• 21.11.2020 06:00 | von Gary Kaufmann

    Sportstätte Steg: «Ein Projekt für den Breitensport»

    Für 3,65 Millionen Franken soll in Steg eine bessere Infrastruktur für die Langlaufsportler realisiert werden.

    Wann hat die Sportstätte Steg Anlauf genommen?
    Christoph Frommelt (Nordic Club Liechtenstein, Projektleiter): Die Idee von einer Sportstätte Steg liegt fünf, sechs Jahre zurück. Beim ersten Anlauf hat uns der Staat zuerst Auflagen gemacht, dass man eine grössere Sportstätte bauen muss. Damals wäre noch der Klein- und Grosssteg betroffen gewesen. Wir hätten für die Rennorganisation eine grössere Unterkunft mit Trainingscenter bauen müssen. Durch die Revision der Sportstättenförderungsverordnung (SSFV) ist es jetzt möglich, das Ganze in einer redimensionierten Form umzusetzen, die grössenverträglicher ist. Ursprünglich ist es ein Spitzensportkonzept gewesen. Wir sehen es aber eher als ein Projekt für den Breitensport.

    Thomas Brunhart (Liechtensteinischer Skiverband, Chef Nordisch): Deshalb sprechen wir immer von einer Optimierung der bestehenden Voraussetzungen vor Ort. Gemäss der SSFV muss ein Sportverband beteiligt sein. Valünalopp sieht sich als Infrastrukturbereitsteller, deshalb haben sie sich mit dem Liechtensteinischen Skiverband zum neuen Verein zur Förderung des nordischen Skisports zusammengeschlossen.

    Wie würden Sie denn die gegenwärtige Situation im Steg beschreiben?
    Frommelt: Es gibt eine provisorische Loipenhütte, die in einem Projekt mit den Studenten der Universität aufgebaut wurde. Dort können sich die Leute in einem Raum von drei auf fünf Metern umziehen. WC, geschlechtergetrennte Umkleiden und ein Kraftraum zur Umsetzung der heutigen Trainingsmethoden fehlen. Es ist ein befristeter Ersatz, davor hatten wir einen Container. Sobald das neue Loipenhaus gebaut wird, muss die aktuelle Lösung weg.  Ausserdem ist die Garage nicht gross genug, um einen Service am Loipenspurgerät vorzunehmen. Die heutige Situation ist extrem eng.

    Dadurch soll sich ebenfalls die sportliche Situation verbessern. 
    Brunhart: Für den Liechtensteinischen Skiverband geht es vor allem darum, dass wir für unsere Langläufer hier im Land die Möglichkeiten vorfinden, um unter wettkampfähnlichen Bedingungen trainieren zu können. Aus Sicht der Athleten sind die vorgesehenen Arbeiten sehr wünschenswert. Dann müsste unser Kader nicht immer nach Davos oder anderswo ins Ausland gehen.

    Warum wird eigentlich erst jetzt etwas unternommen? 
    Frommelt: Wir hatten längere Verhandlungen mit der Alpgenossenschaft Kleinsteg (Anm. d. Red.: Grundstückseigentürmer). Jetzt haben wir eine Vereinbarung erreicht, mit der sie grünes Licht für das Projekt erteilt haben.

    Nachhaltigkeit spielt eine wichtige Rolle im Konzept.
    Unser oberstes Ziel ist es, den schönen Naturraum Steg in seiner Qualität zu erhalten. Seine Bauten haben einen sehr speziellen Massstab. Deshalb orientiert sich das Projekt an den Proportionen der Umgebung und teilt die Sportstätte in zwei Einheiten auf. Es wäre völlig falsch, dort ein grosses Gebäude hinzustellen.

    Wie lässt sich diese Aussage nun mit Schneekanonen vereinbaren?
    Gegenüber anderen Skiorten haben wir einige Standortvorteile im Steg, sodass wir rund zweimal weniger Energie brauchen. So befindet sich das Wasser direkt an der Loipe, womit wir es nicht erst hochpumpen müssen. Wir werden die Loipe nicht direkt beschneien, sondern Schneedepots anlegen, um weniger Verlust zu haben. Ausserdem vergraben wir keine fixen Wasserleitungen, arbeiten oberirdisch mit Schläuchen. Sollte das Beschneien klimabedingt irgendwann keinen Sinn mehr machen, lassen sich die Massnahmen für die Beschneiung jederzeit ohne Belastung für die Natur rückgängig machen. Das andere ist eine ökologische Frage. Wenn unsere Spitzenathleten nach Davos oder woanders hinreisen, braucht jeder Transport Energie. Sie müssen nicht oft in den Steg, damit das Ganze effizienter ist. Diese Rechnungen wurden gemacht.

    Es ist vorgesehen, dass zweieinhalb Kilometer auf bestehenden Strassen beschneit werden. Reicht das denn für ein angemessenes Training?
    Brunhart: Es ist schon knapp bemessen, aber im Bereich der Bachschlaufe wäre eine gute Loipe sichergestellt. Wir können nicht hingehen und 10 bis 15 Kilometer beschneiden. Es zeigt sich je länger je mehr, dass sich der Winter nach hinten verlagert. Unser Ziel mit der Beschneiung ist es, dass wir ab Ende November, Anfang Dezember stabile Trainingsverhältnisse im Steg vorfinden.

    Frommelt: Eine zweieinhalb Kilometer lange Langlaufloipe braucht wenig Schnee. Bei uns reichen 20 bis 30 Zentimeter Kunstschnee, dann gibt es den ganzen Winter kein Problem. Der Abschnitt ist bewusst dorthin gelegt worden, wo es relativ schattig und schneesicher ist. Im Vergleich zu Schweizer Langlaufloipen gehört der Steg auch ohne Kunstschnee bei der Saisondauer zu den Top 5. Sobald es einmal Schnee hat, ist die Loipe ziemlich sicher.

