• 24.11.2020 06:00 | von Philipp Kolb

    Schneller «Schaaner» im Lie-Bob

    Der Deutsche Maximilian Ostler (25) darf im Europa- und Weltcup für Liechtenstein ran, an Olympia aber nicht.

    Aufgewachsen ist Maximilian Ostler im deutschen Wintersportort Garmisch-Partenkirchen. Wer dort aufwächst und intensiv Sport betreibt, landet in der Regel im alpinen Skisport. Nicht so Maximilian Ostler, der sich für die Leichtathletik entschied und nun im Bobsport eine neue Herausfor- derung gefunden hat. Aktuell studiert der 1,84 Meter grosse und 85 Kilogramm schwere Anschieber an der Uni Liechtenstein (Business Administration) und fand so auch den Weg zum Bobverband Liechtenstein. Der 25-jährige Ostler wohnt in Schaan, wenn er nicht gerade für sein Praktikum als Werkstudent in seiner alten Heimat ist. Den Liechtensteiner Pass besitzt der Student aber nicht, doch kann er trotzdem im Weltcup oder Europacup für Liechtenstein an den Start gehen. Anfang Dezember ist dies zum ersten Mal geplant – an den Europacup-Rennen in Winterberg zusammen mit Pilot Martin Kranz. 

    Start an den Olympischen Spielen ist nicht möglich

    Eine Regel des internationalen Bobverbandes macht es möglich, dass der eigentlich deutsche Ostler für Liechtenstein an den Start gehen darf. Gleiches gilt zum Beispiel für den Briten Joel Fearon, der im Schweizer Bobteam mitwirkt. Joel Fearon, ebenfalls Leichtathlet, sicherte sich 2014 im Team von Grossbritannien Bronze im Viererbob an den Olympischen Spielen in Sotschi. Die Sonderregelung gilt aber nur für den Europa- und Weltcup, womit Joel Fearon nie eine Olympiamedaille mit der Schweiz gewinnen kann. Gleiches gilt für Ostler und Liechtenstein. Der 25-Jährige kann sich zwar mit seinem Team für die Olympischen Spiele 2022 in China qualifizieren, starten darf er dann aber ohne den Liechtensteiner Pass nicht. 

    Spurbob beim Weltcup-Rennen in St. Moritz

    Den ersten Kontakt mit dem Bobsport hatte Ostler schon, bevor er nach Liechtenstein zog. In Garmisch-Partenkirchen gab es früher eine Bobbahn – die erste der Welt. Die Bobbahn Riessersee musste 1996 allerdings geschlossen werden, dennoch finden immer wieder histori-sche Bobrennen statt, an denen auch Ostler teilnahm. An der Uni Liechtenstein lernte der Student dann Sebastian Kranz kennen. Der Pilot beim Liechtensteiner Bobverband sorgte für die Kontakte und nun trainiert Ostler bereits mehr als ein Jahr mit. Sein Highlight bisher: Beim Weltcup-Rennen in St. Moritz durften er und Kranz den Spurbob machen (wie die Vorfahrer bei Skirennen). «In der Leichtathletik war ich immer ein Einzelsportler. Auch bei Staffelbewerben konnte ich nur ganz selten mit einem Team antreten, weil ich in einem kleinen Verein gross wurde. Irgendetwas hat mir immer gefehlt und jetzt weiss ich auch was. Der Teamspirit, gemeinsam Erfolge zu feiern. Das ist jetzt im Bobsport möglich und ich freue mich, beim Liechtensteiner Team dabei sein zu dürfen», erklärt Ostler. 

    Die Vorbereitung im für alle Sportarten speziellen Corona-jahr lief für ihn und sein Team sehr gut. «Die Saisonpause kam wegen Corona etwas verfrüht, dann konnten wir individuell aber schnell wieder trainieren. Wir erhielten von unserem Trainer Hans Jürgen Steiner harte Aufgaben fürs individuelle Training auferlegt. Vor allem Bergläufe gehörten dazu oder auch Läufe mit Gewicht – mit Wasserflaschen». Ostler er-zählt weiter: «Die spezielle Situation mit Corona fand ich nicht nur negativ. Das Training brachte neue, andere Reize und als Athlet kann man an solchen Situationen auch wachsen». 

    Sobald die Trainingsverbote wegen Corona gelockert wurden, gab es dann auch wieder normale Trainingseinheiten über den Sommer. Seit September trainiert Ostler wieder alleine, weil er das besagte Praktikum in Deutschland absolviert. Bald sollen jetzt aber die ersten Wettkämpfe folgen. «Wenn mit meiner Abschlussarbeit alles so weitergeht wie bis jetzt, hoffe ich, bei den Europacup-Rennen in Winterberg dabei sein zu können». Diese finden am 5. und 6. Dezember statt. Schritt für Schritt und mit jedem weiteren Wettkampf will er sich und auch das ganze Liechtensteiner Team verbessern und steigern. Highlights stehen in dieser Saison auch an: Zum Beispiel die Junioren-EM in St. Moritz Ende Januar oder die U26-EM in Königsee. Ziele hat der ehrgeizige Sportler auch für einen längeren Zeitraum als nur für diese Saison. In die Top Ten des Weltcups zu fahren, gibt er hierbei an. Ein Wermutstropfen könnte eine mögliche Olympia-Qualifikation sein. Denn auch, wenn Ostler dabei mithilft, kann er am Schluss nicht für Liechtenstein starten. «Ich hoffe, wir schaffen die Quali, und ich gönne es den anderen, dort starten zu dürfen», so Ostler. 

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