• 02.03.2021 20:30 | von Oliver Beck

    Corona hinterlässt bei Oerlikon deutliche Spuren

    Der auch in Balzers vertretene Industriekonzern Oerlikon verzeichnet für 2020 pandemiebedingt tiefere Umsätze und operative Gewinne.

    Wie fast jedes Unternehmen stellte Covid-19 auch den Oerlikon-Konzern 2020 vor grosse Herausforderungen. An der gestrigen Bilanzmedienkonferenz durfte CEO Roland Fischer konstatieren, dass man diese alles in allem gut gemeistert hat: «Wir haben rasch reagiert und trotz des schwierigen, durch die Pandemie stark beeinträchtigen Marktumfeldes 2020 gut gewirtschaftet.» Gleichwohl weisen die Kernkennzahlen des Geschäftsjahrs 2020 wenig überraschend fast alle eine negative Tendenz auf. Die Bestellungseingänge gingen um 13,5 Prozent auf ein Volumen von 2,24 Milliarden Franken zurück, der Umsatz sank um 12,9 Prozent auf 2,26 Milliarden Franken, der operative Gewinn (Ebitda) lag mit 320 Millionen Franken um 18,5 Prozent unter dem Vorjahreswert, und die Ebitda-Marge (Umsatzrendite) verringerte sich von 15,1 Prozent auf 14,2 Prozent. Einzig das Konzernergebnis in Höhe von 38 Millionen Franken stellt gegenüber 2019 eine Verbesserung dar. Allerdings hing das damalige Minus in Höhe von 66 Millionen Franken massgeblich mit kumulierten Umrechnungsdifferenzen im Zusammenhang mit dem Verkauf von Drive Systems zusammen.

    Bereich Surface Solutions spürt Pandemie stark
    Mit 53 respektive 55 Prozent war die Division Surface Solutions 2020 zwar für die Mehrheit des Konzernumsatzes beziehungsweise des operativen Konzerngewinns verantwortlich. Allerdings wirkte sich die Coronakrise aufgrund der pandemiegeschwächten Zielmärkte gerade in diesem Bereich sehr belastend aus. Um 22,1 Prozent zurückgegangene Bestellungseingänge (1,14 Milliaren Franken), ein um 20 Prozent reduzierter Umsatz (1,2 Milliarden Franken) und ein um 30,2 Prozent gesunkener operativer Gewinn (177 Millionen Franken) spiegeln diesen Umstand wider.
    Immerhin: In der zweiten Jahreshälfte waren zumindest auf den Automobil- und Werkzeugmärkten gewisse Erholungstendenzen zu verzeichnen. Der Luft und der Raumfahrtsektor jedoch vermochten sich zu keiner Zeit aus der Umklammerung der Krise zu befreien. Umso wichtiger war daher eine schnelle konzernseitige Reaktion auf die pandemischen Umstände, wie Fischer gestern herausstrich: «Indem wir rasch geeignete Kostensenkungsmassnahmen umsetzten, konnten wir unsere Profitabilität in der zweiten Jahreshälfte sicherstellen und verbessern und sind damit für die Zukunft gerüstet.»

    Als wesentlich robuster erwies sich im Coronajahr 2020 das Geschäftssegment Manmade Fibers. Gegenüber 2019 blieben sowohl der Bestellungseingang (–2,3 Prozent auf 1,1 Milliarden Franken) und der Umsatz (–4 Prozent auf 1,06 Milliarden Franken) recht stabil. Der operative Gewinn (+3,6 Prozent auf 151 Millionen Franken) und dessen Anteil am Umsatz (+1,0 Prozentpunkte auf 14,2 Prozent) entwickelten sich sogar positiv.
    Ins Auge sticht im Zuge dessen insbesondere das erfreulich verlaufene vierte Quartal mit gegenüber dem Vergleichsquartal 2019 durchwegs deutlich erhöhten Kennzahlen: Der Bestellungseingang erhöhte sich um fast 30 Prozent auf 252 Millionen Franken, der Umsatz stieg um rund 11 Prozent auf 296 Millionen Franken, und der operative Gewinn wurde um nicht weniger als 81,2 Prozent auf 47 Millionen gesteigert.

    Oerlikon rechnet für 2021 mit Umsatzwachstum
    Dieser starke Schlussspurt findet – ebenso wie die sich zuletzt stabilisierenden Automobil- und Werkzeugmärkte – auch in den Zahlen des Gesamtkonzerns seinen Niederschlag. Der Vergleich zwischen letztem Quartal 2020 und 2019 fällt deutlich positiver aus, als die Gegenüberstellung der Jahreszahlen. Für den Konzern Grund genug, dem weiteren Verlauf des Geschäftsjahrs 2021 vorsichtig positiv gestimmt entgegenzublicken. «Unter der Voraussetzung, dass die Märkte stabil bleiben und es zu keinen weiteren signifikanten Störungen durch Covid-19 kommt, rechnen wir für 2021 mit einem Konzernumsatz zwischen 2,35 Mrd. und 2,45 Mrd. Franken und einer operativen Ebitda-Marge von 15,5 bis 16,0 Prozent», so CEO Fischer. Beides wäre gegenüber den 2020 erreichten Werten keine ausserordentliche, aber doch eine spürbare Verbesserung.

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