• 22.10.2020 20:25 | von Philipp Kolb

    Die starke Frau aus Triesenberg

    Die 34-jährige Aline Beck ist seit Kurzem Schweizer Meisterin im Bodybuilding in der höchsten Klasse «Womens Physik».

    Schon als kleines Mädchen interessierte sich Aline Beck fürs Bodybuilding. Gesunde Ernährung und eine tolle Figur – das waren die Gründe dafür. Beck, die damals noch in Brasilien lebte und auf den Namen Aline Silva de Souza hörte, ver­schlang Informationen übers Bodybuilding wie andere Mädchen in ihrem Alter über Pferdesport, Ballet oder Frauenfussball. Seit 2013 lebt Aline Beck in Triesenberg, verheira­tet mit Edmund Beck. Sie ist Mutter von drei Kindern (Lau­ra, Yanick und Leon) und hat mit ihrem eisernen Willen und einer gewaltigen Disziplin nach der Geburt von Leon den Entschluss gefasst, nun endlich auf die Karte Sport und Bodybuilding zu setzen.

    Unterstützung von einem Amateurweltmeister
    Gesagt – getan. Wenn sich Aline Beck etwas in den Kopf setzt, zieht sie es auch durch, egal wie viel Schweiss, Einsatz und Härte es auch immer braucht. 25 Kilogramm trainierte sie nach der Geburt von Leon mit Laufen weg, dann folgte der Kontakt zu Roman Senti, der in Wartau das Fitnesscenter Sentinators Gym betreibt. Senti ist ehemaliger Amateurweltmeister im Bodybuilding und war genau die richtige Ansprechperson. Pläne wurden geschmiedet, Ziele gesetzt und die ersten Trainings durchgeführt. 2016 galt es dann zum ersten Mal ernst für die Bra­si­lianerin. In der Kategorie «Bi­kini Fitness» sammelte sie

    erste Wett­kampferfahrungen am Swiss Cup und der Schweizer Meisterschaft. In der Folge trainierte Aline Beck weiter hart und formte ihren Körper. Der nächste Wettkampf stand aber erst drei Jahre später auf dem Programm, denn als Mutter zweier kleiner Söhne lag damals nicht mehr drin. Yanick, der ältere Sohn, ist mittlerweile acht Jahre alt und Leon fünf. Die beiden finden es cool, wenn Mama mit Pokalen von Wettkämpfen nach Hause kommt, und in den letzten Wochen hatten die beiden Jungs gleich mehrfach die Möglichkeit, stolz auf ihre Mutter zu sein. Die Erfolge häuften sich aber bereits im letzten Jahr. In der «Wellness-Kategorie» räumte Beck beim Swiss Cup den 1. Platz ab. Zwei Wochen später wurde sie erstmals Schweizer Meisterin in der gleichen Kategorie.

    Das Ziel ist der Gewinn der Profikarte
    Mit den ersten grösseren Erfolgen wuchs bei Aline Beck die Motivation. Täglich trainiert sie zwei bis drei Stunden. Dabei werden pro Training immer wieder andere Muskeln gezielt trainiert. Im Bodybuilding spielt vor allem aber auch die Ernährung eine sehr grosse Rolle. 70 bis 75 Prozent des Erfolgs beruhen darauf. Im Hause Beck wird denn auch immer separat gekocht. «Ich und die Jungs essen normal. Aline kocht für sich etwas anderes. Ich bewundere, wie diszipliniert sie auch beim Essen zu Werke geht», erklärt Ehemann Edmund Beck. Nur direkt nach einem Wettkampf gibt’s punkto striktem Ernährungsplan eine Verschnaufpause. Dann darf es auch einmal McDonalds-Essen oder eine Pizza sein.

    Zuletzt gewann Aline Beck einen Wettkampf nach dem anderen. Im September räumte sie am Internationalen Swiss Cup neu in der höchsten Kategorie «Womens Physik» ab. Der Sieg hier war alles andere als selbstverständlich, denn erst zwei Wochen vor dem Wettkampf wusste Beck, dass sie nicht mehr in der Klasse «Wellness» an den Start gehe kann. Innerhalb weniger Tage musste eine neue Kür einstudiert werden, denn auch das Posing muss perfekt passen, wenn man ganz zuoberst auf dem Podest stehen will. Dieser Sieg öffnete dann unverhofft eine wichtige neue Türe. Nadia Lèchaire, Präsidentin des SBFV (Schweizer Bodybuildung- und Fitnessverband) wurde auf die Triesenbergerin aufmerksam. Ihr Kommentar: «Aline ist extrem fit und hat grosses Potenzial. Man darf jetzt aber nichts  mit falschem Training kaputt machen.»

    Lèchaire sorgte dafür, dass Aline Beck im November ihren ersten IFBB-Wettkampf bestreiten durfte. Dieser Event des internationalen Verbands fand in Luxemburg statt, am Schluss strahlte Beck gleich bei ihrer ersten Teilnahme mit dem Siegerpokal von der Bühne, und auch dies öffnete wieder neue Türen. Denn jetzt besitzt die 34-Jährige die IFBB- International-Card und muss für hochstehende Events nicht mehr nominiert werden. Sie darf nun hier auch teilnehmen und kann bei weiteren Erfolgen sogar auf die Profikarte hoffen. Dann würde ihr Sport auch finanziell interessant – dort winken nämlich ansehnliche Preisgelder.

    Vergangenes Wochenende schnappte sich Aline Beck auch noch den Schweizer Meisterti-tel der Kategorie «Womens Physik». Sie ist damit qualifiziert für die WM der Amateure, die vom 5. bis 10. November in Spanien über die Bühne geht. Ob sie auch von dort mit einem Pokal nach Hause reist, wird sich zeigen. Ihre beiden Söhne hätten sicher genauso Freude daran wie sie selber.

     

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SBFV Schweizermeisterschaft 2020
Aline Beck ist 34 Jahre alt und wohnt in Triesenberg.
Foto: zvg
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