• 21.01.2021 18:59 | von Gary Kaufmann

    Maximilian Göppel steht am Scheideweg

    Doch der Nationalspieler hat nach schweren Monaten in Vaduz den Spass am Fussball keinesfalls verloren, möchte weiterhin Profi bleiben.

    Um Maximilian Göppel ist es ruhiger geworden. Kein Wunder, sein letztes Spiel war am 17. November 2020 in Gibraltar, als Liechtenstein nach einem 1:1-Remis knapp den Aufstieg in die Nations League C verpasste. Beim FC Vaduz hat der 36-fache Nationalspieler diese Saison hingegen kein Spiel absolviert. Zehnmal fehlte er im Aufgebot, obwohl er fit war. Bereits vor dem Aufstieg kam der Schaaner nur noch gelegentlich zum Einsatz. «Ich habe lange darauf gehofft, dass ich wieder eine Chance kriege. Doch jetzt bringt es nichts mehr zu warten», meint Göppel. Per Anfang 2021 wurde der Vertrag auf seinen Wunsch hin aufgelöst, womit der linke Aussenverteidiger nach 110 Spielen (ein Tor, vier Assists) und viereinhalb Jahren das Rheinpark Stadion verlässt: «Dadurch kann ich selbst entscheiden, in welche Richtung es geht. Schlussendlich ist es für Vaduz ebenfalls die beste Lösung gewesen.»

    Statt zurückzublicken, freut sich Göppel lieber auf das nächste Kapitel. Denn die Freude am Ballsport hat er auf der Ersatzbank respektive Tribüne nicht verloren. Deshalb bemüht er sich darum, seiner Leidenschaft weiterhin als Profi nachgehen zu können. «Es wäre natürlich schön, wenn es irgendwo noch klappt. Ich bin aber auch in einer Phase meines Lebens, in der das Gesamtpaket stimmen muss», betont der Fussballer, welcher parallel Wirtschaftswissenschaften im Fernstudium belegt.

    Zwei unterschiedliche Phasen in Vaduz 
    In Vaduz erlebte der 23-Jährige beide Seiten der Medaille. In der ersten Hälfte schaffte Göppel von der Ersten Liga den Sprung in die Super League, unter Roland Vrabec entwickelte er sich zur Stammkraft. Auch der aktu­elle Trainer Mario Frick setzte anfangs auf ihn – ab dem 11. Spieltag der Saison 2019/20 
    (19. Oktober 2020) hat sich das Blatt jedoch gewendet. Dass er durchs Raster gefallen ist, lässt sich schwer nachzuvollziehen. Zumal FCV-Sportchef Franz Burgmeier den Abschied bedauert: «Maxi ist ein langjähriger und verdienter Spieler, der vor allem auch menschlich hervorragend zu uns gepasst hat.» Auch Göppel berichtet, dass er immer Gas gegeben und für den Verein gearbeitet hat. Seine Stellungnahme lautet: «Ich habe einfach nicht mehr in die Mannschaft gepasst. Das ist eine Entscheidung, die man akzeptieren muss.»      

    Trotz der schweren Monate ohne Spiele nimmt er auch aus dieser Zeit viel für die Zukunft mit, «gerade was die mentale Stärke angeht». Mit Vaduz hat er vom Aufstieg in die Super League bis zum Abstieg in die Challenge League alle Höhen sowie Tiefen erlebt. Besondere Momente waren die zwei Spiele in der dritten Runde der Europa-League-Quali gegen Eintracht Frankfurt.

    «Tiefer wie die Erste Liga würde ich nicht machen»  
    Am mangelnden Interesse liegt es nicht, dass der vereinslose Spieler noch keinen neuen Arbeitgeber vorweist. Vielmehr hatte er zuletzt mit Semesterprüfungen anderes als Fussball im Kopf. Inzwischen hat er einige Angebote auf seinem Tisch geprüft. Auch Clubs aus dem entfernten Ausland, die dort in der obersten Liga – etwa auf einem vergleichbaren Niveau mit der Schweizer Super League – spielen, hätten unterschriftsreife Verträge vorgelegt. Einer Einladung ist er bereits gefolgt, um Gespräche zu führen und sich die Infrastruktur anzusehen: «Es sind ein paar spannende Abenteuer dabei gewesen. Aber das Gesamtpaket hat nicht gepasst. Darum habe ich einige Angebote schon abgelehnt.»

