• 21.11.2020 06:00 | von Gary Kaufmann

    Das zweite Kellerduell steht vor der Tür

    Im heutigen Auswärtsspiel gegen Luzern (Anpfiff 18.15 Uhr) hat Schlusslicht Vaduz das Ziel, seinen Torriecher wiederzuentdecken.

    Das letzte Pflichtspiel des FC Vaduz liegt fast einen Monat zurück – zuerst musste die komplette Mannschaft zehn Tage in Quarantäne, dann folgte die Länderspielpause. Wie vor der 1:4-Niederlage gegen Zürich steht erneut ein Kellerduell auf dem Programm. Dieses Mal heisst der Gegner Luzern, welcher nur wegen der besseren Tordifferenz einen Rang vor einem steht. Ganz ungelegen kam die längere Pause nicht. So fand man nämlich einmal die Zeit, sich um die grösste Baustelle zu kümmern, die dem ersten Sieg in der Super League im Weg steht. «Wir haben daran gearbeitet, was ich zuletzt immer kritisiert habe: das Offensivspiel», verriet Mario Frick an der Medienkonferenz.

    Beim 1:5-Testspielsieg gegen Austria Lustenau vergangene Woche habe der FCV-Trainer bereits Fortschritte festgestellt: «Es war kein Gegner wie heute. Trotzdem ist es gut, dass wir so viele Tore schiessen konnten.» Wohlgemerkt ist es gar nicht so lange her, erst am 20. Juni 2020, als man Luzern in einem Testspiel vor dem Re-Start 3:0 klar schlug. Weniger rosig sieht die Bilanz der vergangenen 14 Pflichtspiele gegeneinander aus, in denen die Innerschweizer ungeschlagen blieben.      

    Coulibaly bereit fürs erste Pflichtspiel der Saison

    Im Rheinpark Stadion hofft man auf den ersten Dreier, um Rückenwind zu erhalten. Ganz nach dem Vorbild des FCZ, der gegen Vaduz mit seinem neuen Trainer Massimo Rizzo eine Negativserie beendete und eine Erfolgsserie (drei Siege in Folge) startete. Dadurch kletterten die Zürcher vom zehnten bis zum vierten Rang hoch. «Klar fahren wir nach Luzern, um den ersten Saisonsieg einzufahren», unterstreicht Abwehrchef Yannick Schmid. Für den Luzerner wird es ein besonderes Gefühl sein, in der Swiss­porarena aufzulaufen: «Für mich ist es eine Rückkehr in die Heimat. Ich bin jedoch einer, der das Rundherum gut ausblenden und sich voll auf das Spiel fokussieren kann.»

    Trotz seiner Wurzeln hat Schmid keine Hemmnis davor, gegen seinen ehemaligen Arbeitgeber zu knipsen. Im Testspiel gegen Luzern erzielte er kurz vor der Pause nach einem Cicek-Freistoss den 1:0-Führungstreffer (45.). Ein weiterer Torschützen-Kandidat ist Mohamed Coulibaly, der in Lustenau den Schlusstreffer markierte und – nach seiner Verletzung – vor seinem ersten Pflichtspiel in dieser Saison steht. «Er ist das Element, das uns in der Anfangsphase gefehlt hat. Ich bin froh, dass er jetzt dabei ist», erwartet Trainer Mario Frick Grosses von seinem Dribbelflitzer.

    Sicher fehlen wird heute Sandro Wieser (verletzt). Fraglich sind Denis Simani, Milan Gajic und Joël Schmied. Letzterer kehrte nach seiner Corona­infektion und der zweiten Quarantäne innert kürzester Zeit erst am Donnerstag wieder in das Mannschaftstraining zurück. «Ich weiss aus eigener Erfahrung, dass es nicht lustig ist, wenn du im Zimmer sitzt und dich nicht richtig bewegen kannst», erklärt Frick. «Er wird sicher nicht den gleichen Rhythmus haben wie die anderen.» Bei Simani sieht der Fall so aus, dass er aufgrund der im Zürich-Spiel zugezogenen Schulterverletzung bei den Zweikämpfen noch gehemmt ist. Deshalb möchte der Trainer lieber auf einen Verteidiger setzen, der 100 Prozent geben kann.  

    Aufseiten des Kontrahenten kehren drei Spieler aus ihrer Quarantäne zurück: Filip Ugrinic, Ashvin Balaruban und Mark Marieku sind diese Woche wieder ins Mannschaftstraining eingestiegen. Ebenfalls wieder fit sind Captain Christian Schwegler und der ehemalige FCV-Spieler Pascal Schürpf, welcher beim Gastgeber mit vier von acht Treffern die Torschützenliste anführt. Fehlen werden laut Auskunft der Luzerner die Langzeitverletzten Marco Burch und Aziz Binous sowie Innenverteidiger Lucas Alves wegen seiner roten Karte. Fraglich ist Simon Grether.

    Luzern stellt sich heute auf einen defensiven Gast ein

    «Es ist noch einiges möglich. Wir haben erst Ende November und fünf Spiele absolviert. Eine Bilanz werden wir erst kurz vor Weihnachten ziehen. Bis dahin interessiert mich die Tabelle nicht», sagt der FCV-Trainer. Tatsächlich ist die Stimmung im Rheinpark Stadion genauso heiter wie in der Challenge 
    League. Dennoch wird es allmählich Zeit für einen Sieg, damit es auch längerfristig so bleibt. Und da kommt die derzeit schlechteste Abwehr der Super League (13 Gegentreffer) gerade recht, um durch einige Buden wieder Selbstvertrauen zu tanken.  

    «Die Philosophie von Luzern besteht darin, den Ball von hinten ausspielen zu wollen. Das birgt ein grosses Risiko. So sind wir gegen Zürich in zwei Konter reingelaufen», analysiert Frick. Vom Testspiel gegen sie wisse er, dass die Innerschweizer einem durch ihre Ausrichtung viel Raum lassen. Diesen möchte der FCV-Trainer nutzen: «Wenn wir den Ball gewinnen, was sicher passieren wird, müssen wir die richtigen Entscheidungen treffen. Dann bin ich davon überzeugt, dass wir zu Torchancen kommen.» Sein Gegenüber, Fabio Celestini, erwartet folgendes von Vaduz: «Sie werden wohl eher defensiv auftreten und mit einem Fünfermittelfeld die Räume in der Mitte versuchen, eng zu machen. Wir werden spielerische Lösungen brauchen, um diesen Riegel zu knacken.»

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