• 21.10.2020 07:48 | von Desiree Vogt

    «Risiko einer Erkrankung wird nachweislich gesenkt»

    Für Ärzte gehören Masken zum Alltag dazu. Sie wissen um die Wirksamkeit derselben.

    Herr Dr. Körnlein, als Arzt tragen Sie selber täglich stundenlang eine Maske. Hatten Sie je Probleme damit?
    Markus Körnlein: Für medizinisches Personal ist es Routine, nicht nur Masken, sondern allgemein eine Schutzausrüstung zu tragen – keine Operation wäre ohne das Tragen einer Maske oder eines OP-Kittels denkbar. Es gibt aber auch andere Anlässe, um unsere Patienten und uns selbst durch das Tragen einer Maske und Schutzkleidung zu schützen: so «isolieren» wir grundsätzlich immer jeden Patienten, wenn der Verdacht auf eine ansteckende Krankheit besteht – seien es nur «banale» Durchfallerkrankungen, eine Grippeinfektion oder eben seit diesem Jahr das neuartige Coronavirus. Das Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes ist für alle im medizinischen Bereich eine vertraute Angelegenheit und es gehört zum Arbeitsalltag dazu.

    Es gibt unterschiedliche Arten von Masken – welche schützen uns und andere wirklich vor Ansteckungen?
    Hierzu gibt es ganz aktuelle Studien. Sie alle bestätigen, dass das Tragen von Masken Schutz bietet – zum einen, damit wir andere nicht anstecken, zum anderen aber auch als Schutz für uns selbst. Es wurde nachgewiesen, dass «selbstgenähte» Masken ebenfalls schützen; die Studienautoren hatten aber angeregt, hierfür Baumwolle oder Seide zu verwenden. Lediglich ein einfacher Schal oder ein Tuch vor Mund und Nase scheinen laut der Studien wohl kaum Schutz zu bieten. 

    Der Schutz, den Masken bieten, wird durch nichts aufgewogen

    Kann ich mich und andere mit einfachen Masken, die im Supermarkt erhältlich sind, wirklich vor Corona schützen?
    Auch durch die Verwendung «einfacherer» Masken wird das Risiko einer Erkrankung und vor allem die Schwere einer Erkrankung nachweislich gesenkt. Zudem bieten auch diese Masken dem Gegenüber Schutz vor den ausgeatmeten Viren. 

    Das Tragen von Masken kann auch gefährlich sein – wenn man sie falsch benutzt. Wie trägt man die Masken korrekt?
    Eine Gefahr durch das Tragen der Masken kann bei regulärer Verwendung ausgeschlossen werden. Der medizinische Name der «Masken», nämlich Mund-Nasen-Schutz, erklärt schon, worauf es ankommt: sie muss immer Mund und Nase bedecken, nur dann ist die Schutzwirkung auch gegeben. Wichtig ist auch, feuchte Masken sofort zu entsorgen, durch neue zu ersetzen oder wiederverwendbare Masken regelmässig, am besten täglich, zu waschen; dies bevorzugt in der Waschmaschine und bei 60°C – so zumindest die derzeitigen Empfehlungen. Mit der Maske muss sorgfältig umgegangen werden. Sie soll nicht liegen gelassen werden und nach gültigen Empfehlungen aufbewahrt werden. Wenn sie einmal aufgesetzt ist und sitzt, soll sie auch nicht mehr angefasst werden (ausser an den Bändeln).

    Stimmt es, dass sich in den Masken zu viel Kohlendioxid sammelt?
    Unsere Umgebungsluft setzt sich zu 21 Prozent aus Sauerstoff und zu etwa 0,04 Prozent aus Kohlendioxid, die Ausatemluft zu etwa 4 Prozent aus Kohlendioxid und zu 17 Prozent aus Sauerstoff zusammen; der weit überwiegende Teil der uns umgebenden Luft besteht aus Stickstoff (78 Prozent), der gar nicht an unserer Atmung teilnimmt. Auch steht grundsätzlich ein Teil der Luft, die mit jedem Atemzug ein- und ausgeatmet wird, gar nicht in den Lungenbläschen, in denen der Sauerstoff ins Blut gelangt und das Kohlendioxid ausgeschieden wird, zur Verfügung. Wir nennen dies den «Totraum», der sich aus dem Mund-Nasen-Rachen-Raum und den «unteren Atemwege», grob gesprochen den Bronchien, zusammensetzt. Im Vergleich hierzu ist der Totraum, der durch das Tragen einer Maske zusätzlich hinzukommt, verschwindend gering und hat auf unsere Versorgung mit Sauerstoff keinen Einfluss. 

    Gibt es Menschen, denen Sie vom Tragen von Masken aus gesundheitlichen Gründen dennoch abraten würden?
    Auch hier ist die aktuelle Studienlage sehr eindeutig: Der Schutz, den Masken bieten, wird durch nichts aufgewogen. Es wurde in Studien untersucht, ob die Verwendung der Masken einen negativen Einfluss auf die Sauerstoffversorgung lungenkranker Patienten hätte, dies konnte jedoch definitiv ausgeschlossen werden. Subjektiv mag es das Gefühl geben, dass man durch die Maske beim Atmen beeinträchtigt wird, dies konnte aber in den Untersuchungen objektiv nicht bestätigt werden.

    Der Sars-CoV-2-Erreger ist nicht mit einem Grippe­virus vergleichbar 

    Ganz generell: Wie gefährlich schätzen Sie Covid-19 ein?
    Covid-19 ist eine Erkrankung, die tödlich verlaufen kann. Es gibt zwar gerade viele junge Menschen, die eine Infektion nicht sehr zu beeinträchtigen scheint oder bei denen die Infektion sogar ohne Symptome verläuft. Leider gibt es aber auch viele Menschen, gerade Ältere oder Menschen mit Vorerkrankungen, für die ein deutlich erhöhtes Risiko besteht, sehr schwer zu erkranken oder gar an Covid-19 zu versterben. Auf jeden Fall ist es eine Erkrankung, die nach derzeitigem Wissensstand keinesfalls auf die leichte Schulter genommen werden darf.

    Was entgegnen Sie Menschen und Zweiflern, die Covid-19 als «normale Grippe» abtun? 
    Der Sars-CoV-2-Erreger kann neben der Lunge auch direkt Nieren, Herz und Gehirn befallen und kann dort zu mehr oder minder schweren Schädigungen führen. Ausserdem kann es die Blutgerinnung negativ beeinflussen, Probleme mit dem Kreislauf verursachen und auch unser Immunsystem wird durch den neuartigen Erreger sehr gefordert: Es kann überschiessend reagieren und dadurch noch zusätzlich schädigen. Die seit Ausbruch der Pandemie gesehenen, zum Teil sehr schweren Krankheitsverläufe belegen, dass dieser Erreger nicht mit einem Grippe­virus vergleichbar ist.

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Dr. Markus Körnlein, Leiter der Notfallaufnahme und Leitender Arzt Innere Medizin, beantwortet ...
Foto: Dr. Markus Körnlein, Leiter der Notfallaufnahme und Leitender Arzt Innere Medizin, beantwortet Fragen rund um die Maske.