    Nachdem die Vertragsauflösung mit Vaduz publik wurde, haben auch diverse Teams aus der Ersten Liga den Kontakt gesucht. «Für mich ist es kein Problem, einen Schritt zurückzugehen. Aber tiefer wie die Erste Liga würde ich nicht machen, das ist immer noch ein relativ hohes Niveau», zeigt sich Göppel offen für Gespräche. Es ist auch die unverbindliche Grenze, welche für den Kader der Nationalmannschaft herangezogen wird. Allerdings ist der Amateurfussball nur Plan B für ihn: «Vorher will ich herausfinden, was im Profibereich noch geht.  Ich bin weiterhin mit einigen Vereinen in Kontakt und führe Verhandlungen durch.» Wohin die Reise auch führt: Beim neuen Verein müsse alles passen, sei es die Chemie mit dem Trainer und das gesamte Umfeld.

    Bei Amateurmannschaften besteht angesichts der Ungewissheit der Pandemie, ob und wann die Meisterschaft fortgesetzt wird, kein Grund zur Eile. Ohne laufenden Vertrag ist er auch nicht an Transferfenster gebunden. Dennoch möchte Göppel bald eine Entscheidung treffen. Sofern sich im Profibereich nichts ergibt, sieht er auch Reize darin, die Karriere nach dem Spitzensport voranzutreiben: «Ich finde die Kurse an der Fern-Uni Schweiz interessant, möchte in die Berufswelt eintauchen. Ich muss mein Geld später anders als mit Fussball spielen verdienen.» Wenn der Defensivspieler in die Erste Liga zurückkehrt, liesse sich das seiner Meinung nach mit einem Praktikum neben dem Studium vereinbaren, was längerfristig mehr Sicherheit garantiert.  

    Vorfreude auf die WM-Qualifikation 
    Um für potenzielle Probetrainings jederzeit bereit zu sein, hält sich der Schaaner mit einem individuellen Programm fit. «Leider sind die Fitnesscenter geschlossen, aber Hanteln und Gewichte habe ich auch zu Hause», erzählt er. Neben Kraftübungen gehören auch konditionelle Einheiten dazu. Seit Mittwoch ist Göppel in Ruggell zudem mit den Kollegen der Nationalmannschaft wieder am Ball unterwegs – der Liechtensteiner Fussballverband (LFV) macht’s möglich. «Wirklich super, dass sie das bei all den Schutzkonzepten in so kurzer Zeit auf die Beine stellen konnten», freut sich Göppel über das Angebot. Für den vereinslosen Profi ist es wie für Amateurspieler vorläufig die einzige Gelegenheit, im Rhythmus zu bleiben. «Fussball spielen macht immer Spass. Immer nur Laufen ist langweilig.» 

    Die Zusammenzüge der Nationalmannschaft ergeben auch in Hinblick auf die ersten drei Spiele der WM-Qualifikation Sinn, die schon im März anstehen. Eine Herausforderung, die für Göppel angesichts der geringen Spielpraxis 2020 gar nicht früh genug kommen kann: «Eine spannende Gruppe, bei der sicher auch der eine oder andere Punkt möglich ist.» Dabei denkt er unter anderem an Armenien, gegen das Liechtenstein schon zweimal Remis spielte, wobei Göppel jeweils 90 Minuten auf dem Platz agierte. Auch auf die beiden Topspiele gegen Gruppenfavorit Deutschland freut er sich: «Das wird bestimmt ein Highlight. Die Spieler kennt man alle aus dem Fernsehen.» Mit dem neuen Trainer Martin Stocklasa kommen andere Impulse und es wird neue Energie freigesetzt, ist der Nationalspieler überzeugt.

    Für den kommenden Karriereabschnitt formuliert der ehemalige FCV-Akteur zwei Ziele: Erstens sein Studium möglichst gut sowie schnell abschliessen, zweitens so bald wie möglich wieder regelmässig Spiele erhalten. «In welcher Liga auch immer, aber dafür trainiere ich täglich», grinst Göppel. Momentan  sind noch alle Wege offen. 

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