• 21.11.2020 15:00 | von Desiree Vogt

    Vom Kindergarten-Obligatorium bis zur «Kita för alle»

    Die Arbeitsgruppe «Familienpolitik» hat die Ergebnisse einer  Familienumfrage aus dem Jahr 2018 analysiert, beraten und daraus Ziele definiert. In einem 59-seitigen Bericht beleuchtet sie detailliert, wie sich die Bereiche Familie und Beruf besser vereinbaren lassen und hat der Regierung auch diverse Vorschläge unterbreitet. Die Regierung hat diesen Bericht gestern nun zur Kenntnis genommen.  Ob und welche Massnahmen künftig umgesetzt werden, ist allerdings völlig offen. «Der Bericht soll als Instrumentenkoffer für die zukünftige Familienpolitik dienen», erklärt Manuel Frick, Generalsekretär des Ministeriums für Gesellschaft mit Blick auf die anstehenden Landtagswahlen. «Neue Köpfe» werden gewählt – und sie sind es auch, die es in der Hand haben, welche familienpolitischen Massnahmen künftig gesetzt werden. Deshalb sei es dem Ministerium auch wichtig gewesen, den Bericht noch in dieser Legislaturperiode vorzulegen.  Aufgrund der Ergebnisse der Familienumfrage haben sich in der Arbeitsgruppe zahlreiche Handlungsfelder herauskristallisiert, so zum Beispiel die Dauer des Mutterschaftsurlaubes, die bezahlte Elternzeit, die Einführung eines bezahlten Vaterschaftsurlaubes oder aber die Höhe der Subventionierung bei ausserhäuslicher Kinderbetreuung. Thematisiert werden aber auch Lücken bei den ausserhäuslichen Kinderbetreuungsangeboten, die Wahlfreiheit für Eltern bezüglich der Familienmodelle, die Verfügbarkeit von Teilzeitarbeitsplätzen sowie flexiblen Arbeitsplätzen und die Wertschätzung der Haus- und Familienarbeit.

    Der Bericht gliedert sich hauptsächlich in vier Bereiche (siehe unten). Zu jedem dieser Bereiche hat die Arbeitsgruppe konkrete Massnahmen ausgearbeitet. Spannend sind einige Vorschläge. So zum Beispiel, dass die diversen Schul- und Betreuungssysteme aufeinander abgestimmt werden und der Nutzen von Synergien überprüft werden könne. Auch sei darüber nachzudenken, ob Betreuung und Bildung nicht besser in ein und demselben Ministerium anzusiedeln wären, da diese Bereiche immer mehr zusammenwachsen würden. Ausserdem schlägt die Arbeitsgruppe vor, die Lücke zwischen Arbeits- und Schulferien zu schliessen, in dem auch während der Ferien Betreuung angeboten wird, und sie denkt auch laut über ein Kindergarten-Obligatorium nach. Schon heute würden fast alle Kinder den Kindergarten besuchen, «es würde in der Praxis keinen (grossen) Unterschied machen, wenn dieser für alle Kinder obligatorisch wäre», heisst es im Bericht. Als weitere Massnahme wird vorgeschlagen, eine ständige Kommission einzusetzen, die sich um familienpolitische Anliegen kümmert und die Regierung berät. 

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