• 24.10.2020 06:00 | von Gary Kaufmann

    Kellerduell gegen Wundertüte

    Der erste Saisonsieg drängt: Bei einer Niederlage gegen Zürich übernimmt Vaduz den Abstiegsplatz. 

    In den ersten vier Runden nach dem Aufstieg war es stets eine knappe Angelegenheit. Entweder fehlte dem FC Vaduz ein Tor zum Sieg respektive kassierte er für eine Punkteteilung eines zu viel. Durchaus ein Indiz für eine ausgeglichene Liga, das sich bislang durch fast alle Saisonspiele zieht – die einzige Ausnahme ist die 4:0-Niederlage der Zürcher gegen Lausanne-Sport gewesen. «Uns ist bewusst, dass schnell einmal ein Erfolgserlebnis her muss. Immer diesen Aufwand betreiben und mit leeren beziehungsweise fast leeren Händen dastehen, frustriert», meinte Trainer Mario Frick an der gestrigen Medienkonferenz. 

    Höchste Zeit also für den ersten Dreier in der Super League. Doch was muss sich dafür ändern? Frick blickt diesbezüglich auf das Umschaltspiel, sodass die Chancen konsequenter zu Ende gespielt werden: «In der Defensive kann ich meiner Mannschaft überhaupt nichts vorwerfen. Wir müssen noch torgefährlicher werden. Ich erwarte schon mehr als ein, zwei Schüsse pro Halbzeit.» Eine klare Aufforderung an die Offensive, welche in der Challenge League überzeugte und in der höchsten Liga noch mit den stärkeren Kontrahenten hadert. «In diesem Bereich sind wir nicht dort, wo wir vergangene Saison gestanden sind.»

    Topmotivierter Gegner dank neuem Trainer
    Ins Rheinpark Stadion reist heute der derzeitige Tabellenletzte, der weit unter seinen Erwartungen gestartet ist. Seit zwölf Pflichtspielen ist dem FC Zürich kein Sieg mehr gelungen, weshalb der Verein reagiert hat: Trainer Ludovic Magnin wurde entlassen, ad interim hat Massimo Rizzo von der U18 die Mannschaft übernommen. «Ich glaube, für sie ist das ein Neuanfang. In ihren Augen geht die Meisterschaft erst jetzt los», meinte FCV-Neuzugang Matteo Di Giusto. Ihm steht morgen ein Duell gegen seinen Ausbildungsverein bevor. Der 20-Jährige hat sich mit einigen ehemaligen Kollegen über die Situation ausgetauscht: «Was ich mitbekommen habe, war die Stimmung im Training vorher nicht überragend. Mit dem neuen Trainer sind sie befreiter und genau so werden sie wohl im Spiel auftreten.» Di Giusto kennt Rizzo noch von seiner eigenen Zeit bei der U18 des FCZ. Er hat ihn als angenehmen Trainer in Erinnerung, der von seinen Spielern viel fordert, aber auf eine ruhige Art. «Er ist das genaue Gegenteil von Ludovic Magnin.»

    Frick erwartet ebenfalls einen topmotivierten Kontrahenten, bei dem sich alle Spieler gegenüber dem neuen Trainer für eine Stammposition aufdrängen wollen. «Wir tappen etwas im Dunkeln und wissen nicht, was auf uns zukommt», meint der Vaduzer Trainer. Infolge der Länderspielpause und der verschobenen Partie vergangenes Wochenende (Coronafall beim FC Basel) hatte Rizzo insgesamt drei Wochen, um den Spielern seine Spielphilosophie einzuverleiben – viel Zeit für das schnelllebige Fussballgeschäft. Die einzigen Informationen, auf welche die Vaduzer denn zurückgreifen können, sind Aufnahmen vom ihrem 4:0-Testspielsieg gegen Rapperswil-Jona, dem einzigen Spiel mit dem neuen Trainer an der Seitenlinie. Beim FCV wird davon ausgegangen, dass die Zürcher in einer ähnlichen Formation wie dort starten werden. Doch man müsste mit allem rechnen, weshalb Frick umso mehr das eigene Spiel forcieren möchte. Der ehemalige Stürmer wünscht sich einen nach vorne gerichteten Fussball – ein Abriegeln wie zuletzt beim 1:1 gegen Lugano soll die Ausnahme bleiben.

    Bezüglich Absenzen fehlen aufseiten des FCV mit Sicherheit weiterhin die Verletzten Mohamed Coulibaly und Maximilian Göppel. Fraglich ist Abwehrchef Yannick Schmid, der Probleme mit dem Sprunggelenk hat. Krank oder gesperrt ist niemand. Die Gäste melden derweil Willie Britto (verletzt) und Vasilije Janjicic (krank) ab.  

    Über 3000 Fans erlaubt, aber keine Konsumation 
    Anders als bei einigen Vereinen, die wegen der verschärften Covid-19-Massnahmen ihrer Kantone nur noch bis zu Tausend oder überhaupt keine Zuschauer mehr in die Stadien lassen, darf der FC Vaduz heute theoretisch bis zu zwei Drittel des Rheinpark Stadions (circa 3200 Zuschauer) füllen. Es werden allerdings deutlich weniger erwartet. Beim letzten Heimspiel gegen Lugano vor einer Woche waren 1360 Personen vor Ort, genauso wie damals gilt eine Maskenpflicht. Per heute ist hierzulande neu bis vorerst zum 15. November der Konsum von Speisen und Getränken an öffentlichen Veranstaltungen untersagt. 

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