• 04.12.2020 06:00 | von Elias Quaderer

    Die KVA Buchs plant den Standortwechsel

    Die Kehrichtverwertungsanlage soll auf ein Chemiefabrikgelände ziehen. Vor dem Kauf sind noch Umweltprüfungen abzuschliessen.

    Seit 60 Jahren wird in Buchs bei der Langäulistrasse Kehricht verwertet und verbrannt. Aber in 10 bis 15 Jahren wird Schluss sein: Die Kehrichtverwertungsanlage (KVA) Buchs soll komplett erneuert werden, und zwar auf dem Buchser Areal Ochsensand, dem Gelände der ehemaligen Chemiefabrik Acima. Der Vorstand des Vereins für Abfallentsorgung (VfA) erhielt bei der ausserordentlichen Delegiertenversammlung vor zwei Wochen die Kompetenz, für rund 7 Millionen Franken das Industriegelände zu erwerben. Der VfA, dem 42 Gemeinden aus der Ostschweiz und Liechtenstein angehören, ist Betreiber der Kehrichtsverwertungsanlage.

    Definitiver Kauf erst nach Ende der Umweltuntersuchungen

    An der VfA-Versammlung warfen die Grabser Delegierten ein Problem des neuen Standorts auf: Das Gelände der ehemaligen Chemiefabrik ist im Kataster der belasteten Standorte aufgeführt. Urs Brunner, Geschäftsleiter der Vfa, führt aber aus, dass die Bedeutung des Eintrages «etwas zu relativieren» sei. Das gesamte Areal einer Kehrichtverwertungsanlage gelte ohnehin als belasteter Standort. «Entsprechend ist auch der heutige Standort der KVA im Kataster eingetragen», so Geschäftsführer Brunner. Dennoch seien Untersuchungen bezüglich der Belastung momentan noch im vollen Gange und würden durch die Fachleute des kantonalen Amtes für Umwelt  (AFU) beurteilt. Noch in diesem Jahr sollte eine Stellungnahme der Behörde vorliegen. Anschliessend werde der VfA-Vorstand entscheiden, ob das Gelände definitiv gekauft wird.

    Grund für den Umzug ist zum einen der Platzmangel, wie Urs Brunner erklärt. Längerfristig sei ein Neubau der KVA mit zwei statt heute drei Ofen­li­nien anzustreben. Aber für den Neubau würden die bisherigen Platzverhältnisse an der Langäulistrasse nicht genügen. Zweitens ist zu beachten, dass eine Kehrichtverwertungsanlage ein systemrelevanter Betrieb ist, der nie stillstehen darf. «Eine umfassende Erneuerung bei laufendem Betrieb wäre mit nicht kalkulierbaren Risiken verbunden», so Brunner. Der geplante neue Standort biete zudem einige Vorteile. Es handle sich um eine isolierte Industriezone, abseits des übrigen Baugebiets. Ferner erlaube die Grösse des Areals, dass bisher ausgelagerte Bereiche der KVA zusammengeführt wer­den und sich so die Betriebsabläufe optimiert liessen. Auch die Anschlüsse an das bestehende Fernwärme- und Dampfnetz seien mit einem «vertretbaren Aufwand» möglich. Zudem sei das Areal über die beiden Autobahnanschlüsse Buchs und Haag verkehrstechnisch gut erschlossen.

    Allerdings bestehen auch Sorgen, dass sich das Verkehrsaufkommen beim Knoten Haag erhöhen könnte. Urs Brunner erklärt: «Unabhängig von der KVA besteht beim Knoten Haag heute schon Handlungsbedarf.» Die Auswirkungen der KVA auf den Verkehr seien hingegen marginal: «Die Sammelfahrzeuge werden die täg­li­chen Fahrzeuge am Knoten um ca. 0,5 Prozent erhöhen, und diese verkehren grundsätzlich nicht während der Stosszeiten.»

    Aufbau von 100 Millionen Reserven in 10 bis 12 Jahren

    Für die neue Kehrichtverwertungsanlage rechnet die VfA mit Kosten von etwa 300 Millionen Franken. Wie das «St. Galler Tagblatt» schreibt, strebt der Verein ein Eigenkapital für die neue Anlage von mindestens 30 Prozent an. Dementsprechend plant er in den nächsten 10 bis 12 Jahren, 100 Millionen Franken an Reserven zu bilden. Wie stemmt der Verein für Abfallentsorgung den Aufbau so hoher Reserven? Urs Brunner antwortet: «Durch die Ertüchtigung und Modernisierung der Anlage in den letzten acht Jahren konnte der Grundstein gelegt werden, sodass die Unterhaltskosten in den nächsten Jahren auf ein Niveau zur Substanzerhaltung der Anlage reduziert werden können. Daneben hat der VfA bereits massiv in die Energiewende investiert, sodass nicht mit grossen Neuinvestitionen gerechnet werden muss.»

    Und wie sieht der Plan nach dem Grundstückkauf aus? Gemäss Urs Brunner wird zunächst eine Analyse über den Zustand und die Nutzungsmöglichkeiten der bestehenden Bauten auf dem Chemiefabrikareal durchgeführt. Nicht mehr nutzbare Objekte sollen schrittweise zurückgebaut werden. Nutzbare Bauten werden hingegen bis auf Weiteres erhalten und, soweit der VfA keinen Bedarf für sie hat, nach Möglichkeit an Dritte vermietet. Nachfolgend werden dann die Planung, Umweltverträglichkeitsprüfung, Bewilligung, der Bau und die Inbetriebnahme der neuen Anlage in Angriff genommen. Der benötigte Zeitbedarf dafür liegt bei etwa zehn Jahren. Aber der VfA-Geschäftsführer unterstreicht zum Schluss: «Die bestehende Verbrennungsanlage wird so lange in Betrieb bleiben, bis die Neuanlage in einem Probebetrieb ihre Sicherheit in Bezug auf Entsorgung der Abfälle und Energieversorgung bewiesen hat.» 

    Geteilt: x