• 22.10.2020 06:00 | von Elias Quaderer

    «Digitales Zentralbankgeld ist die Zukunft»

    Die Stiftung Zukunft.li widmete sich gestern dem Währungsvertrag und künftigen Entwicklungen der Geldpolitik.

    Seit gut 100 Jahren gilt in Liechtenstein der Schweizer Franken als gesetzliche Landeswährung. Aber erst 1980 wurde ein Währungsvertrag mit der Schweiz geschlossen, der dieser Praxis eine rechtlichen Rahmen verschaffte. 
    Die Stiftung Zukunft.li beschäftigte sich gestern in ihrer Veranstaltung «Währungsvertrag und Geldpolitik» im Gampriner Saal ausführlich mit dem Themenkomplex Währungsvertrag. Der Referent Hans Kuhn war als ehemaliger Leiter für Recht der Schweizer Nationalbank jahrelanger Ansprechpartner zu Fragen über den Währungsvertrag. Im Rahmen einer Studie von Zukunft.li durfte er jetzt der Frage nachgehen, ob es für Liechtenstein eine Alternative gäbe.

    Währungsvertrag ist alternativlos
    Kuhns Fazit ist klar: Eine ernsthafte Alternative zum aktuellen Währungsvertrag ist zur Zeit kaum erkennbar. Weder die Etablierung eines «Liechtensteiner Frankens», noch der vollständige Verzicht auf eine einzige gesetzliche Währung scheinen dem Experten als gangbare Option. Allerdings ist auch der Währungsvertrag nicht frei von Problemen. So hat sich beispielsweise das Schweizer Währungsrecht seit dem Erlass des Vertrages massiv weiterentwickelt. «Der Währungsvertrag ist damals aus Anlässen entstanden, die längst Geschichte sind», erläuterte Kuhn. Aus diesem Grund gelte es, den Währungsvertrag stetig weiterzuentwickeln.
    Zum Schluss wurde die Frage gestellt, welcher währungspolitischen Aufgabe Hans Kuhn sich zuerst widmen würde, wäre er liechtensteinisches Regierungsmitglied. Der Jurist gab eine eindeutige Antwort: Die Digitalisierung von Zentralbankgeld. Damit wurde nahtlos zum zweiten Thema der Veranstaltung übergeleitet. 
    Der nachfolgende Referent Dirk Niepelt, Professor für Volkswirtschaft und Direktor des Studienzentrums Gerzensee der Schweizerischen Nationalbank, widmete sich den Chancen von digitalem Zentralbankgeld.
    Niepelt erläutert, dass bereits jetzt Zentralbanken digitales Geld herausgeben; allerdings nur für Geschäftsbanken. Die Idee von digitalem Zentralbankgeld wäre, den Zugang zu diesem Geld für einen möglichst breiten Nutzerkreis zu erweitern: Jeder Bürger soll ein Konto bei der Zentralbank eröffnen und Einlagen bilden können. Damit könnte der Zahlungsverkehr sowie die Wertaufbewahrung fortan über die Zentralbanken erfolgen; man würde dafür nicht mehr die Geschäftsbanken benötigen. Der Volkswirt schliesst mit der Gewissheit: «Digitales Zentralbankgeld ist die unausweichliche Zukunft.»

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