• 13.01.2021 15:57 | von Gary Kaufmann

    «Ich muss noch ein bisschen durchbeissen»

    Vaduz / Trotz schwerer Ausgangslage will sich Kathinka von Deichmann (WTA 271) dieses Jahr in die Top 200 der Weltrangliste zurückkämpfen.

    Voller Motivation ist die 26-jährige Vaduzerin gestern in Hamburg in ihr erstes Turnier im neuen Jahr eingestiegen (ITF, 25 000 Dollar). In der Halle war ihr gegen Margot Yerolymos (WTA 314) anzusehen, dass sie 2020 quasi durchtrainiert hat – sogar zwischen Weihnachten und Silvester hat Kathinka von Deichmann in Oberhaching fleissig an ihrem Spiel gearbeitet. Nach einer Stunde und 14 Minuten schlug sie die 23-jährige Französin in zwei Sätzen souverän (6:1, 6:2). Als nächstes trifft die Nummer Sieben des Turniers in der zweiten Runde auf die 21-jährige Spanierin Marina Bassols Ribera (WTA 371), welche mit der Qualifikation schon drei Matches absolviert hat.

    Ihr gestriger Auftritt untermauert, dass sich Liechtensteins derzeit bestklassierte Tennisspielerin nicht über unvermeidbare Hindernisse beschwert, sondern weiterhin mit Vollgas ihrer Leidenschaft nachgeht. Aufgrund der Covid-19-Pandemie konnte sie vergangenes Jahr letztlich nur elf internationale Turniere bestreiten. Unter «normalen Umständen» wären es drei Mal so viele gewesen. «Im Moment sieht es nicht besser aus. Bis April kann ich vielleicht vier Turniere spielen», blickt von Deichmann mühsamen Wochen entgegen. Sie rechnet damit, dass sich die Situation erst ab dem zweiten Halbjahr 2021 einpendelt: «Jetzt muss ich mich noch einmal ein bisschen durchbeissen.»

    Die Nase gestrichen voll von Covid-19-Tests

    Bis dahin erschwert der dünne Terminkalender das Hochklettern im WTA-Ranking zusätzlich. Denn dadurch findet auf ihrem Level weltweit meistens nur ein Turnier pro Woche statt, sodass sich auch mehr sowie besser klassierte Spielerinnen als sonst dafür anmelden. Statt dem gewohnten Ticket für die Hauptrunde muss die Vaduzerin also oft darauf hoffen, sich überhaupt durch die Qualifikation kämpfen zu dürfen. «Mein aktuelles Ranking ist gefühlt das schlimmste: Bei den grossen Turnieren kommst du nicht rein und die anderen bringen keine Punkte», erklärt sie.

    Und darf Kathinka von Deichmann mal wieder ein Turnier bestreiten, sorgt das Virus für weitere Unannehmlichkeiten. Dazu gehört das Leben in einer «Blase», aber auch alle zwei, drei Tage ein neuer Nasenabstrich. Wie viele ihr bereits abgenommen wurden, weiss sie nicht mehr: «Langsam nervt’s richtig. Meine Nase ist halb entzündet.» Neben Zeit kosten die Tests auch Geld, weil die Krankenkasse für Kontrollen ohne Krankheitssymptome nicht aufkommt. Doch das gehöre im Moment dazu, um weiterhin an Turnieren teilnehmen zu dürfen. Je grösser der Wettkampf, desto strenger ist ihrer Erfahrung nach das angewandte Covid-19-Schutzkonzept. Bei WTA-Turnieren dürfen die Spielerinnen das Hotelzimmer nur fürs Training und ihre Matches verlassen.

    Olympische Spiele kaum mehr in Sicht

    Obwohl die Ausgangslage alles andere als dankbar ist, hat sich Kathinka von Deichmann einiges vorgenommen. Kurzfristig gesehen, möchte sie vor allem gesund bleiben und so viele Matches wie möglich bestreiten. «Mein Ziel lautet, es wieder in die Qualifikation für ein Grand Slam zu schaffen», so die Vaduzerin. Zuletzt gelang ihr das im Mai 2019 in Paris. Dafür müsste sie im WTA-Ranking allerdings rund 50 Plätze gutmachen. «Mir fehlt nicht viel dazu, aber auch das muss einem erst einmal gelingen.» Längerfristig will von Deichmann zurück in die Top 200, um sich für das kommende Jahr in eine gute Position zu bringen. Ihre bisher beste Platzierung im Einzel (WTA 153) datiert auf den 8. Oktober 2018.

    Deutlich schwieriger wird es für das Mitglied in Liechtensteins Olympic Potential Team, sich den Traum von Tokio zu erfüllen. «Theoretisch könnte ich mich noch bis Juni dafür qualifizieren», betont von Deichmann. «Unmöglich ist es nicht, aber durch die aktuellen Umstände wird es nicht einfacher.» Mit der andauernden Pandemie rinnt der 26-Jährigen weitere kostbare Zeit davon: «Es ist keine einfache Situation. Ich habe noch so viel vor, möchte noch so viel erreichen.»

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