• 22.01.2021 08:14 | von Dunja Goop

    «Anschreiben lassen? Kein Problem!»

    Vor knapp einem Jahr eröffnete Arshad Mohammad in Mauren einen Dorfladen. Er sieht manches entspannter als die Konkurrenz.

    Arshad Mohammad, die Eröffnung des «Dorfladen Muura» liegt nun knapp ein Jahr zurück. Sie hatten etwas Pech: Ab diesem Zeitpunkt wurde Corona schnell zum ganz grossen Thema. 
    Arshad Mohammad: (Überlegt) Das stimmt. Im Grossen und Ganzen kann ich aber trotzdem sagen, dass das vergangene Jahr nicht so schlecht gewesen ist – auch wenn der Anfang etwas holprig verlief und ich wahrscheinlich ein Jahr ohne Lohn gearbeitet habe (lacht).

    Sie haben ihren Laden in einem kleineren Geschäft an der Hauptstrasse in Richtung Eschen eröffnet. Vor Kurzem sind sie umgezogen und haben sich ganz in der Nähe in den Räumlichkeiten des ehemaligen Brillengeschäfts Thoma niedergelassen. Warum?
    Der Umzug war aus zwei Gründen notwendig: Erstens, weil das alte Ladenlokal ziemlich versteckt lag und es keine guten Parkmöglichkeiten gab. Der zweite Grund besteht darin, dass das Haus abgerissen werden soll.

    Hat sich der Kundenzuspruch am neuen Standort verbessert?
    Ja, das kann man so sagen. Seit wir am neuen Standort sind, läuft das Geschäft tatsächlich sehr gut! Wir haben nun dreimal so viele Kunden wie früher. Ich bin deshalb über den Umzug wirklich sehr froh. Aber wir mussten ganz unabhängig vom Standort auch erst einmal das Vertrauen der Leute gewinnen. Seitdem wir dieses haben, unterstützen sie uns sehr. Mittlerweile habe ich sogar eine erfahrene Verkäuferin eingestellt, weil es mir alleine zu viel geworden ist.

    Was macht Ihren Laden einzigartig gegenüber anderen Lebensmittelgeschäften?
    Vielleicht ist das Einzigartige an meinem Laden, dass man bei mir anschreiben lassen kann. Wir haben keine Bankomatkasse und die Leute oft kein Bargeld im Portemonnaie. Sie können dann trotzdem bei mir einkaufen und einfach später bezahlen. Bis jetzt hat das stets gut geklappt und alle Kunden sind wiedergekommen, um ihre Rechnungen zu begleichen.

    Das ist in der heutigen Zeit doch aussergewöhnlich. Wird die Möglichkeit, anschreiben zu lassen denn oft genutzt?
    Ja. Pro Tag nutzen drei bis vier Personen dieses Angebot.

    Wie stand Ihre Familie Ihrem Vorhaben, einen Dorfladen zu eröffnen, gegenüber?
    Meine Familie und meine Kollegen haben alle gesagt: «Du bist verrückt» (lacht). Sie wollten es mir ausreden, da sie Bedenken hatten, ob denn der Laden im Dorf wirklich laufen würde. Aber ich war überzeugt, dass es irgendwie funktionieren wird. Daher habe ich das Projekt dann wirklich durchgezogen. Auch wenn ich am Anfang ganz alleine dagestanden bin: Mit der Zeit haben mich Kollegen und Familie immer mehr unterstützt – etwa, indem sie Regale selbst gezimmert oder den Boden verlegt haben.

    Seit der Schliessung des Denner 2019 verfügte Mauren über kein Lebensmittelgeschäft mehr. Ich nehme an, die Gemeinde war über den neuen Laden erfreut?
    Ja. Die Gemeinde ist sehr froh darüber, dass es wieder ein Lebensmittelgeschäft in Mauren gibt. Bei der Eröffnung im vergangenen Jahr haben sie viele Geschenke vorbeigebracht. Das hat mich sehr gefreut!

    Wie haben die Einwohner Maurens auf die Eröffnung reagiert?
    Als der Denner geschlossen hat, waren die Maurer sehr traurig. Jetzt sind die Bewohner sehr froh, dass es wieder einen Laden im Dorf gibt. Das spüre ich auch in den Gesprächen mit den Kunden immer wieder deutlich.

    In Eschen soll ein Migros entstehen. Denner und Coop sind in wenigen Minuten mit dem Auto erreichbar, viele Liechtensteiner pendeln – wenn es denn möglich 
    ist – zum Einkaufen nach Österreich. Bereitet Ihnen die Konkurrenz schlaflose Nächte?
    Nein, überhaupt nicht. Vor dieser Konkurrenz fürchte ich mich gar nicht. Denn bei uns erledigen die Kunden nicht ihren Grosseinkauf. Wir sind dazu da, wenn man schnell den vergessenen Liter Milch oder den soeben ausgegangenen Zucker einkaufen muss.

    Welchen Beruf haben Sie ausgeübt, bevor Sie Ihrem eigenen Lebensmittelgeschäft vorstanden?
    Bevor ich den Dorfladen eröffnet habe, war ich bereits ein Jahr in Pension. Doch ohne Arbeit war es mir dann sehr langweilig. Davor habe ich unter anderem bei der Firma Pantec gearbeitet und im Anschluss ein Restaurant in Chur geführt. Danach, als mich die Arbeit wieder zurück nach Liechtenstein geführt hat, war ich bis zur Pensionierung bei der Presta in Eschen angestellt. Und heute stehe ich meinem eigenen Geschäft vor.

    Zurück zum Thema Corona: Wie hart wurden Sie vom Virus getroffen?
    Eigentlich gar nicht so hart. Ich kann sogar sagen, dass es dank Corona im vergangenen Jahr bei mir sehr gut gelaufen ist.

    Wie das?
    Das Virus hat viele Menschen verängstigt und sie oftmals davon abgehalten, grosse Lebensmittelgeschäfte zu besuchen. Viele haben lieber bei mir eingekauft. Gerade in letzter Zeit ist das wieder vermehrt zu spüren und es läuft wirklich gut.

    Bieten Sie einen Lieferservice an? 
    Derzeit noch nicht, aber ab kommender Woche wollen wir einen solchen anbieten. Dieser kann von älteren und kranken Menschen genauso genutzt werden wie von Berufstätigen, die keine Zeit zum Einkaufen haben. Die Kunden können telefonisch ihre Bestellung aufgeben und wir liefern den Einkauf dann zu ihnen nach Hause.

    Mussten Sie staatliche Unterstützung in Anspruch nehmen?
    Die Gemeinde hat mich in den vergangenen Monaten bereits etwas unterstützt. Beispielsweise hat sie sich an den Kosten für das Reklameschild über dem Geschäftseingang beteiligt. Aber seit dem Umzug muss ich Miete bezahlen. Diese Kosten hatte ich am alten Standort nicht. Ebenfalls muss ich nun meine Angestellte bezahlen. Falls es finanziell etwas enger werden sollte, muss ich bei der Gemeinde Mauren vielleicht um Unterstützung anfragen. Denn ich habe so viel Freude an dem Geschäft, dass ich damit auf jeden Fall weitermachen möchte.

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