• 21.04.2021 06:00 | von Gary Kaufmann

    Der Wunsch, im Land trainieren zu können

    In Triesenberg wird mit drei Projekten eine Optimierung der Sportinfrastruktur zur Förderung des Ski- und Langlauf-Nachwuchses angestrebt.

    Alle zehn olympischen Medaillen hat Liechtenstein im Skialpin erhalten. Somit ist es die erfolgreichste Sportart des Landes, obwohl die einzige vorhandene Rennpiste nach wie vor nicht den ganzen Winter genutzt werden kann. Doch die einheimischen Talente sollen nicht den Anschluss an die internationale Konkurrenz verlieren. Seit gut fünf Jahren verfolgt der Liechtensteinische Skiverband (LSV) deshalb das Ziel, die Situation in Malbun zu optimieren. Dazu erklärt Präsident Alexander Ospelt: «Uns geht es um eine Rennpiste für den Nachwuchs im LSV-Kader und den Skiclubs, auf der wir von Anfang Dezember bis Ende März unter FIS-Bedingungen trainieren und Wettkämpfe durchführen können.»

    «Richtiges» Ski-Training erst ab Mitte Saison möglich
    Der LSV-Präsident betont, dass keine neue Rennpiste gebaut wird. Stattdessen soll die mittlerweile über 20 Jahre alte Infrastruktur verbessert werden. Damit der vorhandene Hang beim Hochegg schneller beschneit werden kann, um die erforderlichen Bedingungen über den gesamten Winter hinweg zu garantieren. In den vergangenen zwei Jahren konnte die Rennpiste ab Mitte respektive Ende Januar genutzt werden, als die erste Hälfte der Saison schon vorbei war. «Das ist relativ spät», meint Alexander Ospelt. Allerdings habe er Verständnis dafür, dass zuerst die Pisten für den regulären Betrieb beschneit werden.

    In jener Zeit, in welcher  Malbun dem LSV-Nachwuchskader nicht zur Verfügung steht, trainiert dieser im Ausland. Unter anderem auf dem Flumserberg oder dem Kaunertaler Gletscher, wo der Verband frühmorgens jeweils ein Zeitfenster von 90 Minuten hat. Sowohl aus ökologischer als auch ökonomischer Sicht würde es jedoch mehr Sinn ergeben, wenn man statt der Fahrt ins Sarganserland oder Tirol die gesamte Saison zu Hause trainieren könnte.

    «Wir bleiben an dem Projekt dran, machen immer wieder Vorstösse. Wie lange es dauern wird, können wir aber nicht sagen», so der LSV-Präsident. In absehbarer Zeit könnte sich eine Tür öffnen. Spätestens bis September 2021 muss die Regierung dem Landtag nämlich einen Bericht und Antrag zur Ausrichtung der Bergbahnen Malbun AG sowie einer nachhaltigen Sanierung und den damit verbundenen Konsequenzen vorlegen. Der LSV hofft, dass sein Anliegen gehört wird. Wenn vor Ort ohnehin Arbeiten anstehen, bestehe das Potenzial für Synergien.

    Auch der Breitensport soll davon profitieren
    Das Projekt an der Rennpiste verfolgt der LSV selbstständig. Allerdings ist es auch der erste Schritt einer grösseren Vision des Liechtenstein Olympic Committees (LOC), das längerfristig einen Trainings- und Wettkampfstützpunkt in Malbun prüft. Entsprechend spricht sich der Dachverband mit seinem Mitglied ab. «Zuerst benötigt es optimale Trainingsbedingungen auf der Piste. Sonst braucht es so ein Leistungszentrum nicht», sagt LOC-Generalsekretär Beat Wachter.

    Von diesem Projekt soll ebenfalls in erster Linie der Nachwuchssport im Ski alpin profitieren: «Es müsste eine Mischnutzung zwischen Leistungs- und Breitensport sein. Ausserdem müsste es komplementäre Sportarten miteinbeziehen, damit die Sportstätte das ganze Jahr über ausgelastet wäre.» Weiter fliesst eine allfällige Nutzung für Touristen und internationale Teams in die Überlegungen mit ein. «Für sie wäre Malbun schon spannend, wenn alle Dienstleistungen an einem Ort angeboten werden. Vor allem wegen der kurzen Wege liesse sich das Training so optimieren», führt Wachter aus. Zum Beispiel könnte man künftig nach dem Slalom von den Ski- direkt in die Turnschuhe schlüpfen für eine Koordinationseinheit in der Turnhalle. Man müsste dafür also nicht mehr ins Tal fahren. Etwas, wovon auch der LSV-Nachwuchskader profitieren würde.

    Noch befindet sich das LOC-Projekt in einem frühen Stadium. Zusammen mit dem Bundesamt für Sport (BASPO) wurde – unter Einbezug der betroffenen Interessensgruppen – eine Machbarkeitsstudie erstellt. Diese wurde der Regierung übergeben, sodass die

    Erkenntnisse in ihrem Bericht und Antrag für die Gesamtstrategie der Bergbahnen Malbun berücksichtigt werden kann. Weitere Auskünfte zur Sportstätten-Strategie wird das LOC morgen im Rahmen einer Medienkonferenz betreffend seiner Vision für die Jahre 2021 bis 2024 erteilen.

    Langläufer sollen eine Sportstätte in Steg erhalten
    Es gibt noch ein drittes Sportstätten-Projekt in Triesenberg, das Steg betrifft. Wie die Ski-Cracks sehnen sich genauso die Langläufer nach besseren Trainingsbedingungen in der Heimat. Der Verein zur Förderung des nordischen Skisports (LSV und Valünalopp) möchte zwei Gebäude (Loipenhaus und Vereinshaus) sowie die Möglichkeit zur Beschneidung einer zwei bis drei Kilometer langen Trasse umsetzen. Ein entsprechender Subventionsantrag wur- de an die Gemeinden und den Landtag gestellt. Erwartet werden Kosten von insgesamt 3,65 Millionen Franken. «Die Sportstätte Steg wäre ein massiver Mehrwert und würde auf jeden Fall einen Schub geben», meint Bärti Manhart, Cheftrainer des nordischen Kaders. Gerade was die Schneesicherheit in Steg und eine kürzere Anreisezeit zum Training betrifft, was die Regeneration fördert. Dasselbe Ziel, das der LSV mit der Rennpiste in Malbun für Ski alpin verfolgt.

    Von den genannten Projekten ist dieses am weitesten fortgeschritten. Sofern der Landtag dem Antrag zustimmt, könnte die Sportstätte Steg gemäss Projektleiter Christoph Frommelt innerhalb von circa einem Jahr realisiert werden: «Im Alpengebiet besteht das Problem, dass im Winter keine Arbeiten verrichtet werden können. Das Loipen- und Vereinshaus wird sich deshalb eher bis zur Saison 2022/23 hinauszögern.» Andere Bereiche wie die Loipenanpassungen und das Beschneien, wobei dies wegen dem Wasser vor Ort relativ effizient möglich sei, könnten hingegen früher umgesetzt werden. Mit gewissen Einschränkungen wären dadurch in Steg überregionale Rennen mit Einzelstarts möglich, indem eine von der FIS homologierte Loipe entstünde.

    Geteilt: x