• 04.12.2020 06:00

    Einzelhandel stemmt sich Corona entgegen

    Die Pandemie trifft den lokalen Einzelhandel teils hart. Doch Verband und Geschäfte wehren sich mit harter Arbeit und neuen Ideen.

    Lockdowns, einbrechende Verkäufe, Social Distancing, verunsicherte Kunden: Die zurückliegenden Wochen und Monate haben auch dem liechtensteinischen Einzelhandel ganz schön zugesetzt. «Es war ein herausforderndes Jahr, mit vielen Auf und Abs und von Unsicherheit geprägt», bilanziert auf Anfrage Sven Simonis, Präsident von «Einkaufland Liechtenstein». Der Verband gehört als eine von dreissig Berufssektionen der Wirtschaftskammer Liechtenstein an und zählt insgesamt 101 Mitglieder im Bereich Handelsgewerbe beziehungsweise Einzelhandel.

    Simonis erklärt weiter: «Nach leichter Erholung ab Juni kam mit dem zweiten Lockdown in der Gastronomie wieder ein Knick, insbesondere im Fachhandel. Fehlende Kundenfrequenz und Unsicherheit haben die Verkäufe einbrechen lassen.» Jedoch gelte es zu differenzieren: «Systemrelevante Geschäfte hatten Glück, durften geöffnet bleiben und konnten teilweise von der Pandemie profitieren. Betriebe, die nur auf Tourismus setzen, haben indes enorm gelitten. Und auch Zulieferbetriebe für Gastronomie und Partyservice – beispielsweise Getränkehandel, Bäcker, Metzger – erlitten enorme Umsatzeinbrüche aufgrund der Schliessung der Gastronomie.»

    Einbrechende Kundenfrequenz aufgrund von Homeoffice

    Schwer zu kalkulierende Unsicherheitsfaktoren seien künftig insbesondere die nach wie vor anhaltende Verunsicherung, die sich ändernden Bedingungen bei Schutzmassnahmen, das Homeoffice, fehlende Laufkundschaft sowie das veränderte Konsumverhalten in Richtung Sparen, konkretisiert Sven Simonis. Die zum Teil einbrechende Kundenfrequenz sei dabei weniger auf die Schutzmassnahmen an sich, als vielmehr auf das verbreitete Homeoffice, Kurzarbeit und die Sorge um den eigenen Arbeitsplatz zurückzuführen, erklärt er weiter.

    Trotz alledem: Geschäftsaufgaben im Einzelhandel, welche ausschliesslich auf die Coronapandemie zurückzuführen sind, gab es laut Simonis – selbst Geschäftsführer des gleichnamigen Optikergeschäfts in Vaduz – ­bislang glücklicherweise noch keine. Jedoch könne es im neuen Jahr durchaus zu vereinzelten Schliessungen kommen: «Davon ist auszugehen, da bereits heute einige Betriebe auch über Kurzarbeit im Jahr 2021 nachdenken.» Entlassungen hätten indes auch im laufenden Jahr nicht gänzlich vermieden werden können: «Ein Stellenab­bau war bei einzelnen Geschäften leider unumgänglich.» Einen generellen Einstellungsstopp gebe es aber nicht: «Es kommt im Rahmen der üblichen Fluktuation auch fortlaufend zu Eintritten neuer Mitarbeiter», erklärt Sven Simonis.

    Mit kreativer Geschäftstüchtigkeit in die Zukunft blicken

    Bei aller Unsicherheit und Schwierigkeiten im laufenden Coronajahr: Die Einzelhändler Liechtensteins scheinen auf der Haben-Seite auch über einiges an griffigen Werkzeugen und kreativer Geschäftstüchtigkeit zu verfügen. Auf der einen Seite die staatlichen Unterstützungsmassnahmen für die von der Pandemie und drohenden Geschäftsschliessungen betroffenen Betriebe wie Kurzarbeitsentschädigung, Betriebskostenzuschüsse und Unterstützung für Einzel- und Kleinstunternehmen. «Diese Instrumente wurden entsprechend genutzt, da ohne sie ein Überleben der Branche nicht möglich gewesen wäre», stellt Simonis unumwunden klar. Auf der anderen Seite  gibt es Massnahmen vonseiten des Verbands «Einkaufland Liechten­stein» selbst. «Dazu gehören die Er­arbeitung von Schutzkonzepten, die arbeitsrechtliche Betreuung durch Mitarbeiter der Wirtschaftskammer, die Plattform ‹zemma› mit Liechtenstein Marketing sowie beispielsweise die Weihnachtssternaktion», so Simonis.

    Spürbare Solidaritätswelle seitens der Bevölkerung

    Bemerkbar sei darüber hinaus auch eine «spürbare Solidaritätswelle» der Bevölkerung sowie der Umstand, dass «wir während des Zeitraums der Grenzschliessung zu Österreich und Deutschland viele neue Kunden kennenlernen durften». Die Solidarität sei insbesondere in dieser Zeit in Liechtenstein grossgeschrieben worden, betont Simonis.

    Letztlich sind es aber wohl auch gerade die innovativen Ideen und die Kreativität der Geschäfte an sich, die auch mit Blick auf das Jahr 2021 Grund zum Optimismus liefern. Sven Simonis: «Die Betriebe mussten seit Beginn der Coronakrise immer wieder innovative Lösungen suchen und finden, um die Ware aus dem Lager an die Kundschaft zu bringen. Es sind Geschäftsmodelle entstanden, die heute noch angeboten werden. Die Betriebe bringen teilweise die Waren zur Anprobe zur Kundschaft nach Hause. Ebenso wurde der digitale Bereich ausgebaut und es werden heute von den lokalen Geschäften vermehrt Onlineshops angeboten.» (dg)

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