    Lässt sich das Projekt auch durch die steigende Nutzung der Loipe rechtfertigen?
    Innerhalb der vergangenen 20 Jahre haben sich die verkauften Loipenpässe fast verdreifacht, inzwischen sind es jährlich über 1600 Stück. Dabei sind Einwohner aus allen Gemeinden vertreten. Es ist also wirklich eine Sportstätte von landesweiter Bedeutung. Wenn man darüber hinaus schaut, ist die nächste Langlaufloipe, die so eine Strecke abdeckt, in Klosters oder Davos. Das Projekt hat daher auch überregional gesehen einen grossen Wert.

    Brunhart: Alle, nicht nur die Spitzensportler, können von der verbesserten Infrastruktur profitieren, die wir im Steg realisieren. Wenn sich Langlaufen in den vergangenen Jahren als Trendsportart etabliert hat, ist es natürlich gut, wenn man dem auch von der Infrastruktur her nachkommt. Letztlich dient es auch dem Nachwuchs- und Spitzensport, wenn wir unseren Sport für die Breite attraktiver machen.  

    Werden im Steg dadurch internationale Wettkämpfe ermöglicht?
    Es wird eine von der FIS homologierte Loipe geschaffen, die mit gewissen Einschränkungen überregionale Rennen mit Einzelstarts ermöglicht. Für Massenstarts fehlt die erforderliche Trassenbreite.

    Derzeit beschäftigen sich die Gemeinderäte mit Ihrem Subventionsgesuch. Bislang spricht nur die Standortgemeinde Triesenberg Geld. Die anderen haben das Gesuch abgelehnt oder warten den Entscheid des Landtags ab. Hätten Sie mit dieser Tendenz gerechnet?
    Frommelt: Die Schreiben, welche wir bisher von den Gemeinden erhalten haben, sind eigentlich alle für eine Sportstätte Steg und erachten diese als finanzierungswürdig. Die politischen Auseinandersetzungen gehen uns nichts an.

    Brunhart: Wie Sportstätten von landesweiter Bedeutung finanziert werden, ist, glaube ich, eine Grundsatzfrage, welche das Land und die Gemeinden noch miteinander klären müssen. Das betrifft ja nicht nur die Sportstätte Steg, das nächste Beispiel ist die Kletterhalle.

    Frommelt: Dafür gibt es verschiedene Modelle. Man darf aber auch nicht vergessen, dass hinter dem Projekt hauptsächlich Privatpersonen stehen, welche aus Eigeninitiative ihre Zeit investieren und versuchen, für den Sport bessere Strukturen im Land zu schaffen. Die Regierung und die Alpgenossenschaft Kleinsteg geben uns Rückendeckung, wofür wir ihnen danken. Ich möchte auch betonen, dass wir lediglich eine Unterstützung für die Investitionskosten beantragen. Den laufenden Betrieb möchten die beteiligten Vereine selbst tragen.

    Sie haben pro Einwohner eine Subvention von 19 Franken vorgeschlagen. Wie kommt man auf diesen Betrag?
    Brunhart: Wir haben 20 Prozent der gesamten Investitionssumme (Anm. d. Red.: 3,65 Millionen Franken) auf die Anzahl Einwohner runtergerechnet. Gemäss SSFV darf die Förderung aus öffentlicher Hand maximal 80 Prozent betragen. Die Vorstellung der Regierung besteht darin, dass 60 Prozent das Land und 20 Prozent die Gemeinde tragen. Jetzt scheint die Kostenverteilung zwischen Land und Gemeinden jedoch etwas anders auszufallen.

    20 Prozent müssen also durch eigene Mittel gedeckt werden. Was sind die Haupteinnahmequellen hierfür?
    So weit sind wir noch nicht, aber es geht in Richtung privater Gönner und Stiftungen.

    Das Gesuch wurde mitten in der Pandemie eingereicht. Ein ungünstiger Zeitpunkt angesichts der wirtschaftlich unsicheren Lage?
    Dass es gerade mit Corona zusammenfällt, ist eher Zufall. Doch gerade in dieser Zeit wird Langlaufen häufig als Wintersportart genannt, die auch unter den geltenden Schutzmassnahmen gut möglich ist. Umso mehr sollte man diese sinnvolle Freizeitaktivität, die auch unter diesen Bedingungen Bewegung und Auszeit ermöglicht, hervorheben.

    Frommelt: Eigentlich haben wir uns das nicht so gewünscht. Klar ist die allgemeine Meinung, dass es momentan wichtigere Themen gibt. Auf der anderen Seite ist es die beste Wirtschaftsförderung, die man jetzt machen könnte. Ein Staat sollte antizyklisch investieren. Insofern ist der Zeitpunkt gar nicht so falsch, sondern genau richtig, damit die Leute Geld zurückerhalten und Arbeit haben.

    Wenn der Landtag nächstes Jahr dem Antrag zustimmt: Wann kann die Sportstätte realisiert werden?
    Die Umsetzung der Sportstätte braucht circa ein Jahr. Im Alpengebiet besteht das Problem, dass im Winter keine Arbeiten verrichten werden können. Das Loipen- und Vereinshaus wird sich deshalb eher bis zur Saison 22/23 hinauszögern. Die anderen Bereiche wie die Loipenanpassungen und das Beschneien könnten früher umgesetzt werden. 

    Geteilt: x