• 23.01.2021 06:00 | von Dorothea Alber

    Nächste Impfstoff-Lieferung ist eine «Hängepartie» 

    Der Start des Impfprogramms ist erfolgreich angelaufen, doch drohende Lieferengpässe könnten Liechtenstein aus dem Tritt bringen. 

    Es sieht nicht mehr ganz so prekär aus: Die durchschnittlichen Fallzahlen der vergangenen zehn Tage sind deutlich unter zehn gesunken. «Die Situation ist erfreulich», sagte Gesundheitsminister Mauro Pedrazzini gestern während einer Medienkonferenz. Auch die Inzidenz hat sich positiv entwickelt. Derzeit sind 42 Erkrankte in Isolation – so wenige wie seit Monaten nicht mehr. Sechs Personen werden gerade im Spital behandelt, auch diese Zahl war schon deutlich höher. So weit die guten Nachrichten, die schlechten: «Wir sind aber noch nicht dort, wo wir hin möchten, und zwar bei einer 7-Tage-Inzidenz von 50.» Diese Zahl gelte international als Grenzwert, ab dem Massnahmen gelockert werden können. In Liechtenstein liegt die Inzidenz derzeit bei rund 140 und die Zahl der verstorbenen Personen hat sich inzwischen auf 51 erhöht. Umso wichtiger ist es, die Risikogruppen schnellstmöglich zu impfen. 

    Impfstoff-Lieferung hat sich mehrfach verzögert
    «Wir mussten diese Woche feststellen, dass sich die nächsten Lieferungen des Herstellers Pfizer-Biontech mehrmals in einer Woche verzögert haben», sagte Pedrazzini. Das habe keinen Einfluss auf die bereits geplanten Impftermine, dennoch sei es momentan eine Hängepartie. «Erst wenn eine hohe Liefersicherheit besteht, werden wir die nächsten Impftermine vergeben», betonte er. Eigentlich war geplant, die Hotlines zu öffnen, damit sich die Gruppe der über 85-Jährigen und später über 80-Jährigen anmelden kann. «Dies mussten wir aber verschieben», sagte Pedrazzini. Nichtsdestotrotz konnten bereits 330 Bewohner und Mitarbeiter von Pflegeheimen geimpft werden. Innerhalb der nächsten Woche sind es 450 weitere Personen, die gegen das Virus immunisiert werden. Damit wäre die Impfung in den Pflegeheimen und in der medizinischen Grundversorgung für die erste von zwei Impfdosen abgeschlossen. Wich­tig ist dem Gesundheitsminister dabei, die geplanten Impftermine auch einhalten zu können. «Wir möchten den Impfstoff genau nach den Zulassungsinformationen verabreichen und nicht Monate zwischen der ersten und zweiten Dosis verstreichen lassen.» In Liechtenstein sollen nur einige Wochen vergehen – genau so, wie es von den Herstellern gedacht und getestet wurde. Während die Immunisierung voranschreitet, bereitet eine neue Virusvariante Sorgen.

    Warum die neue Variante Sorgen bereitet
    Bisher sind zehn Fälle in Liechtenstein bekannt, bei denen sich Personen mit der «englischen Variante B.1.1.7» angesteckt haben. Sie weist eine ganze Reihe an Mutationen auf, für die eine höhere Ansteckungsgefahr vermutet wird. Für Pedrazzini waren das bisher nur theoretische Informationen. «Seit dieser Woche wissen wir: Bei der Beobachtung und beim Tracing sehen wir doch deutliche Unterschiede zu früheren Varianten.» Kontakte stecken sich sehr schnell an und selbst die Kontakte der Kontakte sind positiv getestet worden, obwohl sie teilweise keine Symp­tome aufwiesen. Forscher wissen noch nicht, warum sich die Variante schneller verbreitet. Eine Theorie ist, dass weniger Viren ausreichen, um sich zu infizieren. Eine andere besagt, Personen könnten länger symptomlos ansteckend sein. Um dem zu begegnen, ist das Contact-Tracing bei diesen Infizierten im Land sehr viel stärker und es wird vermehrt auch symptomlos getestet. «Wir versuchen mit allen Mitteln, die Ansteckungsketten zu verhindern, es wird aber auf lange Sicht nicht möglich sein, die Ausbreitung zu stoppen.» Sie werde wahrscheinlich über kurz oder lang die dominante Variante werden. 

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