• 22.01.2021 06:16 | von Dunja Goop

    Dunkler Keller, nun Weinlokal

    Die Weinbaugenossenschaft Mels investierte über 1,4 Millionen Franken in Neubau und Sanierung.

    Dunkel und muffig sei es über Jahrzehnte und noch bis vor wenigen Monaten im Melser Rathauskeller gewesen. So wie es sich eben gehöre, für ein altes Kellergewölbe. Auch für Kellermeister Toni Bardellini sei das Arbeiten in dieser Umgebung mitunter eher unangenehm gewesen, berichtet Reto Albrecht beim «Wirtschaft regional»-Lokalaugenschein. Albrecht ist Präsident der Weinbaugenossenschaft Mels, Bardellini wacht als Kellermeister über den Wein und ist für Abfüllung und Verkauf des fertigen Produkts verantwortlich.

    Hell, freundlich und schlicht, dabei stilvoll
    Doch mit Dunkelheit und Muff ist seit Herbst 2020 Schluss: Nach aufwendigen Renovierungs- und Umbauarbeiten präsentieren sich Räumlichkeiten und Gewölbe von einer ganz anderen Seite. Hell, freundlich, schlicht, dabei aber betont detailverliebt und stilvoll eingerichtet scheinen sie nur darauf zu warten, dass in einer hoffentlich nahen Post-Corona-Zukunft neugierige Weinliebhaber an den in dunklem Holz gehaltenen Stühlen und Tischen Platz nehmen. Hier, im neuen Rathauskeller – dieser ist seit über 80 Jahren Stammsitz der Weinbaugenossenschaft –, soll der Wein in einem angemessenen Ambiente reifen, gelagert und verkauft sowie in einem neu gestalteten Bistro gleich noch verköstigt werden.

    Wann letzteres eröffnet werden kann, stehe momentan noch in den Sternen, erklärt Reto Albrecht: «Die Coronapandemie hat uns hier einen Strich durch die Rechnung gemacht. Eigentlich wollten wir unser Weinlokal bereits im Herbst 2020 eröffnen – gleichzeitig mit der Inbetriebnahme des neuen Melser Kulturzentrums. Doch aufgrund der vom Schweizer Bundesrat verordneten Schliessung der Gastronomiebetriebe aufgrund der Coronapandemie  musste die Eröffnung vorerst auf unbestimmte Zeit verschoben werden.» Derzeit sehe der Zeitplan vor, dass im Februar die ersten Testläufe im Weinlokal durchgeführt werden, bevor es im März, allerspätestens im April endlich zur offiziellen Eröffnung kommen soll. Bis dahin soll dann auch die Küche von Chefkoch Peter Kalberer fertiggestellt sein.

    Indes läuft trotz verschobener Eröffnung des Weinlokals der Handel mit den beliebten und unter der Marke «Melser Rathauskeller» vertriebenen Rot-, Weiss und Roséweinen weiter. Die Verluste beim Weinhandel hätten sich glücklicherweise in Grenzen gehalten, so Weinbaugenossenschaftspräsident Albrecht: «Auch wenn uns grössere Anlässe oder auch die Gastronomie als Abnehmer im vergangenen Jahr aufgrund von Corona weggebrochen sind, verzeichnen wir erstaunlicherweise kaum Einbussen.» Zurückzuführen sei dies wohl auf den Verkauf im Weinshop, der jederzeit sehr gut gelaufen sei.
    Das ist der Melser Weinbaugenossenschaft denn auch zu gönnen: Dafür, dass im neuen Rathauskeller künftig bis zu 35 Personen den Wein aus eigener Produktion sowie Speisen – zubereitet fast ausschliesslich aus Melser Produkten – geniessen werden können, hat die Genossenschaft viel Geld in die Hand genommen. Wie Reto Albrecht erklärt, seien insgesamt über 1,4 Millionen Franken in die Sanierung und Renovierung des in die Jahre gekommenen Gewölbes sowie in einen Neubau ­– in diesem soll künftig der Wein in grossen Tanks reifen und anschliessend in Flaschen abgefüllt und diese etikettiert werden ­– investiert worden. Finanziert über Hypotheken, zum Teil über Beiträge der 70 Genossenschaftsmitglieder sowie über Crowdfunding.

    Genossenschaftsmitglieder stehen hinter Projekt
    Über die Beteiligung der Genossenschaftsmitglieder an der Finanzierung zeigt sich Präsident Reto Albrecht denn auch besonders erfreut: «Dass unsere Mitglieder einen gewissen Betrag selbst eingebracht haben, ist für mich ein wichtiges Signal. Dieser Beitrag wird nun verzinst und ihnen später auch wieder zurückbezahlt. Somit handelt es sich eigentlich um eine Art Darlehen.» Die Genossenschafter hätten sich gemeinsam dafür entschieden, das Projekt in Angriff zu nehmen und den Prozess mit Begeisterung und guten Ideen begleitet, so Reto Albrecht weiter: «Sie sind geschlossen hinter den Arbeiten gestanden. Es war und ist ein gutes Gefühl, einen solchen Rückhalt in den eigenen Reihen zu haben. Denn uns allen war klar: Unter den vor dem Umbau vorherrschenden Arbeitsbedingungen hätten wir nicht weitermachen können.»

    In der einstmaligen muffig-feuchten Umgebung des Weinkellers habe Kellermeister Toni Bardellini ca. 75 000 Flaschen Wein pro Saison abgefüllt – was zuweilen einem regelrechten Kraftakt gleichgekommen sei. «Die Kellerei deshalb aufzugeben wäre jedoch jammerschade gewesen und war nie wirklich unsere Absicht», so Reto Albrecht abschliessend. Allein schon deshalb, weil man schweizweit die einzige Weinkellerei innerhalb eines Gemeindehauses sei. Und in der Tat: Der Melser Rathauskeller befindet sich – wie der Name schon nahelegt – in den Räumen des Rathauses am Dorfplatz in Mels. Ein würdiger Ort also für ein gelungenes Projekt, auf dessen Abschluss noch anzustossen sein wird.

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