• 23.01.2021 12:00 | von Gary Kaufmann

    Den Schweizer Meister zu Gast

    Ausgerechnet gegen Tabellenführer Young Boys verlangt FCV-Trainer Mario Frick eine Reaktion.

    Der Ton wird rauer im Rheinpark Stadion. «Ich habe keine Lust darauf, mit einer guten Stimmung abzusteigen. Ich möchte, dass meine Mannschaft dreckiger wird», fasst Mario Frick die Ansprache zusammen, welche er den Spielern nach der 0:2-Niederlage in St. Gallen gegeben hat. Der FCV-Trainer vermittelt damit den Eindruck, dass sich einige Spieler in der Rolle als Tabellenletzter zu wohl fühlen. Dem angezählten Vaduz, das derzeit sechs Punkte von der Barrage respektive dem sicheren Bereich entfernt ist, rinnt allmählich die Zeit davon. Gerade wegen der klaren Ansprache ist Frick trotzdem davon überzeugt, dass seine Elf am Sonntag eine Reak­tion zeigt. Dass es sich beim nächsten Gegner sowohl um den amtierenden Meister als auch Leader Young Boys handelt, lässt er als Ausrede nicht gelten, ergänzt aber: «Wenn man dem Favoriten 90 Minuten lang alles abverlangt und es am Schluss nicht reicht, ist es halt so. Dann können wir uns nach dem Spiel keine Vorwürfe machen.»
    In St. Gallen waren es wieder ein­mal zwei vermeidbare Tore (62. und 70.), bei denen Abwehrchef Yannick Schmid und Torhüter Benjamin Büchel im Zentrum standen, sowie der fehlende Druck nach vorne, die Punkten im Weg standen. Linus Obexer, den ein weiteres Spiel gegen seinen Ausbildungsverein erwartet, steht hinter der Kritik seines Trainers. Der Matchplan am Mittwoch sei «klar gewesen», doch dieser wurde «auf dem Platz nicht gut genug umgesetzt». Vor allem bei Ballbesitz habe man oft die falsche Entscheidung getroffen. «Wir werden immer den Glauben daran behalten, dass wir gegen jeden Gegner drei Punkte holen können», zeigt der Berner die richtige Einstellung. Als ehemaliger YB-Spieler wisse er, wie es ist, ein Auswärtsspiel gegen Aussenseiter wie Vaduz zu bestreiten: «Da kann es auch mal vorkommen, dass sie die Köpfe zu Hause lassen. Für uns muss das eine Chance sein.» 
    Nur bräuchte Vaduz dafür auch die eine oder andere gefährliche Aktion. Im letzten Spiel verzeichnet die SFL-Statistik zwei Schüsse, wovon einer aufs Tor ging. Diese Daten sind zwar nicht immer genau, allerdings spiegelt die Tendenz durchaus den bisherigen Saisonverlauf wider. 

    Mario Frick: «Nach so einem Match braucht es Wechsel»
    «Sie haben eine unglaubliche Physis und sind individuell in der Liga am stärksten besetzt. Darum wird der Meistertitel auch dieses Mal nur über die Berner führen», meint Frick. Seine Spieler dürfen sowohl dem aktuellen Torschützenkönig Jean-Pierre Nsame (sieben Treffer) als auch seinen Kollegen keine Tiefe geben. Bei Balleroberung fordert er ein besseres Positionsspiel, dass die einstudierten Laufwege eingehalten werden und der letzte Pass konsequenter erfolgt. Woraus er Hoffnung schöpft: «Über weite Strecken sind wir gut gestanden. YB wird uns ausserdem nie so pressen und unter Stress setzen wie St. Gallen.» In der Defensive gelte es, die guten Ansätze beizubehalten, die anderen auszublenden. Angesprochen auf die Aufstellung für das Sonntagsspiel, teilt der FCV-Trainer eine weitere Schelte gegen seine Spieler aus: «Gerade nach so einem Match braucht es meiner Meinung nach Wechsel.» Allerdings spricht auch der enge Terminkalender für Rotationen; an der gestrigen Medienkonferenz wurden die Duelle gegen Zürich (27. Januar) und Luzern (30. Januar) angesprochen. Zusätzlich könnten Vaduz die fraglichen Spieler Denis Simani und Pius Dorn wieder zur Verfügung stehen. Sicher fehlen werden hingegen die verletzten Mohamed Coulibaly sowie Boris Prokopic. Genauso muss Stürmer-Neuzugang Elvin Ibrisimovic weiterhin auf sein FCV-Debüt warten. «Bei ihm ist es nach wie vor so, dass er physische Rückstände hat», erklärt Frick. Von der Mannschaft, die gegen Young Boys antritt, verlangt er vor allem eines: «Ich will von ihr sehen, dass wir im Abstiegskampf mehr auf die Punkte angewiesen sind als der Meister.»

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