• 24.10.2020 10:30 | von Philipp Kolb

    Mit Maske braucht’s keine Sektoren

    Nicht immer sind die Coronaregeln verständlich – teilweise widersprechen sie sich sogar.

    Mit den steigenden Coronafallzahlen der letzten Tage sind die Schutzregeln massiv verschärft worden. Neue Regeln werden dabei in Windeseile erstellt und sind nicht immer ganz durchdacht oder glasklar formuliert. Für nichtprofessionelle Vereine wie im Regionalfussball ist es nicht immer einfach, sich durch den Paragrafendschungel zu lesen, vor allem auch dann, wenn regionale Unterschiede bei den Regeln gelten. Genau das war der Fall bei den neuesten Zuschauerregelungen im Amateurfussball. Der Schweizer und der Ostschweizer Fussballverband haben im Lauf der Woche ihre Vereine aufgefordert, Zuschauer bei Spielen in 100er-Sektoren einzuteilen, damit das Contact-Tracing bei positiven Fällen vereinfacht realisierbar ist. In Liechtenstein wird diese Regelung genauso wie das Führen von Präsenzlisten von der Regierung nicht verlangt. Da die Liechtensteiner Vereine aber im Wettbewerb des Schweizer Fussballverbandes mitspielen war lange Zeit unklar, was denn nun am Wochenende für die Spiele gilt. 

    Regeln, die sich selbst widersprechen
    Für den Liechtensteiner Fussballverband (LFV) ist klar, dass die Liechtensteiner Vereine sich an die Vorgaben des Schweizer (SFV) und des Ostschweizer Fussballverbandes (OFV) halten müssen, auch dann, wenn die Liechtensteiner Regierung eigentlich mildere Regeln vorschreibt. Hierbei richtet man sich nach dem Wettbewerbsausrichter – gleiches gilt, wenn die Nationalmannschaft spielt, denn dort gelten die Regeln der Uefa und nicht die der Liechtensteiner Regierung. Anders sieht es im Liechtensteiner Cup aus. Dort ist der LFV der Wettbewerbsausrichter und muss nicht auf Schutzkonzepte des OFV oder des SFV achten. Für die Meisterschaftsspiele an diesem Wochenende konnte zunächst aber doch keine klare Linie vorgegeben werden. Der Grund: Die Empfehlungen oder die Regeln des Schweizer Fussballverbandes widersprachen sich. Eine Regel verlangte strikte und ausnahmslose Einteilung der Zuschauer in 100er-Sektoren, doch nur wenig später hiess es im gleichen Reglement, dass dies auch umgangen werden kann, indem eine Maskenpflicht für alle Zuschauer gelte. Mittlerweile hat der SFV sein Regelwerk angepasst – nun sind die Bestimmungen klar. Die strikte Sektoreneinteilung wird nicht mehr ausnahmslos verlangt und gilt nicht mehr – eben dann, wenn auf Masken ausgewichen wird. 

    Die einfachste und billigste Art
    Für die Liechtensteiner Vereine ist das Einführen einer Maskenpflicht für die Zuschauer damit wohl einfacher, als Sektoren zu bilden – zumal im Clublokal beim Gang zur Toilette und dergleichen sowieso Masken-pflicht gilt. 

    Komplizierter wird’s bei der Sektorenbildung – wenn man keine Maskenpflicht auf den Plätzen will. Dann nämlich ist es verständlich, wenn kleinere Vereine gleich lieber ohne Zuschauer spielen, als wenn sie pro Sektor eine eigene WC-Anlage zur Verfügung stellen müssten, damit ohne Maske keine Durchmischung stattfinden sollte. 

    Viel Arbeit und Aufwand gibt’s für die Liechtensteiner Vereine aber auch wegen des Führens der Präsenzlisten. Diese wären zwar in Liechtenstein nicht vorgeschrieben, da aber in der Schweizer Meisterschaft mitgespielt wird, sind sie gemäss LFV-Schutzkonzept zwingend zu führen. «Um das Contact-Tracing zu vereinfachen, führt der Verein für sämtliche Trainingseinheiten und Spiele Präsenzlisten aller anwesenden Personen (Spieler, Trainer, Schiedsrichter, Staff, Zuschauer etc.)», heisst es dort. Nicht ganz einfach also – doch in erster Linie ist man bei den Vereinen froh, dass überhaupt gespielt werden darf. 

    Schliesslich häufen sich die Coronafälle auch in den Vereinen. In der ersten Liga Gruppe 3, in der auch Balzers und der USV spielen, sind von sieben Partien vier verschoben worden. Beim FC Rüthi in der dritten Liga sollen gemäss unbestätigten Gerüchten von 16 Spielern deren 12 positiv gewesen sein. 

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