• 15.10.2020 06:00 | von Philipp Kolb

    Nationalmannschaft war stehend k. o.

    Die schwache Darbietung der Liechtensteiner Nationalmannschaft am Dienstagabend gegen San Marino (0:0) hat ihre Gründe.

    Nati-Trainer Helgi Kolvidsson hat sich die vergangenen Tage sicher anders vorgestellt. Bereits im Vorfeld der drei Spiele (Luxemburg, Gibraltar, San Marino) war klar, dass es personell eng werden könnte. Liechtenstein ist ein Kleinstaat und dementsprechend sind die personellen Ressourcen begrenzt. In den letzten sechs Tagen spitzte sich die Situation aber dramatisch zu, da neben dem Erwarteten auch unerwartete Ausfälle dazu kamen.

    Die U21-Mannschaft war ebenfalls im Einsatz

    Im Vorfeld war klar, dass die Anzahl der Spiele eine Herausforderung sein wird. Freie Testspieltermine müssen von nationalen Verbänden wahrgenommen werden, ansonsten hätte man wohl auf den Test gegen Luxemburg verzichtet. So war klar, dass die Nati innerhalb von nur sechs Tagen dreimal ran muss, während die U21-Nationalmannschaft, von wo jüngere Spieler hätten nachrücken können, ebenfalls absorbiert war. Dann fielen aber der Reihe nach Spieler aus. Mit mehreren bereits angeschlagenen Spielern packte man die Vorbereitung fürs Luxemburg-Spiel an. 

    Das Coronavirus hat hierbei bereits Spuren hinterlassen. Während in grossen Fussball-Nationen nur Profis am Werk sind, haben Amateure, wie sie in der Liechtensteiner A-Nati auch vertreten sind, den Lockdown und zum Teil auch Quarantänesituationen (FC Balzers) nicht gleich verkraftet und dementsprechend konditionelle Rückstände mitgebracht. Dass dann der eine oder andere Akteur auch wieder schneller angeschlagen oder verletzt ist, ist nur logisch. Corona hat dann aber auch noch direkt zugeschlagen. 

    Yanik Frick wurde nach dem Luxemburg-Spiel positiv getestet. Er und auch sein Bruder Noah, auch sein Zimmerpartner, mussten in Isolation. Damit fielen auf einen Schlag zwei Offensivkräfte aus. Die Uefa empfiehlt den nationalen Verbänden, ihre Spieler in Einzelzimmern unterzubringen. Dies ist aber nur eine Empfehlung. Die Schweizer Nationalmannschaft richtet sich nach dieser Empfehlung, beim LFV hat man in Luxemburg Doppelzimmer gebucht. Mit der Empfehlung hätte Noah Frick spielen können.

    Vier Ausfälle innerhalb von 45 Minuten

     Doch damit immer noch nicht genug. Beim Aufwärmen am Dienstagabend gab auch Simon Kühne, der gegen Gibraltar Yanik Frick ersetzte, forfait. Helgi Kolvidsson setzte darum Defensivspieler Daniel Kaufmann an die Sturmspitze – eine Verlegenheitslösung, denn dieser agierte zuletzt in Zeiten, als er noch Junior war, derart offensiv. Kaum war angepfiffen, da zwickte es bei Martin Büchel. Der erste Wechsel musste nach bereits acht Minuten vollzogen werden – alles andere als ideal. Und als dann in der Pause auch noch Göppel und Hofer passen mussten, wurde es langsam aber sicher personell dramatisch.

    Kolvidsson: «Mehr lag einfach nicht mehr drin»

    Nati-Trainer Helgi Kolvidsson, der nur noch bei zwei Spielen an der Seitenlinie stehen wird, sprach nach dem Spiel gegen San Marino Klartext: «Unser Kader war schlicht zu klein, mehr lag einfach nicht mehr drin.» Richtig zufrieden war er in den letzten Tagen nur mit dem Spiel gegen Luxemburg. Dann folgten die Umstellun-gen, die Ausfälle. Aron Sele, ein unermüdlicher Kämpfer in der Nati, meinte nach der Partie: «Wir sind ein kleines Land mit einem kleinen Kader und jeder Ausfall ist darum hart. Das hat man nun gemerkt. Ich bin jetzt auch einfach nur k. o. und platt und natürlich ist die Enttäuschung gross. Wir haben uns etwas anderes vorgenommen».

    Geteilt: x