• 21.10.2020 06:00 | von Manuela Schädler

    Die Vaduzer lieben den Ortsbus

    Vaduz / Seit einem Monat verkehrt der Vaduzer Ortsbus und erschliesst weitere Quartiere. Das Angebot kommt gut an, wie eine erste Bilanz zeigt.

    Bereits der Einweihungstag der Liemobil-Linie 44 am 13. September zeigte: Der neue Vaduzer Ortsbus ist gefragt. «Zu Beginn kamen viele aus Neugier», sagt Philipp Schädler von der PS Anstalt. Zusammen mit Daniel Real von der Citytrain AG ist er für die Betriebsdurchführung des neuen ÖV-Angebots in Vaduz zuständig. Am Kiosk beim Kino Vaduz, welcher von Daniel Real betrieben wird, erzählen sie über den Start des Projekts.

    Die Fahrgäste hätten sich in den ersten Tagen ein Bild von der Strecke machen wollen und geschaut, wo der Bus überall hält. Auch die Gemeinde Vaduz berichtet von einem positiven Start: In den ersten 18 Tagen haben mehr als 2000 Fahrgäste den Ortsbus genutzt, schreibt der Bürgermeister Manfred Bischof auf Anfrage. Im Durchschnitt fahren täglich 112 Per­sonen mit. Am stärksten Tag konnten 151 Fahrgäste verzeichnet werden. 

    Im Durchschnitt fahren 112 Personen mit

    Mittlerweile haben sich die «Plauschfahrten» in eine effektive Nutzung gewandelt, wie die zwei Betreiber sagen. «Vorwiegend wird der Bus von Vaduzerinnen und Vaduzer 
    genutzt», so Daniel Real. Schüler vom Gymnasium, ältere Menschen, die eine Gehbehinderung haben und auf den Rollator angewiesen sind, oder auch Mütter und Väter mit Kinderwagen steigen regelmässig in den Bus mit dem auffallenden Design ein. Am Wochenende wird der Bus auch gerne von Kindern und Jugendlichen genutzt, die mit ihren Rollern zum Skatepark beim Schwimmbad Mühleholz möchten. «Da steigen manchmal bis zu elf Kinder mit ihren Fahrgeräten ein», so Philipp Schädler. Er könne sich deshalb gut vorstellen, dass der Bus gerade auch im Sommer, wenn das Freibad geöffnet habe, sehr beliebt sein werde. 

    Die Zusammenarbeit der PS Anstalt und der Citytrain AG funktioniert laut Schädler und Real sehr gut. Beide Unternehmen haben aufgrund der Pandemie Auftragsausfälle und sind deshalb froh, den Ortsbus betreiben zu können. Insgesamt sechs Chauffeure der beiden Unternehmen sind im Einsatz. Daniel Real und Philipp Schädler setzen sich auch selbst ans Steuer. Es sei alles sehr familiär und persönlich. «Da ich selbst Vaduzer bin, kenne ich sehr viele der Fahrgäste und dann wird natürlich auch ein Schwatz gehalten», sagt Daniel Real und Philipp Schädler fügt hinzu: «Es ist auffallend, dass die Kinder überaus anständig und höflich sind. Das hat mich sehr positiv überrascht.»

    Und so gibt es auch bereits die ersten Anekdoten zu erzählen. So beispielsweise, als ein Fahrgast Philipp Schädler fragte, weshalb er denn keine Maske trage? (Die Chauffeure müssen im Bus keine Maske tragen, da der Abstand zu den Fahrgästen eingehalten werden kann.) Der Triesenberger erlaubte sich einen Scherz und meinte, dass die Bärger als freie Walser von der Maskenpflicht ausgenommen seien. «Der Fahrgast war aber sichtlich empört und wollte beim Bürgermeister reklamieren, dass es doch nicht sein könne, dass die Triesenberger keine Maske tragen müssen. Ich klärte ihn dann natürlich auf», schmunzelt Schädler.

    Anpassungen sollen geprüft werden

    Die Rückmeldungen der Fahrgäste seien durchwegs positiv. Sie schätzen, dass der Bus praktisch alle 500 Meter hält. Insgesamt befinden sich 26 Haltestellen an der Strecke. Der Bus ist behindertengerecht und die Chauffeure helfen gerne beim Ein- und Aussteigen. Auch der Bürgermeister berichtet von überwiegend positiven Rückmeldungen. Es habe aber auch ein paar Anfragen gegeben, weshalb der Ortsbus gewisse Strassenzüge nicht anfahre. Dies bestätigen auch Philipp Schädler und Daniel Real: «Manche wünschen sich, dass der Ortsbus bis zum Restaurant Sonnenhof fährt oder auch das Quartier Schwefel abdeckt.» Allerdings wäre dies mit dem jetzigen Halbstundentakt nicht möglich. Das würde sich zeitlich nicht ausgehen. 
    Doch das Projekt befindet sich bis Ende 2022 in einer Testphase. «Vielleicht wird dann das Angebot ausgebaut», sagt Schädler. Der Bürger­meister schliesst dies nicht aus: «Es ist geplant, nach einer gewissen Laufzeit die aktuelle ­Situation zu prüfen und falls notwendig sowie auch möglich Anpassungen vorzunehmen», teilt er mit.

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