• 04.05.2021 06:00 | von Dorothea Alber

    30 Mitarbeiter warten auf ihren Lohn

    Die Hoffnung auf eine Rettung des Gipser- und Malerbetriebs Gstöhl aus Eschen besteht.

    Die traditionsreiche Gstöhl AG aus Eschen hat ein Sanierungsverfahren eingeleitet. Es muss ein schwerer Schritt gewesen sein für den Inhaber, der einen der grössten Maler- und Gipserbetriebe Liechtensteins führt. Mit dem Sanierungsverfahren besteht zwar die grosse Hoffnung auf eine Rettung des Unternehmens, doch «die knapp 30 Mitarbeiter hängen in der Luft», wie es Sigi Langenbahn als Geschäftsführer des LANV auf Anfrage beschreibt. Eines vorweg: Die behördlichen Coronamassnahmen sind nicht der Grund für die finanzielle Schieflage.

    Eine schwere Zeit für Inhaber und Mitarbeiter
    Der Arbeiternehmerverband steht mit dem Geschäftsführer des Betriebes in Kontakt und betreut die verunsicherten Mitarbeiter des Unternehmens. «Ich wäre sehr glücklich, wenn die Aussicht auf eine Sanierung gross ist und die Arbeitsplätze erhalten werden könnten», sagt Langenbahn. 

    Doch für die Angestellten ist es nicht einfach: Sie mussten sich vorerst mit einer Anzahlung auf ihren April-Lohn begnügen und auch aus den vorangegangenen Monaten sind Gelder für Überstunden noch ausständig. Die Löhne kamen zuletzt unregelmässig, die Unsicherheit ist riesig. Die Mitarbeiter arbeiten zwar noch an den offenen Aufträgen, doch sie warten auf den Baustellen teilweise vergebens auf Materiallieferungen, die sie für ihre Arbeit dringend benötigen würden. Vergeblich versuchten sie den Inhaber zu erreichen, wie es weitergehen soll. Die Gstöhl AG ist zahlungsunfähig. 

    Die Chance auf eine Sanierung   
    Der Betrieb, der seit 60 Jahren besteht, ist das erste grössere und tätige KMU, das nach dem neuen liechtensteinischen Insolvenzrecht behandelt wird, das am 1. Januar 2021 in Kraft trat. Es sieht die Möglichkeit des Sanierungsverfahrens mit und ohne Eigenverwaltung vor, vereinfacht gesagt eine Vorstufe zum Konkurs. «Wir setzen grosse Hoffnungen in das neue Gesetz, damit ein Betrieb nicht sofort zerschlagen wird, um die Interessen der Gläubiger zu bedienen», sagt Langenbahn. Stattdessen könnten Unternehmen den Konkurs noch abwenden, wenn sie schnell handeln und einen soliden Sanierungsplan auf die Beine stellten.  

    «Dennoch sind viele Fragen offen», betont der Gewerkschafter. Ein Beispiel ist die Insolvenzentschädigung, die den Lohn für bereits geleistete Arbeit der letzten drei Monate sichert, wenn der Arbeitgeber zahlungsunfähig ist. Und ein weiteres Beispiel: Im Falle eines klaren Konkurses können laut Langenbahn die Mitarbeiter fristlos kündigen. Bei einem Sanierungsfall gestaltet sich das ­etwas anders: Vorerst müssen die Angestellten ihre vertraglichen Verpflichtungen erfüllen und weiter arbeiten. Das neue Gesetz sieht einen sogenannten Gläubigerausschuss vor. «Wir hoffen, dass wir als Arbeitnehmervertretung einen Sitz darin erhalten werden, um die Interessen der Mitarbeiter zu vertreten», sagt Langenbahn. 

    Wie gross die Aussicht auf eine erfolgreiche Sanierung tatsächlich ist, konnte der LANV-Geschäftsführer nicht sagen. Der Insolvenzverwalter wurde bereits bestimmt, der sich in den kommenden Tagen wohl ein Bild der finanziellen Situation des Betriebes machen wird. 

    Ein Schutzschirm, um den Betrieb retten zu können
    Der LANV wird mit dem Masseverwalter Kontakt aufnehmen. Alle Gläubiger der Gstöhl Aktiengesellschaft werden aufgefordert, ihre Forderungen bis zum 10. Mai anzumelden. Und dann? «Wir hoffen auf eine schnelle Entscheidung, wie es weitergeht», sagt Langenbahn. Das neue Gesetz sieht vor, dass die Fortführung des Betriebs im laufenden Verfahren erleichtert wird. «Eine Prüfung, ob eine Sanierung mit einem Plan erreicht werden kann, soll während einer sogenannten Prüfphase erfolgen», wie Rechtsexperte Franz Mohr dazu im Januar gegenüber «Wirtschaft regional» ganz allgemein erklärte. 

    Zudem gibt es Bestimmungen, die zusammengefasst als Schutzschirm bezeichnet werden können, und etwa die Auflösung von Verträgen durch den Vertragspartner verhindern oder erschweren. Wenn der Schuldner kein Interesse an einer Fortführung hat, wird ein Unternehmen aber – wie früher – zerschlagen. «Dazu wird es auch in den Fällen kommen, in denen eine Fortführung wirtschaftlich keinen Sinn ergibt», sagte Mohr. Mit dem Sanierungsplan muss den Gläubigern eine Mindestquote von 20 Prozent der offenen Forderungen angeboten werden, welche innert zwei Jahren zu begleichen sind. Zudem muss die einfache Mehrheit der Gläubiger einem solchem Sanierungsplan zustimmen. Die Zukunft der Gstöhl AG bleibt daher ungewiss. Fest steht hingegen: Laut Langenbahn ist es höchst unwahrscheinlich, dass die Schieflage etwas mit der Pandemie zu tun hat, denn die meisten Firmen der Baubranche erleben einen regelrechten Boom. 

    Geteilt: x