• 23.01.2021 14:00 | von Elias Quaderer

    Brexit: Trotz Abkommen drohen Exportzölle

    Die Schweiz und Liechtenstein müssen ihr Abkommen mit UK nachverhandeln.

    Früh schien Liechtenstein seine Handelsbeziehungen mit Grossbritannien geregelt zu haben. Gemeinsam mit der Schweiz unterzeichnete das Fürstentum bereits im Februar 2019 ein Handelsabkommen mit dem Vereinigten Königreich. Damals hiess es, dass damit der zollfreie Warenverkehr mit dem Vereinigten Königreich – unabhängig vom Ausgang der Brexit-Verhandlungen – weiterhin gewährleistet werde. Nun zeigt sich aber: Auf Liechtensteiner Exporte drohen dennoch Zölle anzufallen. Der Grund sind die im Abkommen enthaltenen Ursprungsregeln.

    Schweizer Exportprodukte können nur dann zollfrei ins Vereinigte Königreich verkauft werden, wenn sie zu einem bestimmten Prozentsatz in der Schweiz hergestellt wurden. Den Vertretern der Schweizer Exportindustrie  bereitet diese Regelung Sorgen. Denn viele Schweizer Unternehmen importieren die Komponenten ihrer Produkte aus dem EU-Ausland, verarbeiten sie dann in der Schweiz und exportieren sie als Endprodukt.

    Als Grossbritannien noch Teil des Binnenmarktes war, waren diese Ursprungsregeln noch kein Problem. Schweizer Produkte galten auch als solche, selbst wenn die Mehrheit der Bestandteile aus der EU stammte. Mit dem Austritt Grossbritanniens aus dem gemeinsamen Markt trifft dies nicht mehr zu. Erreicht das Exportprodukt nun einen gewissen Grad an Schweizer Wertschöpfung nicht mehr, fallen Zölle beim Export an.

    Industrie- und Handelskammer hofft auf rasche Lösung
    Auf Anfrage bestätigt Aussenministerin Katrin Eggenberger, dass diese Regelungen auch Liechtensteiner Unternehmen betreffen. Doch wie schwer treffen die britischen Zölle Liechtensteiner Exporteure? Die Liechtensteinische Industrie- und Handelskammer (LIHK) hält sich mit einer Einschätzung zurück. LIHK-Geschäftsführerin Brigitte Haas unterstreicht aber, dass die Bedeutung des britischen Markts nicht zu unterschätzen ist: «Grossbritannien liegt an achter Stelle der Exportstatistik der LIHK und ist ein bedeutendes Absatzland für die LIHK-Mitgliedsunternehmen aus praktisch allen Branchen.» Im Jahr 2019 betrug der Warenexport ins Vereinigte Königreich 77 Millionen Franken. Bleibt nur noch die Frage, wie sich das Problem lösen lässt. Man verfolge einen «trilateralen Ansatz» erklärt Aussenministerin Eggenberger. Soll heissen: Die EU, Grossbritannien sowie die Schweiz – und damit auch Liechtenstein – müssen ihre Ursprungsregeln untereinander in Einklang bringen. Darüber werden die Schweiz und Grossbritannien nochmals nachverhandeln. Brigitte Haas von der LIHK hofft, «dass die angestrebte Vereinheitlichung der Ursprungsregeln von Schweizer und UK-Seite so rasch wie möglich vorangetrieben wird.»

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