst es vonseiten der Bank.

    Die Herausforderung in den nächsten Monaten werde es sein, Erkältung, Grip­pe und Corona als gleichzeitig auftretende Erkrankungen mit ähnlichen Symptomen voneinander abzugrenzen. Es gelte daher die strikte Regelung, bei typischen Erkältungssymptomen nicht ins Büro zu kommen.

    Ivoclar-Produktion fast wieder ausgelastet
    «Ivoclar hat zum Schutz der Mitarbeitenden seit Beginn der Pandemie umfangreiche Sicherheitsmassnahmen umgesetzt, die über die gesetzlichen Vorgaben hinausgehen. Diese gelten nach wie vor», betont deren Mediensprecherin Anja Nöstler-Büchel. Nicht nur Sicherheitsmassnahmen an den Arbeitsplätzen selbst, sondern auch die Möglichkeit, von zu Hause aus zu arbeiten, sollen Schutz bieten.

    Dabei gibt es gute Nachrichten: Die meisten der Produktionsstätten sind im Moment wieder nahezu voll ausgelastet und auch die Verkaufszahlen entwickeln sich positiv, wobei es Unterschiede in den verschiedenen Weltregionen gibt. Das bestätigt das Unternehmen auf Anfrage. Die Coronakrise hatte das Dentalunternehmen hart getroffen: Nachdem die Umsätze im April und Mai um fast 80 Prozent einbrachen, zeichnete sich erst im Juni eine leichte Erholung ab.

    Beim Industriekonzern Oerlikon hingegen sind etliche Mitarbeiter in Kurzarbeit. Wöchentlich werde die Situation analysiert – und wenn nötig auch angepasst. Reisen waren bereits und werden nun wieder stärker eingeschränkt. Bestimmte Regeln könnten sich schon nächste Woche verschärfen, indem Mitarbeiter wieder vermehrt im Homeoffice arbeiten.

    Infizierte Mitarbeiter bei Unternehmen
    Während bei Oerlikon an den weltweiten Standorten bereits vereinzelt Mitarbeiter am Covid-19-Virus erkrankt sind, hat sich am Standort in Balzers noch kein Angestellter angesteckt. Bei der Ospelt-Gruppe als Fleisch- und Tiernahrungsverarbeiter in Bendern haben sich zuletzt hingegen sieben Angestellte mit dem Coronavirus infiziert. Sie kommen aus Vorarlberg und der Schweiz. Um genau das zu verhindern, treffen manche Unternehmen hohe Sicherheitsvorkehrungen. Einige Arbeitgeber haben ihren Mitarbeitern sogar verboten, Grossanlässe zu besuchen.

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