• 21.01.2021 06:00 | von Philipp Kolb

    Harmloses Vaduz verliert in St. Gallen

    Der FC St. Gallen bezwingt in einem Nachtragsspiel den FC Vaduz dank Toren von Duah (62.) und Stillhart (72.) verdient mit 2:0.

    Ein Vaduzer Sieg wäre gestern im Kybunpark gar nicht möglich gewesen, denn um ein Spiel gewinnen zu können, braucht es Torchancen, und die hatte der FC Vaduz gestern schlicht und einfach nicht. Ein, zwei Halbchancen vielleicht – doch Gefahr für den St. Galler Goalie Zigi ging von diesen nicht aus. Die Matchstatistik spricht darum Bände. St. Gallen kam auf 20 Schüsse, wovon aber auch nur vier aufs Tor gingen –  für Vaduz zählten die Statistiker zwei Schüsse, wovon einer aufs Tor ging – das ganze bei 65 Prozent Ballbesitz der St. Galler. Diese Statistiken sind nicht immer genau – gestern widerspiegelten sie aber das Gezeigte. St. Gallen war zu Hause spielbestimmend, führte technisch die feinere Klinge und lief offensiv auch immer wieder an. Allerdings – und das ist das Positive aus Vaduzer Sicht – verzweifelten die St. Galler Angreifer zumindest in der ersten Halbzeit ob der sehr stark stehenden Vaduzer Defensive. 

    Im Umschaltspiel viel zu unpräzise

    Die beste Chance für die St. Galler in der ersten Halbzeit hatte Ruiz auf dem Fuss. Von Görtler angespielt, versuchte er es nach 14 Minuten mit einem Schuss aus der Drehung – Verteidiger Schmied warf sich in den Schuss und rette so für die Vaduzer. Es folgte ein Versuch um den anderen seitens der St. Galler, um das Defensiv-Bollwerk der Vaduzer zu knacken – erfolglos. Die St. Galler ackerten, probierten und versuchten es dann nach rund einer halben Stunde vermehrt auch mit Weitschüssen. Vielleicht sollte dies der Schlüssel zum Erfolg sein. Duah probierte es zum Beispiel nach 33 Minuten – traf aber den Kasten nicht. Kurz darauf hatte Ruiz eine gute Tormöglichkeit. Die Flanke von Görtler versuchte er wie einst Zamorano für die Espen per Flugkopfball im Tor zu versenken – doch auch dies misslang. Und Vaduz? Vereinzelt wären Möglichkei-ten dagewesen, um mit schnellem Umschalten gefährlich werden zu könnten. Allerdings fehlte jedes Mal die Präzision oder man liess die Offensivkräfte ganz vorne durch mangelndes Aufrücken alleine im Schilf stehen. Eine dieser unpräzisen Spielzüge passierte nach einer knappen halben Stunde. Gajic lancierte Sutter mit einem Pass in die Tiefe und der spielte direkt und mit Risiko zur Mitte auf Cicek. Der Ball kam aber nie an, da Goalie Zigi gut mitspielte. Ansonsten hatten die Vaduzer in Hälfte eins offensiv nichts zu melden – defensiv machten die Spieler aber bis dahin einen sehr starken Job. 

    Irgendwann fällt der Ball dann eben doch rein

    Die beste Vaduzer Chance übers ganze Spiel gesehen hatte nach Wiederanpfiff Manuel Sutter noch beim Stand von 0:0. Er versuchte es aus der Distanz mit einer Art Heber, der völlig misslang (siehe Bild oben). Damit wurde auch die Möglichkeit nur zu einer Halbchance. Sutter hätte auf Goalie Zigi losziehen müssen, damit aus der Aktion wirklich eine Chance entstanden wäre. St. Gallen tat sich derweil immer noch schwer, aber nach etwas mehr als einer Stunde fand der Ball doch den Weg ins Vaduzer Tor. Dabei halfen die Vaduzer den Ostschweizern. Goalie Büchel und Verteidiger Yannick Schmid konnten sich in dieser Aktion nicht entscheiden, wer denn nun befreien soll. Grundsätzlich muss sich in so einer Situation der Torhüter mit Blick aufs Spiel bemerkbar machen und dann auch durchziehen. Gestern lief es halbherzig ab und Schmid versuchte im letzten Moment, doch noch zu befreien. Der Versuch endete in einer «Kerze», auf welche die St. Galler besser reagierten. Schliesslich brachte Ruiz den Ball Richtung Zentrum, wo Duah diesen über die Linie stochern konnte. Zehn Minuten später stand es 2:0 und auch dieser Treffer war kurios. Allrounder Stillhart, der im nächsten Spiel gesperrt sein wird, zog aus 16 Metern ab. Sein Schuss lenkte Schmid unglücklich ab. Wie eine Banane segelte der Ball in der Folge über Goalie Benjamin Büchel direkt unter die Latte. Das war bereits die Entscheidung – denn bis dahin tat Vaduz so wenig fürs Offensivspiel, dass niemand mehr an eine Wende glauben wollte. Genauso kam es auch: St. Gallen hatte nun mehr Räume und kam noch zu weiteren Möglichkeiten – schliesslich blieb es beim verdienten 2:0. FCV-Trainer Mario Frick sah es genauso. Er gratulierte seinem Gegenüber Peter Zeidler zum verdienten Sieg. Zufrieden war Frick mit dem Spiel gegen den Ball. «Wir haben bis zum ersten Treffer nur sehr wenig zugelassen». Unzufrieden – oder wie Frick es sagte – «angefressen» war er ob des Spiels mit dem Ball. «Wir haben uns viel fürs Umschaltspiel vorgenommen. Im Endeffekt haben wir in diesen Situationen aber viel zu wenig daraus gemacht. Zu viele Details haben nicht gestimmt». 

    FCSG-Trainer Peter Zeidler freute sich natürlich über den Sieg. «Wir haben diese Saison noch nie mit zwei Toren Differenz gewinnen können», meinte der Deutsche. Es sei aber nicht einfach gewesen gegen kompakt stehende Vaduzer. «Der Gegner war sehr gut organisiert und wir fanden lange keine Mittel, um die Defensive zu knacken. Schliesslich hatten wir dann wohl das Glück des Tüchtigeren. Nach dem 1:0 lief es besser, wir hatten mehr Räume und konnten im besten Moment auf 2:0 erhöhen». 

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Schweiz Fussball Super-League FC St. Gallen - FC Vaduz
Beim Stand von 0:0 entscheidet sich Manuel Sutter für eine Art Heber aus rund 18 Metern Distanz, ...
Foto: © Eddy Risch