• 25.02.2021 06:00 | von Gary Kaufmann

    Testspiel unter besonderen Bedingungen

    Liechtensteins Nationalmannschaft spielt heute gegen St. Gallens U21. Trainer Martin Stocklasa gibt dabei sein Debüt an der Seitenlinie.

    Das Duell heute Abend im Stadion Gründenmoos ist weder das erste Freundschaftsspiel zwischen Liechtensteins Nationalauswahl und einer Klubmannschaft, noch die Premiere gegen den FC St. Gallen. Im April 1998 gab es gegen das NLA-Team eine 3:0-Niederlage, wobei dieses mehrheitlich mit Reservisten besetzt war. Liechtenstein spielte ohne Captain Mario Frick, dafür mit Martin Stocklasa. An diese Partie kann sich der Unterländer nicht mehr erinnern, aber sein Debüt heute wird er mit Sicherheit nicht vergessen. Selbst wenn der Gegner nicht etwa Deutschland, sondern St. Gallen U21 heisst und das Match corona-bedingt unter Ausschluss der Öffentlichkeit stattfindet. «Für mich ist es etwas Besonderes, zum ersten Mal als A-Nationaltrainer an der Seitenlinie zu stehen», betont Stocklasa. «Unabhängig davon, wer fehlt: Es läuft die A-Nationalmannschaft auf und daran werden die Spieler gemessen.» 

    Ausgetragen wird der Test auf seine Initiative hin. Aufgrund des Meisterschaftsunterbruchs in den unteren Ligen würden die Amateure der LFV-Auswahl sonst bis zur WM-Qualifikation vier Monate lang (seit dem 1:1 in Gibraltar, 17. November 2020) kein Spiel mehr bestreiten. Deshalb ging er auf Marco Hämmerli zu, der früher mit ihm bei St. Gallen spielte und zurzeit die U21 betreut. Für die jungen Nationalspieler sei das heutige Testspiel eine Chance, sich zu empfehlen. Allerdings können sich ebenfalls die Stammkräfte neu präsentierten, wobei Stocklasa an Positionswechsel denkt. «Als Trainer siehst du in einem echten Spiel mehr, weil Übungen doch immer konstruiert sind», erklärt der Unterländer. Nachdem er nun mit seinen Spielern sechs Wochen in Ruggell gearbeitet hat, komme diese Begegnung zum richtigen Zeitpunkt, um zu erfahren, ob die geforderten Inhalte auch unter Wettkampfbedingungen umgesetzt werden.

    Nachwuchsteam beinah die einzige Option
    Die Auswahl an potenziellen Sparringpartnern ist zurzeit begrenzt. In Frage kamen für den LFV nur Vereine aus der Super League, Challenge League oder deren Nachwuchsmannschaften, weil diese dank einer Ausnahmeregelung weiterhin trainieren und Spiele bestreiten dürfen. Wenn man berücksichtigt, dass die Profis mitten in der Meisterschaft sind und Teams ausserhalb der Schweiz wegen der geltenden Reisebeschränkungen eher kein Thema sind, waren de facto nur Letztere eine Option. So kommt es, dass man gegen eine ambitionierte, junge Mannschaft antritt, die sonst in der ersten Liga dem USV Eschen/Mauren oder FC Balzers gegenübersteht. «Man darf die Partie nicht überbewerten, aber ich möchte auch jedes Trainingsmatch gewinnen. Egal, gegen wen», spielt das Resultat für Stocklasa durchaus eine Rolle.

    Genauso die Einstellung seiner Spieler auf dem Platz. Was diese betrifft, macht er sich keine Sorgen, spricht ein Lob aus: «Die Motivation sowie die Anwesenheit in den Trainings ist wirklich hoch gewesen, auch wenn die Einheiten ab und zu hart gewesen sind und alles auf freiwilliger Basis ablief.» Im Durchschnitt nahmen jeweils 23 Spieler teil. So viele sollen voraussichtlich auch heute zur Verfügung stehen. Leicht angeschlagen sind Marco Marxer, Nicola Kollmann und Noah Frommelt. Weitere Amateure fallen berufsbedingt oder wegen des Studiums aus, während die Profis bei ihren Vereinen weilen.

    Stocklasa möchte bis zu den Länderspielen trainieren
    Stand heute wird bis zum Länderspiel gegen Armenien (25. März) kein weiteres Testspiel stattfinden. «Das Abschlussspiel einer Vorbereitung hat einen gewissen Stellenwert», sieht Stocklasa im Freundschaftsspiel gegen St. Gallens U21 ein Kapitel beendet, wo-rauf mit einem intensiven Länderspieljahr das nächste beginnt. Ob man die Nati-Trainings auch noch im März – sprich bis zur «Week of Football» – fortsetzt, wird gerade mit den Vereinen besprochen. «Wir müssen froh sein, dass die Lockerungen hier im Land einen Schritt weiter gehen als in der Schweiz. Das gibt den Vereinen wieder gewisse Möglichkeiten, daher müssen wir mit ihnen klären, was möglich ist», meint der Nationaltrainer in Bezug auf die sich wandelnde Covid-19-Lage.

    Inzwischen steht fest, dass die Meisterschaft auf keinen Fall vor den ersten Länderspielen wieder aufgenommen wird. Insofern ist nachvollziehbar, dass Stocklasa die Nati-Trainings gerne bis zum offiziellen Termin durchziehen möchte: «Mein Interesse besteht darin, dass die Spieler für die ‹Week of Football› so fit wie möglich sind.» Sollte der Ausflug nach St. Gallen den Schlussstrich dieser Phase markieren, bleibt er dankbar dafür, dass alle Beteiligten in dieser ungewohnten Situation die optimalste Lösung angestrebt haben. «Schlussendlich erfordern diese Zeiten aussergewöhnliche Ideen. Der Name des Gegners interessiert mich nicht. Hauptsache wir stehen auf dem Platz und können uns mit einer anderen Mannschaft messen», fasst der Nationaltrainer vorab noch einmal die Hintergründe des Testspiels zusammen.

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