• 22.10.2020 16:35 | von Philipp Kolb

    Der Elfmeter-König wohnt in Vaduz

    Der frühere Bundesliga-Profi Hans-Joachim Abel hat sich in Liechtenstein verliebt. Der 68-Jährige lebt seit über 30 Jahren im Land. Er war auch Trainer beim FC Balzers, Schaan, Vaduz und Triesenberg.

    16 Mal hat sich Hans-Joachim «Jochen» Abel in der deutschen Bundesliga den Ball für einen Elfmeter bereitgelegt, Anlauf genommen, sich konzentriert und dann jedes Mal auch getroffen. Damit hält er immer noch den Rekord an verwerteten Penaltys in Serie und auch immer noch interessieren sich die deutschen Medien dafür. «Jedes Jahr gibt’s Anrufe. Ich bin auch schon in verschiedene TV-Sendungen eingeladen worden, aber das ist nicht so mein Ding», lacht Jochen Abel. Der rüstige Rentner spielte früher für Bochum, Schalke 04 oder Fortuna Düsseldorf. 

    In Bochum war er der Publikumsliebling, traf in 144 Bundesligaspielen in knapp fünf Jahren 60 Mal ins Schwarze. Als Elfmeterschütze war er für die Trainer immer eine Bank. Rechnet man nämlich die Elfmeter in der zweiten Bundes-liga dazu, kommt Abel sogar auf beachtliche 22 Treffer ohne einen Fehlschuss. 

    Geheimrezept: «Nicht zu viel nachdenken»
    Abel verfolgt natürlich auch heute noch, was in der Bundesliga läuft, aber auch was im Liechtensteiner Fussball abgeht, schliesslich war er über viele Jahre Trainer beim FC Balzers, Schaan, Vaduz und in Triesenberg. «Mein Rekord gilt noch, aber Max Kruse ist mir dicht auf den Fersen.» Er steht mittlerweile bei 14 in Serie verwandelten Elfmetern und scheint auch ganz genau zu ­wissen, worauf es ankommt. ­Jochen Abel meint: «Es ist wichtig, nicht zu viel nachzudenken, und es braucht eine gute Schusstechnik.» Abel fügt auch an: «Heute gibt’s viel mehr Elfmeter als früher. Es wird viel mehr gepfiffen, dafür hat der Torhüter nicht mehr so viele Möglichkeiten wie damals.» 

    Nach dem Karriereende zum FC Balzers gegangen
    Als Jochen Abel seinerzeit seine Aktivkarriere beendete, landete er als Spielertrainer beim FC Balzers. «Ich hatte da einige Angebote von verschiedenen Vereinen. Der FC Balzers hat es mir aber angetan. Mit Norbert Biedermann traf ich mich in Basel beim ersten Kontakt. Gefallen hat mir dabei, wie seriös alles ablief und dass beim FC Balzers der Fokus auf die Jugend und die eigenen Spieler gesetzt wurde», blickt Abel zurück und weiter: «Ich stellte die Bedingung, die erste Mannschaft und die A-Junioren erst zu sehen, bevor ich mich entscheide. Da war wirklich viel Potenzial vorhanden, warum ich mich dann für den Schritt nach Balzers entschieden habe. Und diesen Schritt habe ich nie bereut. Hätte ich damals nicht unterschrieben, wäre ich nicht in Liechtenstein gelandet.» 

    Abel hat sich in das Land, die Region und die Menschen richtiggehend verliebt. «Wir leben hier im Paradies auf Erden. Ich fühle mich sauwohl hier, wie man auf gut Deutsch sagt», lacht Abel, der neben seinen Trainerstellen auch in Liechtenstein gearbeitet hat. «Ich hatte einen Superjob neben dem Traineramt.» Seine Tochter hat hier eine Lehre gemacht und sein Enkel auch beim FC Vaduz gespielt. «Er ist jetzt 14 Jahre alt und hat andere Interessen als Fussball. Jeder soll das machen, was ihm Spass macht.» 
    Nach Balzers trainierte Abel auch den FC Vaduz, den FC Schaan und den FC Triesenberg. «Ich bin mit Schaan, Vaduz und Balzers insgesamt vier Mal aufgestiegen und heute sehe ich beim Spazieren manchmal wieder Menschen, die ich aus der Zeit als Trainer kannte. Das find ich toll.» Immer wieder besucht Abel auch heute noch die Spiele seiner Ex-Vereine oder auch Trainings. «Es ist spannend zu sehen, wie sich der Fussball entwickelt hat. Heute ist alles anders als früher. Vergleiche anzustellen ist aber sehr schwer. Sicher ist, es wird alles professioneller gemacht. Heute gibt’s Stürmertrainer, Torhütertrainer, Fitnesstrainer. Ich musste alles noch selber machen», lacht Abel und weiter: «Der Fussball ist sicher viel athletischer geworden.» Besucht hat er auch den FC Vaduz in der letzten Saison, als der Aufstieg geschafft wurde. «Ich bin ganz ehrlich. Die Vaduzer hatten es nicht leicht. Es wurden viele neue Spieler ins Team eingebunden und ich habe das, was sie geschafft haben, nicht für möglich gehalten. Die Entwicklung, die dort passierte, ist unglaublich und hiervor ziehe ich den Hut. Was der Trainerstaff und die Brüder Burgmeier in Vaduz leisten, ist überragend.» 

    Zwei- bis dreimal pro Woche wird trainiert
    In der neuen Saison und damit in der Super League konnte Abel die Vaduzer Spieler noch nicht live sehen. «Ich habe Respekt vor diesem Coronavirus. Darum war ich noch nicht dabei.» Der Wahl-Liechtensteiner schaut dafür auf seine Gesundheit. Er spaziert sehr gerne mit seinem Hund und trainiert zwei- bis dreimal die Woche auf dem Laufband oder macht Krafttraining. «So bleibt man fit und kann das Leben als Rent­ner auch voll geniessen.» 

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